Er ist glückselig aber nur im traum.
Was hilfft mir mein verliebter sinn
Weil ihre gottheit ihn verschmähet?
Jhr leichten winde nehmt ihn hin
Biß ihr sein eitles thun verwehet:
Sein urtheil ist ihm schon gesprochen
Die stäbe sind entzwey gebrochen.
Die gantze erd’ ist mir zu klein
Der himmel ists der mich nicht kennet;
Wie kan ich bey mir selber seyn
Weil mir umsonst die hoffnung brennet?
Ich ruffe erde himmel hoffen!
Und keines hat die ohren offen.
Was hab ich armer doch gemacht
O tugend-göttin aller schönen!
Daß sie mich niemahls würdig acht
Mit ihrer gottheit zu versöhnen?
Soll ich denn keine ruhe finden
Vor nie begangne liebes-sünden?
Längst hab ich ein altar gesetzt
Ein denckmahl harter buß zu stifften
In welchen Amors hand geetzt
Mit diamant und güldnen schrifften
Der schönsten göttin von der erden
Soll dieser eintzig heilig werden.
Darauff wenn sich der morgen röth
Laß ich mein hertz als weyrauch glühen
Und wenn mir Phöbus untergeht
Vergeß ich nicht davor zu knien.
Es hat mich nie der schlaff bezwungen
Biß ich ihr göttlich thun besungen.
Dann leg ich mich zur sanfften ruh
Zu meiner mutter neuer schmertzen:
Ich schliesse zwar die angen zu
Und wache dennoch stets im hertzen;
Jm schatten bringts die nacht getragen
Was mir der tag pflegt zu versagen.
Dann tret ich endlich zu ihr hin
Wir singen spielen tantzen lachen
Sie hasset gar nicht meinen sinn
Sie pflegt es so wie ich zu machen
Wir wechseln mund und händ zusammen
Und doppeln unsre liebes-flammen.
Ach aber der ich schatten lieb
Und träumend nur auf rosen gehe
Ich fange wasser durch ein sieb!
Denn dis was ich erwachet sehe
Ist leichtes stroh und feder-küssen
Die blumen sind hinweg gerissen.
Hinweg! verlognes schatten-werck
Du irrwisch der betrübten hertzen
Du starcke glut doch sonder stärck
Du falscher zunder meiner schmertzen
Soll ihre gnad im traum nur scheinen
So muß ich wachend drüber weinen.