Er ist zu fromm.

By Johann Georg Gressel

Ich bin zu fromm zu fromm beym Frauen-Zimmer

Man klagt mich stets als allzufurchtsam an

Das Jungfern-Volck das saget je und immer

Mit meiner Gunst wär ihnen nichts gethan.

Ich ehrte zwar das Jüngferlich Geschlechte

Und meine Pflicht die trüge reichlich ein;

Doch hielt ich mich nicht nach der

Und meine Hand wolt niemahls dreifte seyn.

Die Finger sich nicht zu den Brüsten machten

Auch kähm’ ich nicht vor das Gelobte-Land.

Ich ließ den Mund bey süsser Kost verschmachten

Und wäre nur den Nahmen nach bekandt.

Mein Gut-seyn ließ mich ihre Gunst verschertzen

Ich machte selbst mein Glück zurücke gehn

Nicht das Geschenck das Tasten und das Hertzen

Das liesse nur vor einen Mann bestehn.

Die Klage muß ich aller Orten hören

Sie hassen mich ob meiner Gütigkeit;

Doch kan ich mich an ihrem Wunsch nicht kehren

Macht gleich mein Fleisch mir unterweilen Streit.

Ich will stets keusch in meinem Wesem bleiben

Bannt man mich gleich zum Thor und Stadt hinaus;

Ich wil mich nicht an ihre Dinger reiben

So stoß’ ich nicht die Fenster-Scheiben aus.