Ejusdem. Desiderium IX.
Soll als Actaeon ich itzt eine Fabel heissen
Und der erzürnten Hund’ elende Beuthe seyn
Ich der ich vormals pflag der Jagt mich zu befleissen
Bin nunmehr selbst behetzt und lauf ins Netz hinein.
Mein Schluß war durch die Jagt die Sorgen zu bestreiten
Diana deinen Wald den hab ich nie besucht
Noch in den tieffen Frost die Hunde wollen leiten
Daß sie das Wild beharrt und vorgebeugt der Flucht.
Ich habe nie die Hift auf
Noch einem Backer je gegeben einen Fang
Noch Wildseil aufgericht auf der Parthener Rasen
Und Lappen fürgesetzt zu hindern Spur und Gang.
Ich habe niemals Garn Schwerdt Spiese Pfeil und Bogen
Als wie die Jägerin Diana trägt geführt
Ach wolte GOtt! ich wär der Lust nur nachgezogen
So wär’ ich itzt kein Raub von eigner Kunst berührt.
Ich Unvernünfftiger wo sind nun meine Jahre?
Ach hätt’ ich meine Bein’ an einem Dorn verletzt?
Warumb hab ich gesucht des Bacchus süsse Waare.
Daß drauf Cupido mich hat in sein Garn gesetzt.
Er braucht nicht nur allein den Köcher und die Pfeile
Er hat auch Netz und Strick mit welchen er berückt.
Und Bacchus leget auch den truncknen Füssen Seile
Wie schön er sonsten sich mit seinen Reben schmückt.
Wie hat die Delila den Samson nicht gebunden
Und ihn samt seinem Haar beraubet seine Kraft
Ja ward der Noe nicht bey seinen Töchtern funden
Als ihm den Witz benahm des Weines süsser Saft.
Mich hat die Venus auch gejaget in ihr Netze
Wie vielmals hat sie nicht zur Beuthe mich gemacht
Weh mir! wohin ich nur die blöden Augen setze
So bin ich wie ein Wild das schon ins Garn gebracht.
Und diß ist das Gesicht das den Anton erschrecket
Und das er abgemerckt auf einem Felsen hat
Er sah so weit sich nur der Erden Ziel erstrecket
Die gantze Welt gemahlt als wie auf einem Blat.
Und tausend Cörper auch von Menschen abgerissen
Die waren ingesamt mit Netzen überspannt
Jedweder fühlte Qual an Händen Kopf und Füssen
Die Wollust hätte sie arglistig abgemannt.
Sie blieben wie am Leim die albreu Vögel kleben
Un wissend daß sie so Begierden rings umbstellt
Ach freylich wird uns stets des Todes Netz umbgeben
Das noch viel schärfer war’ als eine Spinne hält.
Der lauscht ohn Unterlaß und hoft in tiefen Ritzen
Biß eine Fliege summt die sie zur Speiß erdrückt
Der Vogel-Steller wird nechst einem Baume sitzen
Biß er mit einem Jug den Raub ins Netzerückt
Jtzt strent er Körner aus itzt läst er Vögel singen
Die laden ihn noch auf zu ihrem Keffich ein.
Jtzt baut er eine Hütt’ itzt leget er die Schlingen
Und pfeifft so lang ein Lied biß sie bethöret seyn.
Nicht anders hat uns auch der Laster Schaar umbgeben
Jedwedem stellt der Tod mit seinen Netzen nach
Und wer sich durch den Sprung will übern Strick erheben
Derselbe stürtzet sich gar in der Höllen-Bach.