Ellwinens Klage um Elwill.
Elwill, Elwill, du mein Gram, mein Sehnen,
Mein erwählter, mein verlorner Freund,
Siehst du auch die tausend Jammerthränen,
Die um dich dein traurend Mädchen weint?
Hörst du auch mein mitternächtlich Stöhnen?
Weisst um meines Herzens kranken Schlag?
Oder schweigt den Hallelujahtönen
Deines Edens jedes Erdenach?
Ach verloren, Elwill, ach verlassen
Hast du mich in diesen Wüsteneyn.
Auf der Welt getümmelvollen Strassen
Wandl' ich künftig einsam und allein.
Leichenfeyer dünkt mich ihr Gepränge.
Ihre Blüthe haucht mir Gräbergraus,
Und des Lebens fürchterliche Länge
Dehnt sich mir zu Ewigkeiten aus.
Elwill, Elwill, wo sind nun die Stunden,
Die ich dir am Busen selig lag?
Wie ein Morgentraum sind sie verschwunden,
Sind verrieselt, wie ein Regenbach.
Elwill, Elwill, wo sind nun die Wonnen,
Die ich mir in deinem Arm verhiess?
Früh verflattert sind sie, schnell verronnen,
Wie ein Dunstbild, das der Sturm zerriss.
All getäuscht ist nun mein irdisch Hoffen.
Meine Saaten sind im Keim erstickt.
Meine Blüthen sind vom Hagelschlag getroffen;
Meine Halme hat der Nord geknickt.
Wie die Rebe, die der Ulm umranket,
Wenn der Blitz den hohen Ulm zerbrach,
Stützelos mit ihm zu Boden schwanket,
Schwank' ich dir, du Frühgefallner, nach.
Hochverrath bedünkt mich Erdenfreude;
Frecher Frevel däucht mich froher Scherz.
Welkes Laub ist meine Augenweide;
Dürres Blätterrascheln labt mein Herz.
Meinem Gram hab' ich den Ring gegeben,
Den ich dir zu geben am Altar
Und mein Leben mit dir durchzuleben,
Träumt', und träumend, ach, so selig war!
Wenn der Morgen meine Wände röthet,
Grüss' ich ihn mit thränendunkelm Blick.
Wenn das Spätroth in mein Fenster flötet,
Träum' ich in die Vorzeit mich zurück.
Wenn der Mitternacht wehmüthge Hülle
Mich auf meinem Thränenlager hüllt,
Fantasier' ich mich in jene Stille,
In die Nacht hinunter, die dich hüllt.
Schlummre sanft in deiner Schlummerstätte,
Mein Geliebter, schlummre sanft und süss,
Bis die gräbersprengende Drommete
Dich entruft der tiefsten Finsterniss.
Dein vergessen werd' ich nimmer, nimmer,
Bis mein Geist die Schale Lethens trinkt;
Dein gedenken werd' ich immer, immer,
Bis dein Schatten meinen zu sich winkt.
Hoffnung, ach, des Wiederauferstehens
An der Allvollendung grossem Tag,
Süsse Hoffnung jenes Wiedersehens,
Nie verbittert durch der Trennung Ach —
Reich' mir, Sel'ge, deinen Lilienstengel
Auf des Lebens schwülem Wallertag,
Bis ich einst, gereift zum hellen Engel,
Meinem Elwill nach mich schwingen mag.