Ejusdem. Desiderium IX.

By Heinrich Mühlpfort

Soll als Actaeon ich itzt eine Fabel heissen

Und der erzürnten Hund’ elende Beuthe seyn

Ich der ich vormals pflag der Jagt mich zu befleissen

Bin nunmehr selbst behetzt und lauf ins Netz hinein.

Mein Schluß war durch die Jagt die Sorgen zu bestreiten

Diana deinen Wald den hab ich nie besucht

Noch in den tieffen Frost die Hunde wollen leiten

Daß sie das Wild beharrt und vorgebeugt der Flucht.

Ich habe nie die Hift auf

Noch einem Backer je gegeben einen Fang

Noch Wildseil aufgericht auf der Parthener Rasen

Und Lappen fürgesetzt zu hindern Spur und Gang.

Ich habe niemals Garn Schwerdt Spiese Pfeil und Bogen

Als wie die Jägerin Diana trägt geführt

Ach wolte GOtt! ich wär der Lust nur nachgezogen

So wär’ ich itzt kein Raub von eigner Kunst berührt.

Ich Unvernünfftiger wo sind nun meine Jahre?

Ach hätt’ ich meine Bein’ an einem Dorn verletzt?

Warumb hab ich gesucht des Bacchus süsse Waare.

Daß drauf Cupido mich hat in sein Garn gesetzt.

Er braucht nicht nur allein den Köcher und die Pfeile

Er hat auch Netz und Strick mit welchen er berückt.

Und Bacchus leget auch den truncknen Füssen Seile

Wie schön er sonsten sich mit seinen Reben schmückt.

Wie hat die Delila den Samson nicht gebunden

Und ihn samt seinem Haar beraubet seine Kraft

Ja ward der Noe nicht bey seinen Töchtern funden

Als ihm den Witz benahm des Weines süsser Saft.

Mich hat die Venus auch gejaget in ihr Netze

Wie vielmals hat sie nicht zur Beuthe mich gemacht

Weh mir! wohin ich nur die blöden Augen setze

So bin ich wie ein Wild das schon ins Garn gebracht.

Und diß ist das Gesicht das den Anton erschrecket

Und das er abgemerckt auf einem Felsen hat

Er sah so weit sich nur der Erden Ziel erstrecket

Die gantze Welt gemahlt als wie auf einem Blat.

Und tausend Cörper auch von Menschen abgerissen

Die waren ingesamt mit Netzen überspannt

Jedweder fühlte Qual an Händen Kopf und Füssen

Die Wollust hätte sie arglistig abgemannt.

Sie blieben wie am Leim die albreu Vögel kleben

Un wissend daß sie so Begierden rings umbstellt

Ach freylich wird uns stets des Todes Netz umbgeben

Das noch viel schärfer war’ als eine Spinne hält.

Der lauscht ohn Unterlaß und hoft in tiefen Ritzen

Biß eine Fliege summt die sie zur Speiß erdrückt

Der Vogel-Steller wird nechst einem Baume sitzen

Biß er mit einem Jug den Raub ins Netzerückt

Jtzt strent er Körner aus itzt läst er Vögel singen

Die laden ihn noch auf zu ihrem Keffich ein.

Jtzt baut er eine Hütt’ itzt leget er die Schlingen

Und pfeifft so lang ein Lied biß sie bethöret seyn.

Nicht anders hat uns auch der Laster Schaar umbgeben

Jedwedem stellt der Tod mit seinen Netzen nach

Und wer sich durch den Sprung will übern Strick erheben

Derselbe stürtzet sich gar in der Höllen-Bach.