Er klebt so ämsig über seinen Büchern/ daß ihm der Schweiß vom Bukkel dropfft
By Arno Holz
Written 1883-01-01 - 1883-01-01
Andre mögen Bachum ehren
und ihr Göldt in Wein verkehren
itzt bün ich ein andrer Mann
und ich dencke nicht mehr dran.
Fehder Dinte und Bappihr
acht ich über jede Zihr
nur noch Eins erhizzt mein Bluht
der gelährte Doctor-Hut!
Morgens bey dem schönsten Wettre
kaum daß ich dem Bett entklettre
lauff ich gleich und a prix tout
dem verehrten Pindus zu.
Pallas ümb den Busen kahl
fegt schon ihren Bücher-Saal
drin so macht mich durchauß froh
der belihbte Cicero.
Widerümb nach Hauß gekommen
wird Porphyrius für genommen
der dem Plato früh und speht
wie ein Kokkel nach gekreht.
Nein wie mich dihß blohß erbarmt
daß ihn schon der Sand ümb armt!
Waß er auffs Bappihr gesezzt
steht in Marmol ein geezzt!
Metrodor und Meleager
sind mir keines-falls zu mager
ihr besüsster Honig-Seim
hält mich fäst wie Vogel-Leim.
Auff dem Murr-Kopff Heraclit
folgt der weise Stagirit
dihsem bün ich gantz vermänckt
weil er mir blohß Küßgens schänckt!
Hecate die Himmels-Dirne
zeigt schon ihre Silber-Stirne
immer noch so lig ich fromb
über meinem Theopomp.
Venus dein gebutzter Leib
schafft mir nicht mehr Zeit-Verdreib
mir genügt alß Panacé
ab und zu ein Dröpffgen Thee.
Pallas Erato und Clio
sind for mich das schönste Trio
sonst so künt es mir ergehn
wie's dem Simbson einst geschehn.
Dihsen fraß mit Haut und Hahr
die entmäntschte Thelilar.
Drümb so laß mich itzt in Ruh
du verfluchtes Flötgen du!