Er drohstet sich über sie

By Arno Holz

Written 1883-01-01 - 1883-01-01

Ohnvergleichliche Salene

ja ich war dein Cawallir

deine zwo mahl sechzehn Zehne

blüzzten bläncker alß Porfir.

Doch du weilst an frembden Flüssen

und die schöne Zeit verfloß

die mit hundret tausend Küssen

mich in deine Arme schloß.

Dorilillgen rühr die Schänckel

denn daß ist der Welt ihr Lauff

lupff dein Rökkgen zeig die Änckel

dantz mir einen Pollschen auff!

Sälbst die weissesten Zeitlosen

sind nicht halb so weiß wie du

wirffstu mir auß nichts alß Rohsen

lautter lihbe Blikker zu.

Schöner bistu fast alß Esther

das zertheilt mir alle Pein;

komb du kleine Venus-Schwester

sizz mir in den Schooß hinein!

Dein mit Roht gemischt Erblassen

macht mir tausend süsse Lust

meine Finger rund ümbfassen

deine duppel Silber-Brust.

Blau durchs Fenster blinckt der Flihder

nein ich laß dir keine Ruh;

trukk mich Kind ich trukk dich wihder

denn ich bün ein Mäntsch wie du!

Zwar dein schönstes Belvedere

hältstu listig noch verstäkkt;

daß ich nichts nicht mehr entpehre

halt es nicht mehr zubedäkkt!

Ohnvergleichliche Salene

dihsen Kuß hihr auff dein Wohl!

Deine zwo mal sechzehn Zehne

sind von innen durchauß hohl!

Nichts wie Nasen sih mich drehen

dir für dihsem Rohsen-Dhor –

die catonisch sauer sehen

hau ich auff ihr Midas-Ohr!