Ejusdem. Desiderium VI.
Ach ja ich bin es werth ich hab es auch verdienet
Ich muß mein Laster nur mit vollem Halß ausschreyn
Kein Fürspruch hilft mich hier denn was ich mich erkühnet
Ist eine solche Schuld die leicht nicht zu ver zeihn.
Ich habe mich an dir O höchster GOtt vergriffen
Und dieses Schandmal kan vermänteln keine Kunst
Ich weiß daß über mich dein Rach-Schwerdt schon geschliffen
Drumb ist die Furcht der That wie auch die Scham umsonst.
Ich falle dir zu Fuß mit aufgehobnen Händen
Benenne nur die Straf in der ich büssen muß
Soll ich in meiner Brust den blossen Dolch umbwenden
Ein Denckmal aufzubau’n vor dieses Urtheils Schluß.
Jtztleg’ auf dein Altar viel hundert Opffer-Kuchen
Der fette Weyrauch soll biß an die Sterne gehn
Ja wilstu gar mein Blut zu dem Besprengen suchen
Fur meine Laster will ich dir ein Opffer stehn.
Ach könt’ ich Opffer seyn für so ein groß Verbrechen
Denn alle Straffe ist für meine Schuld zu klein
Doch wirstu so ergrimmt diß Thun nicht wollen rächen
Daß Blut und ein Altar hier werden nöthig seyn.
Wie oft hat nicht dein Stuhl den schwächern Theil verziehen
Und von dem Feinde Ruhm den du verschont gehabt.
Dein sanft Gemüthe kan von solchem Zorn nicht glühen
Daß es sich nach Verdienst zu straffen je gelabt
Ach Schutz der Sterblichen und Heil der weiten Erden
Zu dem die gantze Welt viel tausend Wünsche schickt.
Zeig auch in deinem Zorn sanfftmüthige Geberden
Die Hand die Schwerdte trägt von der werd’ Hülf erblickt
Erlaubstu mir so viel (obschon die klügsten Worte
Und der beredste Mund nichts meiner Sache nützt)
Daß ich was weniges fürbring’ an deinen Ort
(so wünsch ich) daß zugleich dein Recht auch sey beschützt.
Ach so vernein’ ichs nicht ich bin befleckt mit Sünden
Denn der gemeine Wahn der hat mich so verführt.
Jtzt will man alle Schuld mir auf den Rücken binden
Da jeder doch das Feur in Kohlen aufgerührt.
Wenn der gantze Rasende in Weine sich besoffen
Ein ander tolle Glut der Geilheit bey sich trug
So hätten sie fürs Schwerdt den Oele-Zweig zu hoffen
Und daß die Donner-Hand nicht drauf mit Keulen schlug.
Soll ich denn ewiglich im Zwiekampf mit dir leben
Wilstu ein Fechter stets mich zu ermorden seyn
Ists nicht genug daß ich dir will
Und sagen meine Schuld verdienet Zorn und Pein.
Werd’ ich dir nicht zu gleich den schönsten Anlaß machen
Daß meine Missethat dir noch zum Ruhm gedeyt
Hätt ich mich nicht befleckt vergäbstu nicht die Sachen
Und niemand priese dich ob deiner Gütigkeit.