Er erwacht in den spähten Herbst-Morgen
By Arno Holz
Written 1883-01-01 - 1883-01-01
Der trühbe Morgen dunckelt
der Dag bricht kaum schon für
mein Lämpgen sprüht und funckelt
ich fühls noch horcht wer vor der Dhür.
Noch ist er nicht verwichen
ich schlieff er hat gewacht
mit Augen lengst verblichen
stund er die gantze Nacht.
Sein Seiger saust die Stunden rinnen
sey wer du seyst du mußt von hinnen!
Ich soff und hab gefrössen
gehurt mit nichts alß Pakk
mit Truddeln und mit Trössen
behing ich dihsen Maden-Sakk.
Wein Weibrichins und Karten
nichts war mir ji zu bundt
mein Hieber hieb sich Scharten
in manchen Lumpen-Hund.
Noch Keinen hat man so bedroffen
allein – wie ist daß abgeloffen?
Schlohweiß sind meine Brauen
mein vor so froher Mund
ward for mir sälbst zum Grauen
ein zubedäkkter Abgrunds-Schlund.
Mein Rükken hängkt gebogen
ich krige kaum mehr Lufft
mein Mercks fäult außgesogen
mein Fleisch räucht nach der Grufft.
Ich känne würcklich nicht mehr wihder
mein fürmahls stoltzes Pfau-Gefihder!
Morbonens gifftge Schlangen
ümbringeln mir mein Stroh
kaum ist so ergangen
sälbst jenem armen Lazaro.
Fast ward ich schon zum Kinde
fast such ich nur noch Den
für dem die Würbel-Winde
sanfft wie die Zefirs gehn.
Sein Eyffer-Grimm auff mich sein Wühten
lässt sich durch nichts von mir begühten!
Für meine Dhrenodieen
verstopfft Er sich sein Ohr
ümbsonst auff beyden Knyen
ruttsch ich Ihm biß fürs Pärlen-Dhor!
So sehr ich mich auch sträube
ich Leim ich Mist ich Koht
Er gläubt nicht daß ich gläube
und lässt mich meiner Noht!
Kein sündig Hertz daugt nicht zum Tempel
dihß lehrt mein drauriges Exempel!