Ejusdem. Desiderium VIII.

By Heinrich Mühlpfort

Ach könte sich mein Haupt in eine Fluth verkehren

Es müsten Tropffen da wo jetzund Haare stehn

Die Stirne wär ein Feld durchschwemmt mit heissen Zäh-

Sie möchten ungehemmt auf ihren Ufern gehn.

Daß die zwey Augen nicht zerrinnen in zwo Quellen

Es wird ein eintzig Strom aus beyden Flüssen seyn

Und brächte

So nehme meine Fluth den grösten Raum doch ein.

Ob dort Andromache schon an dem Felsen thränet

So gleicht ihr gantzes Naß doch meinen Zähren nicht

Ob David schwemmt sein Bett und sich unendlich sehnet

So hält der Thränen Macht den meinen kaums Gewicht.

Es mag die Magdalen des HErren Füsse baden

In wahrer Hertzens-Reu und ungefärbter Buß

Und Petrus welcher sich mit Meineyd hat beladen

Gekränckt von Furcht und Angst zerschmeltzt in einen Fluß.

So ist mirs nicht genug Ich will des Nilus Gusse

Wenn Siebenströhung er der Jsis Aecker netzt

Und dann den Wassermann wann er die nassen Füsse

Ins triebe Winter-Jahr mit vollen Krügen setzt.

Wie wenn ein Wolckenbruch vom blauen Himmels-Bogen

Mit schwartzem Ungestümm erschrecklich sich ergeust

Stadt Dörffer Feld und Wald die stehn in Wasserwogen

Und alles überdeckt wohin die Fluth sich reißt.

So wünsch ich daß sich auch der Augen Brunn erhebe

Und daß mein kranckes Haupt sey ein weite See

Daß stat der Augen ich zwey Bäche von mir gebe

Daß von den Wangen mir das Wasser niemals geh’

Damit ich nimmermehr dieselben trucknen möchte

Daß auch das Auge selbst in eigner Fluth erstickt

Und daß die Thräne mir den letzten Tropffen brächte

Der mit dem Weinen auch zugleich mein Leyd ausdrückt.

Jhr blaues Wasser-Volck ihr Meer-Einwohnerinnen

Seyd tausendmal beglückt die ihr verwandelt seyd

Jhr Glieder die ihr müst nunmehr als Brunnen rinnen

Und vormals Jungfern war’t voll holder Lieblichkeit.

Daß meine Armen nicht verwandeln sich in Bäche

Und graue Wellen gehn auff dem bemoosten Haar

Ich wünsch ein Brunn zu seyn je mehr ich dieses spreche

Je mehr wird mirs versagt und bin verlassen gar.

Ach könt ich

Umb seine

Und müste meine Fluth wie

Die selbst der Götter Zorn zu einem Brunn erweckt.

Ach wäre mir vergunt in solcher Form zu spielen

Wie Achelous that mit seiner leichten Fluth

Als Hercules an ihm die Flammen wolte kühlen

So von der Lieb entsprang und herrscht in mancher Glut.

Den Wechsel der Gestalt begehrt ich nicht zu haben

Noch den geborgten Leib so wie ein Ochse schien

Ein schlechter Brunn zu seyn schätzt ich für Gut und Gaben

Und fliessen fort für fort den herrlichsten Gewinn.

Mehr Ehre wünsch ich nicht als nur ein reiches Rinnen

Und meiner Augenbraun den unerschöpfften Fluß

Der wie als wenn der Schnee schmeltzt von des Pindus Zinnen

Stürtzt seine Wellen ab in starcken Wasser-Guß.

Die Thränen sollen mir durch das Gesichte schiessen

Und Strömen gleiche gehn bey Tag und auch bey Nacht

Ich will von keiner Lust als nur von Thränen wissen

Biß meine Laster ich mit Thränen rein gemacht.