Er freut sich/ daß es wihder Winter wird
By Arno Holz
Written 1883-01-01 - 1883-01-01
Wihder ob der Flüssgens Rükken
baut der Winter blancke Brükken
rund ümb den Marieen-Thurm
wettert schon sein Schlossen-Sturm.
Ümb die dikk verschneyte Bohlen
zancken krächtzend sich die Dohlen
und man hört für allen Dingen
wie die Schlitten-Glökkgens klingen.
Im rohten Fuchs-Pältz am Kamin
siht man mich itzt mein Pfeiffgen zihn
weil man wenn es draussen flokkt
gern auff seinem Stübgen hokkt.
Ceres nöthigt mich zum Essen
Bachus schänckt mir dapffer eyn
gantz und gar bleibt ohnvergessen
Sauer-Schwartz und Hasen-Klein.
Kraußgebakknes Mandel-Krehm
munden mir drauff angenehm;
sälbst ein Reb-Huhn prikk und zahrt
hat man mir letzt auff-gespahrt.
Gern nach solchem fätten Schmauß
spühl ich mir die Gurgel auß
denn man muß trutz all däm Prassen
auch auff sein Gesund-seyn passen!
Ein Gläßgen Marziminer
hat mich noch stäts erqwikkt
gleich heissts ergebner Diener
sorbald man sich erblikkt!
Süß ists wenn zur Veßper-Zeit
es dan graupelt stihmt und schneyt
abens spihlt man Blinde Kuh
und hört dem Öpffel-Brahten zu.
Dorillgen gäntzlich ohngeschnührt
sorgt for mir wie sichs gebührt;
gleich so lässt sie ihren Mann
wenn sie mir waß helffen kan.
Ümb den Haltz ein Pärlen-Kettgen
zihrt sie mir mein Kabinettgen
daß ich hindter ihrer Schürtze
gleichsahm mir die Zeit verkürtze.
Ihre Augen ihre Brust
alles lacht an ihr für Lust
Lökkgens kikkern ihr im Nakken
Grübgens auff den Hindter-Bakken!
Schon mit ihren blohßen Blikken
kan sie gleichsahm mich erqwikken
sie ist for ihren alten Knoll
zu Lilien-weiß und Rohsen-voll!
Mit Knall-Konfäkkt und Bommerantzen
bestopfft er sich den dikken Pantzen;
ich gläub so war noch niemahls feister
kein Amsterdammer Burgermeister!
Ihn ab und zu so rächt bedrügen
ist uns ein schaudrigtes Vergnügen.
Bundt auß Primuln und Aurikkeln
werden wir ihm Kräntzgens wikkeln
wenn in wihder blauen Lüfften
wihder erst die Veilgens düfften.
Itzt verschnarcht er seinen Neid
in bedrogner Wachsamkeit!