Er bethrent ihre ohngemeine Härtigkeit/nachdäme er sie/ wie Actäon die Dianam/ b...
By Arno Holz
Written 1883-01-01 - 1883-01-01
Augen schwartze Feuer-Ballen
und du Gold-geflammtes Hahr
soll ich denn itzt gantz und gar
ümb euch in Bedrühbniß fallen?
Blohß weil ich fast über hoffen
gestern sie im Teich bedroffen?
Blohß weil ich mich unterstund
daß ich waß zu reitzend fund?
Titan hieb auff seine Pferde
durch den grünen Sommer-Wald
dummelte sich manigfalt
ihre weiß-bewollte Heerde.
Unter Püschen die kaum wichen
hatte ich sie schlau beschlichen;
gantz von Farrnen dikk bedäkkt
hielt ich heymlig mich verstäkkt.
Zwischen zweenen Büchen-Esten
hing benebst dem Schäffer-Stokk
ihr geblühmbter Athlaß-Rokk
bey dem gönstigsten Süd-Westen.
Strümpffgens Stökkel-Schühchens Hösgens
all die lihben netten Chösgens
bundt sie mit geübter Hand
an ein Rohsen-rohtes Band.
Itzt so worff sie ab ihr Mihder
itzt so glitt ihr Hembd ins Graß
das bolihrte Nimpffen-Naß
spihgelte sie blizz-blanck wihder.
Ihre wohl-geformte Länge
bracht mich selig ins Gedränge;
nichts nicht waß sich mir nicht bot
vor Vergnügen lag ich dodt!
Zahrt farbirt die süssen Bäkkgen
stund sie munter in dem Klee
schöner noch alß Lalage
ohne irgend jedes Gäkkgen.
Ümb die himmlisch runde Dinger
spihlten die verlihbten Finger
beyde Ackseln kunt ich sehn
die voll göldner Härgens stehn!
Zefir hörte man verstummen
brohbend hub sie erst ihr Bein
dan so tukkte sie sich dreyn
wo die feuchte Fischgens schwummen.
Weiß die Schultern weiß die Waden
so pflag Venus sich zu baden
itzt halb für und itzt zurükk
o du schönes Meister-Stükk!
Sollt ich schimpfflich für ihm fleuchen?
Dihses war for mir zu vihl.
Amors süssem Zokker-Zihl
kunt ich mich nicht mehr entzeuchen.
Ümb hihr niemand zu verdriessen
müßt ich fast mein Singen schliessen;
waß ich flehte waß ich bat
war daß eine Frevel-Dhat?
Schon fast drey mahl dreyzehn Stunden
zörnt mir ihr erhabner Geist;
die mein Lied alß Dafne preist
blihb mir leider ohnverbunden.
Ümmer steh ich noch und harff ich:
Muhßgen Pumpel-Maußgen darff ich?
Lässt du mich zu dir nicht eyn?
Daß ist mehr denn Hellen-Pein!
Ümb den Haltz die Sternen-Kette
dritt Frau Luna sanfft herfür –
itzt verrihgelt sie die Dhür
itzt begiebt sie sich zu Bette!
Dafnis dieser hoch-gelehrte
der von Schäffrinnen verehrte
Dafnis dihser theure Mann
schluchtzt itzt laut-auff waß er kan!
Rauher Donner-Worte Knallen
jug mich auß dem Baradihß;
ach die Aller-schönste lihß
ihren Unmuht auff mich fallen!
Dorime nach der ich ächtzte
der ich meinen Jammer krächtzte –
weinend irr ich hin und her:
so ein Unmäntsch lebt nicht mehr!