Einladungs-schreiben zur hochzeit an einen guten freund in Meissen. H. M.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Es grüst dich ietzt mein brief o alter schul-geselle

Von kindheit treuer freund mein werther Seidemann;

Und wünscht er sehe dich nur selber zu der stelle

Nun mir des himmels gunst das hochzeit

Denn ich kan ohne dich vergnüget nicht erscheinen

Du weist wie freundschafft uns genau zusammen bindt

Und der ist von metall von felsen und von steinen

Der einen landsmann weiß und ihn nicht selber find.

Kein Greiffenberger wird erfreulich können greiffen

Wenn nicht sein mitgesell empfindet gleiche lust

Ich tantzte noch so gut wenn du mir würdest pfeiffen

Dieweil du keinen sprung vergebens selber thust.

Nun höre wie das glück so vortheilhafftig handelt

Es sieht uns bald geneigt bald wieder sauer an:

Nach dem mein erstes weib zur langen ruh gewandelt

So dacht ich auch nun ists mit dir durchaus gethan.

Ich wolte durch die welt aufs neue wieder reisen

Ich wolte gleich wie du in fremde gräntzen ziehn

Ich meinte keinem gehts als wie dem herren Weisen

Der ietzt in Breßlau kan in vollem seegen blühn.

Ich schloß: du bist nicht schwer dich drücket keine bürde

Es macht dir weder kind noch stieffkind schwere pein

So nannt ich grossen stand und allzu hohe würde

Melonen die für mich gar nicht zu essen seyn.

Bald dacht ich wiederum: Wo wird dein freund itzt leben?

Mir war zwar wohl bekandt daß Meissen dich umschloß:

Ich sorgte wird es ihm auch satt zu essen geben?

Die blick und worte sind da freundlich reich und groß.

Dann sah ich wiederum und auf mich selbst zurücke

Und zog mit frohem geist nach meinem vetter hin

Gott fügt es wunderlich ich fand da mein gelücke

Er sprach: bleib bey mir hier erwarte den gewinn.

Ich folg und lasse den der mich erschaffen walten

Verehre meinen GOtt mit brünstigem gebet

Voll hoffnung daß er werd’ auch sein versprechen halten

Daß kein rechtgläubiger umsonst ihn angefleht.

Ich gehe drauff getrost und suche lieb und hulden

Und finde diese frau der ich mich ietzt vertraut.

Sie spricht ich solle mich ein weniges gedulden

Biß daß sie mein gemüth und hertze vor beschaut.

Sie ziehet nachricht ein von meinem thun und leben

Und höret wer ich bin und was ich je gethan

Und weil die Jauter mir ein gutes zeugniß geben

So nimmt sie mich zum schatz und ihrem bräutgam an.

Ich werde nun getrost zum kretschmar Urbar schreiten

Nicht wundre dich mein freund daß ich den schluß gemacht.

Was sind studenten doch bey den elenden zeiten?

Es wird ein arm gesell verspottet und verlacht.

Was hilfft uns alle kunst wenn man soll hunger leiden

Und auf den dörffern wohl präceptor sterben muß?

Wenn bauren sich in tuch und wir in leinwand kleiden

Und ein zerrißner schuh kaum decket unsern fuß?

Die Musen betteln itzt und stehen vor den thüren

Es ist kein schlechtrer mensch als ein gelehrter mann

Und solt ich diesen wahn mich länger lassen führen

Mein hertz-vertrauter freund ich griff es anders an.

Ich mag nicht auf der welt die bogen voller titel

Vor mir mag jederman vorn an der spitzen stehn.

Beschert der höchste GOtt nur mir zu leben mittel

So laß ich andre gern im ersten paare gehn.

Nun bruder Seidemann daß ich den zweck erreiche

Komm auf mein hochzeit-fest ein hochgewünschter gast

Es wird kein edelmann indeß zu einer leiche

Von dem du irgend noch fünff groschen rechnung hast.

Du wirst zu Breßlau noch so eine mahlzeit finden

Die deiner Meißnischen durchaus die wage hält

Es soll ein safftig stähr dir das geblüt entzünden

Daß er wie bitter bier dir in die kehle fällt.

Behüte GOtt dafür! ich will dein land nicht tadlen

Das reine Meissen ist ja voller-reinligkeit

Und weil es sparsamkeit und kluge kargheit adeln

So leg ich alles diß was widrig ist bey seit.

Allein o alter freund du wirst es selbst bekennen

Daß unser Schlesten viel beßre nahrung hat.

Wer einmahl zu uns kommt wird leicht davon nicht rennen

Und spricht

Du wirst den gantzen tisch mit speisen sehn besetzet

Wenn ein gerichte kaum bey euch die augen füllt

Man dencket wie nur recht der magen werd’ ergetzet

Und daß er nicht so bald für neuem hunger billt.

Ich will dir schwartzen schöps und neues bier gewähren

Bedencke jene zeit wie du gezogen hast

Du magst bey mir so frisch als wie die schlemmer zehren

Die zahlung kommt auf mich du bist mein lieber gast.

Die hüner sind allhier nicht auf dem mist gemästet

Wie man bey euch gewohnt das kalbfleisch ist recht fett

Und wen das rindfleisch hier zum besten nicht geköstet

So glaub ich daß er nicht vernunfft und sinnen hätt.

Es soll an wildpret dir und vogeln gar nicht mangeln

Da du zu Lauchstädt nur spatz und goldammern speist

So darffst du nicht wie dort erst deinen weißfisch angeln

Weil sich ein welß und aal hier auf dem tische weist.

Zu diesem geb ich wein den safft von edlen trauben

Der gar weit herrlicher als euer eßig schmeckt.

Du magst mein Seidemann mir kühn- und kecklich glauben

Daß nach dem nectar-tranck man alle singer leckt.

Verzeihe daß ich ietzt mit dir auffrichtig schertze

Denn freunden ist ja nicht dergleichen lust versagt.

Du kennst mein treu gemüth und mein getreues hertze

So weiß ich daß dir auch ein reiner schertz behagt.

Mein mund wird künfftig GOtt ein Halleluja singen

Wenn dein betrübter hals nur miserere schreyt

Wenn dir die knaben nicht genugsam holtz einbringen

Und bey dem strengen frost der baur zehlt jedes scheit.

Zwey freunde haben gantz ein sonderbahr gelücke

Mich deckt ein steinern hauß dich eine leimern wand.

Ich kauff ein halstuch ein du küh- und kälber-stricke

Mein boden der ist fett und mager ist dein land.

Es will die dürfftigkeit stets deine nachbarn heissen

Wenn eine kirmeß dir nicht noch ein träncklein giebt.

Du spinnst wohl seide nicht mein Seidemann in Meissen

Dein garn das ist zu grob dein faden nicht beliebt.

Das kraut ist heuer klein der kohl ist nicht gerathen

Die rüben sind verdorrt die möhren sonder safft.

Ach! welche theure zeit ach welche magre braten!

Die dir dein cantor-amt zu Lauchstädt reicht und schafft.

Es wird ein schlechtes muß mit etwas kalten speisen

Und mehr als schwartzes brod in deine gurgel ziehn

Da hasen hirsch und reh capaunen bey herr Weisen

Zum besten zugericht auf seinem tische blühn.

Bald stärckt uns Ungarns wein bald sect den blöden magen

Da dir ein brantewein den besten purpur schenckt.

Und läst du eine wurst den sonntag dir vortragen

So glaube daß bey mir gantz voll der trender hengt.

Ein gantzes bier bringt mehr als deine gantze schule

Ob schon das herbst-quartal das allerbeste scheint

Du sitzst auff einer banck und ich auf einem stuhle

Und meine nahrung ist mit deiner nicht vereint.

Bedencke wenn du must die nackten backen fegen

Und dir ein stinckend dampff in das gesichte steigt

So spür ich GOttes gunst und seinen milden seegen

Den er mir überall in meinem Urbar zeigt.

Zwey knechte stehen dar zu meinen dienst und willen

Da nicht ein knabe da zu wischen deine schuh;

Hör ich laut’ und viol so hörst du kühe brüllen

Und Lauchstädts bremmer schreyt ein grob runda dazu.

Und käm ich gleich zu dir was kanst du mir vorsetzen?

Der schulen fenster sind ietzt mit papier bedeckt

Ein wenig zwiebel-fisch und etwas von den pletzen

Und knoblauch ist der schatz der noch zu Lauchstädt steckt.

Das neu-jahr ist sehr schlecht der baur ist gantz verarmet

Du wirst wohl heuer nicht viel fette schincken sehn

Und wo der himmel sich nicht über dich erbarmet

So dürffte dich der wind mit samt dem hauß wegwehn.

Doch lob ich deinen muth den helden-muth in allen

Du bist Auroren gleich frisch munter im gesicht

Und wird ein brandtewein zur morgen-stunde fallen

So glaub ich daß du tauschst mit cron und scepter nicht.

So gehts o Seidemann! was nützen die camönen

Was hilfft es daß man sich zu tode hat studirt?

Es wird ein reicher baur nur unsre kunst verhönen

Wenn Merseburger bier er in den keller führt.

Entbrich dich diesem joch entbrich dich solchen knaben

Barfüssern in dem lentz flöh-saamen wenn es schneyt;

Was wilst du länger noch ihr garstig fell beschaben?

Wie daß ein schilling dann so hertzlich dich erfreut?

Verlaß das Babylon und seine wüsteneyen

Bey diesem volcke gilt noch harffe noch gesang.

Ein cantor als wie du von schönen melodeyen

Dem wird zu Lauchstädt nur die zeit und weile lang.

Komm als ein hochzeit-gast vielleicht kan es gelingen

Daß dir dein vaterland gönnt wieder feur und herd.

Ich weiß dein liebes weib eilt schon mit vollen springen

Wünscht daß in Schlesien ihr sey ihr grab beschert.

Kein thon auff dieser welt soll mich so sehr erquicken

Als wo ein hochzeit-lied mein Seidemann noch singt

Es wird dich vetter Weiß in arm und beine zwicken

Und sagen: schaue doch wie Langen es gelingt.

Ich will dich länger nicht mit meiner schrifft verweilen

Die knaben stehn schon da und ruffen A B C;

Zu dem so heist mich auch der bote fort zu eilen

Leb unterdessen wohl mein liebster freund ade!