Einige Natur-Kräffte, Gesetze und Ei- genschaften, zu Ehren ihres allmächtigen B...

By Barthold Heinrich Brockes

HeRR der Jahre, Tag' und Zeiten!

Krafft der Kräffte! Born des Lichts!

Ursprungs-Meer der Ewigkeiten!

Bloß durch Deine Huld geschichts,

Daß wir nunmehr abermahl

Zu der Sonnen warmen Strahl,

Mit der regen Last der Erden,

Wiederüm geführet werden.

Laß uns dafür Dir allein,

Als dem Schöpfer, danckbar seyn!

Entferne dich, Seele, von eitelen Dingen!

Ermuntre dich! rege die geistigen Schwingen,

Und fache, voll Andacht und Ehr-Furcht, die Flammen

Inbrünstiger Danckbarkeit hefftiger an!

Entzünde dich! ziehe die Kräffte zusammen!

Vereine sie, desto geschickter zu werden,

Des herrlichen Schöpfers der Himmel, der Erden

Lieb’, Allmacht und Weisheit stets mehr zu bemercken!

Sey rege durch feuriger Danckbarkeit Triebe,

Erkenntlicher Sehnsucht und flammender Liebe,

Für alle vom Schöpfer erhaltene Güte

Mit brünstig- und innig-gerührtem Gemüthe,

Ein frohes Erkenntlichkeits-Opfer zu bringen,

Und Göttlicher Allmacht ein Lob-Lied zu singen!

Der Danck, das Lob nun, welches wir,

O wunderthätger Schöpfer, Dir,

Bey dieser Wechsel-Zeit, da sich das Jahr erneuet,

Und da die neue Nachbarschafft

Der, bloß allein durch Deines Willens Krafft

Gewordnen Sonnen, uns mit Wärm’ und Licht erfreuet,

Für so viel Gnad und Huld zu geben,

Und darzulegen uns bestreben;

Soll dieses mahl darin bestehn:

Jm Reiche der Natur verschiednes anzusehn,

Wodurch, in Lufft und Fluth und auf der Erden,

Erstaunens-würdige Bewegungen geschehn,

Und alle, Dir zum Ruhm, o HERR! verrichtet werden.

Da alle Regungen nur bloß allein,

O aller Kräffte Krafft, durch Dich verrichtet seyn;

Was können denn der Menschen Seelen

Für einen edlern Endzweck wehlen?

Wie können wir doch des Verstandes Kräffte,

Womit der Schöpfer sie beschenckt,

Und die er nicht von ungefehr gegeben,

Zu einem GOTT-gefälligern Geschäffte

Hier anzuwenden uns bestreben;

Als wenn man Geist und Witz in Seine Wercke sencket,

Die Ordnungen, wodurch Er alles lencket,

Und der Natur Bewegungen, bedencket;

Wodurch, alhier in unsrer Welt

Sowol, als in der allgemeinen,

Erstaunens-würdige Verrichtungen erscheinen:

Wodurch das, was Er schuff, sich wunderbar erhält.

Auf keinen andern Weg (den Glauben ausgenommen)

Kann man so nah der Gottheit kommen.

Durch keinen andern Weg wird man, zu Seiner Macht,

Zu Seiner Weisheit, Lieb’ und Majestät

Erkenntniß, richtiger und sicherer gebracht,

Als wenn man diese Bahn mit froher Ehr-Furcht geht.

Zu diesem nöthigen und nützlichen Geschäffte

Verleih mir nun, o HERR! Lust, Weisheit, Ernst und

Damit auch andre sich von dir nicht mehr entfernen,

Und Dich, in Deinen weisen Wegen,

Durch aufmercksames überlegen,

Erkennen und verehren lernen!

Aller Dinge, die vom Schöpfer ie geschaffen und ge-

Zustand und Beschaffenheit, Wirckung, Stoff, Natur und

Wie es die Natur uns zeigt, wie wirs in der Bibel lesen,

Sind, nach Maaß, Gewicht und Zahlen, wunderbar hervor

Wann ich von der

Hab ich mir was herrliches so von

Wodurch, wann wirs recht erwegen, alles was geschicht,

Jetzt zum Vorwurff meiner Lieder ausersehen und erlesen.