Epigramma votivum de Nomine Neu-Mark.

By Georg Neumark

Jhr ädlen Geister auf auff die ihr die Gedanken

Voll himmlischer Begier nicht in die engen Schranken

Der schnöden Eitelkeit euch lasset schliessen ein

Auf ich beschwer’ euch itzt läst hören was soll sein

Der Zweg das rechte Ziehl des vorgesetzten Lebens

So euch im Sinne liegt? Ich such’ es nicht vergebens.

Denn hier ist solch ein Sinn der noch im suchen ist

Und gäntzlich euer Ziehl zu seinem Zwek erkiest;

Der sich dem Tugendzwang in allem untergiebet

Und nichtes ausser ihr und ihrer Hoffstadt liebet;

Ein Geist da Feuer ist da sich der Himmel regt

Der was ihm wiedrig fällt zu grund und bode schlägt.

Mir dencht ich höre schon mit gleichen Stimmen sagen;

Der Berge reiches Mark das völlige Behagen

Des der nur irrdisch ist wird nicht von Euch erwählt

Auch nicht die Herrengunst die mancher Mensche zählt

Bey sein gantz höchstes Glük; Wiewol es solche Gaben

Die wehrt und theuer sind die sie auch gerne haben.

Die Ehre thut es nicht darnach so mancher strebt

Der lieber ohne Gott als grosses Ansehn lebt.

Es ist was bessers noch das kluge Sinnen lieben

Um welches sie vorauß sich in der Tugend üben:

Die Ruhe des Gemühts; Dleß ist das rechte Ziehl

Worauf ein ädler Geist sich endlich legen wil.

Worauf Er täglich denkt üm solches zuerlangen.

Wie zeitig habt ihr nun Herr Neumark angefangen

Recht nach der klugen Ahrt zu suchen diesen Stein

Der nicht verweltzet wird der ewig fest kan seyn.

Der Jugend zartes Theil ist schon vorbey geschlichen

Mit der die Thorheit auch zu weichen sich verglichen

Viel Fälle bleiben nach die stets ein kluger Sinn

Bedenkt und überlegt biß in das Alter hin.

Der unerschöpffte Fleiß den Künsten obzuliegen

Die angewandte Müh ließ schon die Jahre siegen

die minder jährig sind. Du dachtest in die Welt

Und wagtest es getrost. Wie manche Noht befällt

Den Fremdling hier und dar die ihn nicht wenig schrekket!

Doch Lust zur Wissenschafft hat alles überdekket

Bey dir auch wehrter Freund. Es siel zum öfftern ein-

Wie kan das wilde Meer doch ohn Gereusche seyn?

Ja auch die Quellen selbst? den Büchern sein ergeben

War ja von Anbeginn dein Hertz und gantzes Leben.

Ein muhtiger Soldat acht keine Mühe nicht

Noch Noht die sonsten leicht die schwachen Sinnen bricht

Jmfalt er Sieg und Ruhm und Ruhe wil erlangen.

Du bist den steilen Berg zwar schwitzend angegangen

Doch voller Hoffnungstrost; der grüne Helikon

Und der neun Schwestern Chor hat vielmals deine Thon

Mit grosser Luft gehört nach dem du vorgekommen

Und deinen sichren Sitz nun unter Sie genommen

Auf ihren Anbefehl: Hier ist der Zweg die Ruh

So auf die Unruh kömmt. So thu nun dieß darzu

Mein Freund und sey bereit die Deinen zu begrüssen

Stekk hier des Reisens Ziehl laß deiner ja geniessen

Für allen sonderlich das liebe Vaterland

Befihl dem Himmel erst dein Glük Beruff und Stand

Mit heisser Andachtsgluht; Hernachmals lasse walten

Die wol beflissen sind in Ruh dich zu erhalten

Gott hat schon solche Freund dir allbereits ersehn

Die werden hochgeneigt vor deine Wolfahrt stehn.

Der grosse Wilhelm wird wie sonst pflegt zu bemahlen

Die Sonne Wald und Feld mit Gnaden dich bestrahlen-

Und schenken Ehr’ und Ruh die auch dein steter Fleiß

Und unverdrosne Müh nach billigem Geheiß

Der wehrten Tugend selbst mit Fügligkeit verdienet.

Da hastu deinen Zweg! wann solche Ruhe grünet

Was wird noch übrig seyn? Such dir dein ander Du.

Ein Tugendhafftes Weib bringt angenehme Ruh

Durch ihre Freundligkeit und liebliches Beginnen

So dieser Stand erheischt. Hie stillen sich die Sinnen

Die hin und her gewankt; Hier ist der Port am Meer.

Wie wann viel Quellen sich geschlängelt hin und her

Und alle doch zuletzt in einen Fluß ergossen;

So kömmt auch diese Ruh gewünscht herbey geflossen

Mit voller Liebligkeit; Mein Wunsch ist dashierbey

Dein Hertze sonder falsch ja wol vergnüget sey.

Jmsall denn deine Lust und Wohlfahrt so wird gläntzen

So

Jedoch mein wehrter Freund vergiß des Grünen nicht

So seinen Wachsthum hägt. Es wil was noch gebricht

An Lust und Nutzbarkeit die grüne Ruh ersetzen

Es grün ja alles dir bey außerleßnen Schätzen

So Gott und die Natur ertheilet mildiglich

Die neue Müh auch dann grun’ und ergetze dich.

Doch was ist alles dieß? imfall ich’ noch bedenke

Und meine Sinnen gantz auf solche Wohlfahrt lenke

Die nur der Himmel hält? Wenn sich des Lebens Ziehl

Nach Unruh Noht und Müb mit Ruhe schliessen wil.

Das ist ein grosses Gut! mit süssem Jubiliren

Wird Gottes Lamm uns dort zum Lebensbrunnen führen.

O Ruh O süsse Ruh die ewig grünend ist

Der du als Gottes Kind mein Reumark fähig bist.

Dahin ist angesehn dein Tichten schöner Lieder

Die Gottes Geist erwekkt und dadurch hin und wieder

Viel fromme Seelen regt und mancher schöhne Satz

In deiner Poesie die als ein ädler Schatz

Sehr wehrt gehalten wird bey Tugendhafften Sinnen.

Fahr fort du ädler Geist ein mehrers zu beginnen

Parnassus lache dir mit voller Liebe zu

Sich nicht de Tadler an

Verbleibe stets bereit der Redligkeit zu dienen

Laß unsre Freundespflicht nicht ruhen sondern grünen

So lang als diese Welt Graß Laub und Blumë trägt

So lang das blaue Dach des Himmels Sternen hegt.