Er ist glückselig aber nur im traum.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Was hilfft mir mein verliebter sinn

Weil ihre gottheit ihn verschmähet?

Jhr leichten winde nehmt ihn hin

Biß ihr sein eitles thun verwehet:

Sein urtheil ist ihm schon gesprochen

Die stäbe sind entzwey gebrochen.

Die gantze erd’ ist mir zu klein

Der himmel ists der mich nicht kennet;

Wie kan ich bey mir selber seyn

Weil mir umsonst die hoffnung brennet?

Ich ruffe erde himmel hoffen!

Und keines hat die ohren offen.

Was hab ich armer doch gemacht

O tugend-göttin aller schönen!

Daß sie mich niemahls würdig acht

Mit ihrer gottheit zu versöhnen?

Soll ich denn keine ruhe finden

Vor nie begangne liebes-sünden?

Längst hab ich ein altar gesetzt

Ein denckmahl harter buß zu stifften

In welchen Amors hand geetzt

Mit diamant und güldnen schrifften

Der schönsten göttin von der erden

Soll dieser eintzig heilig werden.

Darauff wenn sich der morgen röth

Laß ich mein hertz als weyrauch glühen

Und wenn mir Phöbus untergeht

Vergeß ich nicht davor zu knien.

Es hat mich nie der schlaff bezwungen

Biß ich ihr göttlich thun besungen.

Dann leg ich mich zur sanfften ruh

Zu meiner mutter neuer schmertzen:

Ich schliesse zwar die angen zu

Und wache dennoch stets im hertzen;

Jm schatten bringts die nacht getragen

Was mir der tag pflegt zu versagen.

Dann tret ich endlich zu ihr hin

Wir singen spielen tantzen lachen

Sie hasset gar nicht meinen sinn

Sie pflegt es so wie ich zu machen

Wir wechseln mund und händ zusammen

Und doppeln unsre liebes-flammen.

Ach aber der ich schatten lieb

Und träumend nur auf rosen gehe

Ich fange wasser durch ein sieb!

Denn dis was ich erwachet sehe

Ist leichtes stroh und feder-küssen

Die blumen sind hinweg gerissen.

Hinweg! verlognes schatten-werck

Du irrwisch der betrübten hertzen

Du starcke glut doch sonder stärck

Du falscher zunder meiner schmertzen

Soll ihre gnad im traum nur scheinen

So muß ich wachend drüber weinen.