Er hält sich vor mehr alß die übrigen

By Arno Holz

Written 1883-01-01 - 1883-01-01

Itzt in Teutschland reymen leider

sälbst die Schühster und die Schneider

und nicht einer ahnt zur Frist

waß er for ein Delpel ist.

Alß ein Kerle von Raison

sage ich darzu blohß bon;

Eumelio Arcas und Sylvander

ihr könt mich alle mit einander!

Thyrsis zehlt sich zu den Großen

die fast an die Sterne stoßen

weil sein schlipffrichtes Gedicht

krumm wie ein Oracul spricht.

Jeden Morgen schlükkt das Schwein

sihben Bisem-Kugeln ein –

dein Sing-Sang bleibt for mich Gevatter

drümb doch blohß leeres Gantz-Geschnatter!

Der bald greise Melibäus

brillt noch ümmer wie Tirtäus.

Hylas dritt die gantze Zeit

durchauß nur die Venus breit.

Silvius dahlt noch wie Virgil

Selimanthes saufft zu vihl.

Noch stähts mußt ich sorbald sie sangen

für langer Weile Fliegen fangen.

Sälbst die gantz und durchauß Alten

sollte mans for müglich halten?

Gräulich dropfft auß ihrem Steiß

Mehl-Tau Molch- und Drachen-Schweiß.

Schwartz verhüllt sich mein Gesicht

ohn Empfindung bün ich nicht.

Am mehrsten aber mich verschrökken

die Mäntscher mit den Fischbein-Rökken!

Durch so wühtende Mänaden

kam schon Orfeus schwehr zu Schaden;

denn er dachte sich darbey

so klingt Uhl- und Hunds-Geschrey.

Wo solch eine Urschel böllt

nimbt Cupido Färsen-Göldt

denn saurer sind for keinen Gaumen

nicht ein mahl alte Schrumppel-Pflaumen.

Höchst belihbte Pindus-Priester

nein waß seyd ihr blohß for Biester!

Dihses muß ich durchauß schreyn

denn ich kan nicht forchtsahm seyn:

Zemblens Eyß ist nicht so dikk

alß das Prett für eurem Plikk;

ich künt for euer opitziren

euch mit Vergnügen stranguliren!

Euch ümbkrächtzen mahl die Raben

mich wird man in Marmol graben

weil mein Verß itzt wie mir däucht

nicht mehr nach der Lampe räucht.

Drümb so lohb ich mit Geschrey

mich und meine Schäfferey.

All meine Lidergens vom Lihben

hat gleichsahm die Naduhr geschrihben!