Entdeckte Merkmahle der Gottheit im Meere.
Indem ich jüngst, bey starkem Sturm, allein am Meeres-
Strande stand,
Betrachtet’ ich die rege Fläche. Ich sah die Brandungen
der Wellen
Aus ihren Tiefen sich erhöhn, sich bäumen, wallen, brausen,
schwellen,
Mit einem knirschenden Geräusch, ja recht, mit einem heisern
Bellen,
Das Ufer zu verschlingen drohn, und auf den widersteh’nden
Strand
Beschäumt von oben abwerts stürzen, bald aber wieder
rückwerts fliehn,
Und, von der Tief’ als eingeschlurft, oft selbst die Steine
mit sich ziehn,
Den plötzlich überschwemmten Sand entblößt, verödet,
schnell verlassen,
Bald aber, wie sie ihn aufs neu bedeckten, überstürzten,
frassen.
Es schwamm, mit diesen regen Bergen, mein oft mit-
weggerißner Blick,
Vom Ufer ab und in die Tiefe, bald plötzlich wiederum
zurück.
Nachdem ich nun auf diesen Ufern, der wilden Fluht ver-
haßten Banden,
Mit ganz vom Sturm zerzaustem Haar, besprützet, lange
still gestanden,
Und das entsetzliche Gewühl der aufgebrachten Wasser-
Welt,
(die flüchtgen Berge steiler Wellen, der weiß-beschäumten
Wogen Wanken,)
Mir, durch das schwindlende Gesicht; den gleichfalls schwin-
delnden Gedanken
Hingegen, die verborgne Tiefen, und dunkle Schlünde
vorgestellt:
Entsetzte sich mein ganzes Wesen, des weiten Meeres Fläch’
und Schooß
War, meinem überwognen Sinn, zu weit, zu fürchterlich,
zu groß.
Doch da die ungeheure Last der Wasser meine Seele beugte,
Erhöhete sie mich zugleich, indem sie mir den wahren Grund,
Den ew’gen Urquell aller Fluhten, den Born, woraus das
Meer entstund,
Der es im Schlauch gefaßt, regiert und lenkt, die wahre
Gottheit zeigte,
Wobey doch mein erstaunter Geist nichts, als nur dieses,
seufzen kunt':
Ew’ger Urstand aller Dinge! HErr! vor welchem
alle Meere
Wie ein Tropfen in dem Eimer, Dir allein sey Preis
und Ehre!