Ejusdem. Desiderium VI.

By Heinrich Mühlpfort

Ach ja ich bin es werth ich hab es auch verdienet

Ich muß mein Laster nur mit vollem Halß ausschreyn

Kein Fürspruch hilft mich hier denn was ich mich erkühnet

Ist eine solche Schuld die leicht nicht zu ver zeihn.

Ich habe mich an dir O höchster GOtt vergriffen

Und dieses Schandmal kan vermänteln keine Kunst

Ich weiß daß über mich dein Rach-Schwerdt schon geschliffen

Drumb ist die Furcht der That wie auch die Scham umsonst.

Ich falle dir zu Fuß mit aufgehobnen Händen

Benenne nur die Straf in der ich büssen muß

Soll ich in meiner Brust den blossen Dolch umbwenden

Ein Denckmal aufzubau’n vor dieses Urtheils Schluß.

Jtztleg’ auf dein Altar viel hundert Opffer-Kuchen

Der fette Weyrauch soll biß an die Sterne gehn

Ja wilstu gar mein Blut zu dem Besprengen suchen

Fur meine Laster will ich dir ein Opffer stehn.

Ach könt’ ich Opffer seyn für so ein groß Verbrechen

Denn alle Straffe ist für meine Schuld zu klein

Doch wirstu so ergrimmt diß Thun nicht wollen rächen

Daß Blut und ein Altar hier werden nöthig seyn.

Wie oft hat nicht dein Stuhl den schwächern Theil verziehen

Und von dem Feinde Ruhm den du verschont gehabt.

Dein sanft Gemüthe kan von solchem Zorn nicht glühen

Daß es sich nach Verdienst zu straffen je gelabt

Ach Schutz der Sterblichen und Heil der weiten Erden

Zu dem die gantze Welt viel tausend Wünsche schickt.

Zeig auch in deinem Zorn sanfftmüthige Geberden

Die Hand die Schwerdte trägt von der werd’ Hülf erblickt

Erlaubstu mir so viel (obschon die klügsten Worte

Und der beredste Mund nichts meiner Sache nützt)

Daß ich was weniges fürbring’ an deinen Ort

(so wünsch ich) daß zugleich dein Recht auch sey beschützt.

Ach so vernein’ ichs nicht ich bin befleckt mit Sünden

Denn der gemeine Wahn der hat mich so verführt.

Jtzt will man alle Schuld mir auf den Rücken binden

Da jeder doch das Feur in Kohlen aufgerührt.

Wenn der gantze Rasende in Weine sich besoffen

Ein ander tolle Glut der Geilheit bey sich trug

So hätten sie fürs Schwerdt den Oele-Zweig zu hoffen

Und daß die Donner-Hand nicht drauf mit Keulen schlug.

Soll ich denn ewiglich im Zwiekampf mit dir leben

Wilstu ein Fechter stets mich zu ermorden seyn

Ists nicht genug daß ich dir will

Und sagen meine Schuld verdienet Zorn und Pein.

Werd’ ich dir nicht zu gleich den schönsten Anlaß machen

Daß meine Missethat dir noch zum Ruhm gedeyt

Hätt ich mich nicht befleckt vergäbstu nicht die Sachen

Und niemand priese dich ob deiner Gütigkeit.