Einige aus dem Englischen genommene Gedancken.
Der erste Prediger, der zu des Schöpfers Ehren,
Und zur Verherrlichung von Seiner Majestät,
Die alles alles übergeht,
Sich lässet hören,
Ist das erhabne Firmament:
Wo, neben Sonn und Mond, ein ungezehltes Heer
Von Sternen funckelt, blitzt und brennt.
Es kann dieß grosse Buch allein
Mit Lettern, so von Licht geschrieben,
Die Menschen, wenn sie GOTT nicht ehren, fürchten, lieben,
Zu überführen gnugsam seyn,
Wie sehr sie sich vergehn.
Doch ist des Schöpfers Weisheits-Licht
Nicht minder in den kleinsten Wercken,
Die durch Sein grosses Wort entstehn,
Mit tieffer Ehr-Furcht anzusehn,
Und mit Erstauen zu bemercken.
In diesen hat Er gleichsam sich,
Wenn man so sagen darf, zu uns herab gelassen,
Und scheinet es, ob lad’ Er eigentlich,
Jhn näher anzusehn, und von Jhm was zu fassen,
Uns selbst in ihnen ein.
Die Pflantzen können uns hievon belehren.
Und unverwerffliche gewisse Zeugen seyn.
Auch die verächtlichste von ihnen machet sich
Der allerweisesten und grössten Geister,
Durch ihre künstliche Zusammenfügung, Meister:
Ob sie von ihnen gleich nur das, was cörperlich,
Und was das gröbste nur, zu sehen taugen.
Da ja dasjenige, durch welches sie sich nehren,
Wodurch sie leben, sich vermehren,
Sowol den geistigen als cörperlichen Augen
Unsichtbar, unbekannt. Kein Blat ist übergangen;
Ein iegliches hat Ordnung, Symmetrie,
In einem reichen Maß empfangen.
Es ist erstaunens wehrt, auf welche Weise sie
Sich von einander unterscheiden,
An Balsam, an Figur,
An Kräfften, an Natur,
An Farben und an Schmuck, in welchen sie sich kleiden.
Was haben wir von dem, was in dem Samen stecket,
Durch Microscopia nicht allererst entdecket!
Allein, was hat nicht GOTT für mannichfache Krafft,
Für Wirckungen und Eigenschaft,
Bloß durch ein Wort in sie gesencket!
Wodurch er gleichsam denn das Pflantzen-Reich
Mit einer Art Unsterblichkeit beschencket.
Ist etwas, wofür GOtt mehr Ehr und Danck gebühret,
Und welches auch zugleich
Bewunderns-würdiger, als wie der Farben Schein,
Der allen Pflantzen allgemein,
Und welcher Feld-und Wälder zieret?
Hätt er auf dieser Welt
Wald, Hügel, Thäler, Berg’ und Feld
Weiß oder roth gefärbt; wer hätt’ ihr brennen
Und ihrer Farben Härt’ ertragen können?
Hätt’ er dieselben nun mit einer Dunckelheit
Von Farben angethan; wer könnt’ Ergetzlichkeit
In solchem traurigen und wüsten Anblick haben?
Wer könnte sich an solcher Schwärtze laben?
Ein lieblich holdes Grün hat zwischen beiden
Mit Recht den Mittel-Nang.
Und mit der Augen Bau und zarten Sehnen
Solch einen richtigen Zusammenhang,
Daß es, an stat sie auszudehnen,
Sie nachlässt, stärckt, erquickt, ja unterhält und nehret,
Und sie an Kräffter nicht erschöpft, noch sonst beschweret:
Ja das, was Anfangs bloß nur grün,
Und eine Farbe schien,
Hat solch unzehliche Veränderung, daß man
Sie nie genug bewundern kann.
An allen Orten ist es grün: Allein
Ist es an einem wol dasselbe? Nein!
Kein’ einzige von allen färbet sich
Wie sich die andre färbt: und dieser Unterscheid,
Der so verwunderlich,
Daß keine Menschen-Kunst noch Fleiß
Die Mannichfaltigkeit
Begreiffen, weniger sie nachzuahmen weiß,
Wird noch in iedem Kraut,
Auf mehr als eine Art, geschaut:
Indem sowol, wann sie zuerst entstehn,
Als auch wann sie hernach im Wachsthum weiter gehn;
Nicht minder wann sie reiff, an ihnen
Ein’ unterschiedne Art vom grünen,
Die alle schön und lieblich sind, zu sehn.
Man kan dieselbe Meng’ und Unterscheid entdecken
In der Figur der Pflantzen, auch im schmecken,
Und im Geruch derselben, eben auch
In ihrer Nahrungs-Krafft, nicht minder im Gebrauch
Zur edlen Artzeney.
Von den unzehligen will ich nur einerley
Zu mein-und deiner Lehr erwegen:
Wenn GOTT der Schöpfer nicht dem Heu,
So gar dem trockenen, auch wenn es alt, den Segen
Und eine Nahrungs-Krafft, für Ochsen, Pferd’ und Küh,
Und ander grosses Vieh
So reichlich beygelegt; wie fünd’ ein Ackers-Mann,
Ja selbst der reichste Mensch, ein Futter doch für sie?
Da sie so groß, und da sie, bloß allein
Durch ihre Stärck, uns nützlich seyn.
Wenn man im Gegentheil von einem Menschen wollte,
Daß er auf gleiche Weis’, als sie, sich nehren sollte;
Wie? oder wenn man ihm (da ihm das Heu zu käuen,
Noch solches zu verdäuen
Nicht möglich) aus dem Heu und Stroh die Krafft
In etwan einem Safft’
Heraus zu ziehn, und ihm zu geben
Bemühet wäre; sprecht, sollt’ dieses ihm sein Leben
Wol zu erhalten fähig seyn?
Dieß truckne Gras dient anderm Vieh dennoch,
Die Euter, die von Milch so überflüssig quillen,
Des Tages zweymahl anzufüllen:
Womit sich doch
Und zwar stat andrer Speis’ allein,
Viel tausend Menschen-Kinder nehren.
Betrachtete man doch, dem weisen GOTT zu Ehren,
Dieß Wunder, welches man sonst leider nicht betrachtet,
Und, durch Gewohnheit, kaum des denckens würdig achtet;
Man würd, o grosser GOTT, dich weis’ und groß zu
Sich nicht ersättigen, sich nicht ermüden können.