Er entschuldiget sich bey dem Frauen-Zim- mer wegen seiner Unbeständigkeit.

By Johann Georg Gressel

Hoch werthes Jungfern-Volck ihr Lust-Gebährerinnen

Jhr Kinder des Gelücks ihr Schmuck der gantzen

Welt

Der welcher eure Pracht nicht recht kan Lieb-gewinnen

Vor eurem Sieges-Thron in höchster Demuth fällt.

Er beichtet seine Schuld er schilt auf sein Verbrechen

Sein böses Wesen ist ihm übermässig leid

Doch kan er euch dabey nicht Besserung versprechen

Weil ihm in Wege steht die Unbeständigkeit.

Mein Hertze wird zwar wol von euren Pracht gerühret

Es scheint als wäre ich in euren Schmuck verliebt

Doch wenn man mich alsdann zur lichten Sonnen führen

So zeigt sich daß mein Hertz nur falsche Stellung giebt.

Ich bin mir selbsten gramm ob diesen bösen Wesen

Ich fluche aufs Geschick das mich nicht lieben läst.

Hat heute gleich mein Hertz was Liebes auserlesen

Das flieh ich morgen schon als wär es Gifft und Pest.

Vertumnus kan sich nicht so bald und viel verkehren.

Als mir mein Wanckelmuth was frisches lieben heist

Dieselbe die ich früh muß über göttlich ehren

Vor Abend offt mein Geist von ihrem Throne schmeist.

Das Meer so stille ist und spielt mit sanfften Wellen

Erhebet nicht so bald die ungestühme Fluth

Als wie mein Wanckelmuth mein Lieben kan verstellen

Und setzen das in Pein was in der Lust geruht.

Das Thier

Ich schäme mich darum daß ich so schwermisch bin

Der Unbestand des Monds kan meiner Art nicht gleichen

Es überwieget ihn mein unbeständger Sinn.

Des

Auch meinem Wanckelmuth nicht im geringsten gleicht

Der bin ich jetzo hold und jene laß ich schlendern

Dem Augenblick schon dort mein Hertz die Seegel streicht.

Dis ist Hochwertheste was meine Sinnen quählet

Was mich in Kummer setzt was meine Brust veracht.

Macht doch Annehmlichste daß mich ein Stern beseelet

Der gegen euren Schmuck mein Hertze brennen macht!

Ich wünsche mir gar offt ein heiß verliebtes Hertze

Wenn eine schöne Hand mir meine Finger drückt

Doch dieses ist alsdann mein allergrößter Schmertze

Daß sich mein Stellen nicht zu ihren Flammen schickt.

Ach Engels zürnet nicht verspahret eur Verdammen

Vielleichte ändert sich mein Hertze mit der Zeit

Und ich bequehme mich zu nehren

Wenn meine Wanckelmuth wird zur Beständigkeit.