Er brohbt erst sein Säyten-Spihl

By Arno Holz

Written 1883-01-01 - 1883-01-01

Dreyssig Jahre Krieg dein Grauß –

Gott sey Danck die Zeit ging auß

Teutschland pflantzt sich wihder Aehren;

seine Zweytracht stieg zu Grab

unter nichts wie Freuden-Zähren

warff es seine Waffen ab!

Mars dein Morden

schnob fürbey

deiner Horden

sind wir frey!

Statt wo sonst blohß Kugeln flögen

wölben sich die Friedens-Bögen!

Himmel Heu und Haberstroh

bey sothanen Dingen

sollt mir da mein Mongpopo

nicht für Freuden springen?

Sollt ich murrisch und aigrirt

hindterm Ofen sizzen

itzt wo alles qwinqwelirt

daß die Funcken sprizzen?

Nein von meinem muntren Rohr

reiß ich jeden Drauer-Flohr

bey Konfäkkt und Wein

will ich lustig seyn!

Süssestes Kathringen

sing in mein Zythringen!

Mit Flöten und mit Leyren

wollen wir dihß feyren:

Die Fenster haben wihder Scheiben

weil die Leutnamts Kühe dreiben!

Jeder so in Dorff wie Stadt

küsst sich itzt an Seiner satt

keiner mehr Bedäncken drägt

daß ihn wo ein Schnapp-Hahn schlägt!

Vor so fegten durch die Gassen

blohß Cardaunen und Carcassen

vor so schmetterten und krehten

blohß die Wekk- und Schrekk-Corneten

vor so kunt man kaum für Rauffen

Grüzz-Worst frässen Dünn-Bier sauffen!

Itzt so stopfft man sich den Magen

mit Behagen!

Itzt so blahsen uns die Zincken

blohß zum Drincken!

Itzt so übt man früh wie spaht

waß schon Zeus mit Leden dhat!

Ich finde würcklich dihse Zeit

von außgesuchter Schmakkbahrkeit!