Er bekröhnt ihn mit einem Hirsch-Geweih
By Arno Holz
Written 1883-01-01 - 1883-01-01
Dorillgen wie das pfeifft!
Zur Nacht hat es gereifft.
Itzt heizz for deinen lihben Mann
den schwartzen Kachel-Ofen an.
Ihn blagt schon arg die Gicht
ich bräuch so waß noch nicht.
Itzt ist so rächt nach meinem Sinn
dein rohter Rokk mit Blühmckens drin!
Wie Göldt ümbfliesst dein Hahr
das ahrtlich runde Paar;
kein Perser-Chan ist nicht so reich
Aglajens ist dein Auß-sehn gleich!
Nein nie wär ich jaloux
auff eine Knochen-Kuh.
Dihß macht mich schandlich auff dich stoltz:
du räuchst wie auß Zypressen-Holtz!
Neptunus gräulig stürmt
Eolus Wogen thürmt
am Fenster sizzt und schmaucht Thobakk
dein außgedorrter Schlumper-Sakk.
Ich seufftze du erblasst
ich weiß schon waß du hast
du esthimirst waß vihl zu zahrt
for seinen alten Knaster-Bahrt!
Gantz still gantz still gantz still
weil er itzt schnarchen will!
Drümb kom und däkk ihm seine Ruh
mit nichts alß Rohsen-Blättern zu!
Flinck kleine Pumpel-Mauß
zeug dir dein Rökkgen auß
und dreib mit mir das süsse Spihl
das uns schon manchmal wohl gefihl!
Waß ist denn daß? Vertrakkt!
Er schnaufft nicht mehr im Takkt.
Nein Gott sey Danck er ist gantz taub
du zitterst wie auß Äßpen-Laub!
Schon däkkt kein grohber Zwilch
mehr deine Marmol-Milch;
das kleinste Küssgen auff sie schmäkkt
mir süsser alß Canari-Säkkt!
Ümbs Dach heult fort und fort
der Gallen-bittre Nord;
der Hagel an die Scheiben klirrt
daß es beynah schwartz-finster wird.
Wir machen kein Gelaut
wir trukken Haut auff Haut;
ich bün polit und du bist nett
gantz leise knakkt dein Himmel-Bett!