Er lädt seine Gesöllen auff einen Göldt-Fasan

By Arno Holz

Written 1883-01-01 - 1883-01-01

Brüder sizzt euch ümb den Disch!

Bachus plinckt schon Heben.

Sein Gesicht ist roht und frisch

ihre Biehtzgens beben.

Blanckes Zinn und Borzellan

blüzzt für allen Bläzzen

ein gespikkter Göldt-Fasan

soll uns itzt ergäzzen!

Ich bün nicht for Zeisgen-Kost.

Gorcken und Melonen

Leber-Wörstgens heiß vom Rost

dörfft ihr mir nicht schonen.

Qwitten-geeles Gänsgen-Schmaltz

dhat Brambillgen drihber –

hätt ich eines Kranichs Haltz

wärs mir ümb so lihber!

Nichts wie Wasser in sich dreyn

schlurffen tumme Rinder

Zokker-süsser Cyper-Wein

flekkt for Febus-Kinder!

Sein ambrirter Alakant

fillt uns mit Entzükken

wenn wir ihn auß Rand und Band

Schlükk-weis in uns drükken!

Clotho altes Raben-Aaß

hellische Megäre

läkkerts dich nach Leichen-Frahß

zükkstu schon die Schäre?

Gleich so fallt mir etwaß ein:

Sizz dich mir darneben!

Plintzckens mit Rohsinen dreyn

wird es auch noch geben!

Amor Küzzel-volles Kind

kömbstu schon geloffen?

Pakkt ihn beym Schlaffitt geschwind

macht ihn dikk besoffen!

Jeder hebt sich auff den Schooß

seine schönste Schöne

daß ihr blasses Duppel-Blohß

sein Vergnügen kröne!

Alles Kummers sind wir frey

riegelt zu die Dhüren!

Unerhörtes Mord-Geschrey

wollen wir vollführen!

Jeder singe waß er kan

Citepomerone

Pomezite Zanteran

Regivaselone!

An die Wand daß alles kracht

schmeisst das Glaß zu Scherben!

Zehn mahl ließ in einer Nacht

Florilis mich sterben!

Jugend sehnt nach Jugend sich

Tau sich nach Melissen!

Worzu Kind verferbstu dich?

Jeder kan das wissen!

Rohsen Rohsen in den Wein

Rohsen ümb die Stirne!

Beiß mir nicht ins Ohr hinein

du erhizzte Dirne!

Vor Vergnügen wird sie roht

kaum daß ich sie trükke –

schlagt dem außverschehmbten Dodt

ümb sein Maul die Krükke!

Venus dein Rubinen-Glantz

darff uns itzt nicht fehlen!

Holla auff zum Fakkel-Dantz

Kayserin der Seelen!

Dein belihbter Zeit-Verdreib

soll uns rächt scharmiren

dan so bräucht man seinen Leib

nicht erst zu purgiren!

Pfeiffen schon die Musici?

Klükkern schon die Glökkgen?

Clorimindgen biß zum Knie

lupfft ihr Daffet-Rökkgen.

Nicht blohß forn auch Hindten-rum

wölbt sichs ihr aimabel

drümb so ist sie homo sum

waß for meinen Schnabel!

Gantz und außdermahßen fein

schwänckt sich auch Ismene;

kom und schleuß dich in mich rein

weisse Lust-Sirene!

Kukk mein wanckel-bahres Hertz

brännt dir schon wie Zunder!

Schänck mir drümb zu Schimpff und Schertz

Venus ihre Wunder!

Doris stähts vergnügtes Huhn

offt warstu mein Weibgen;

auß geblühmten Zizz-Kattuhn

strafft sich dir dein Leibgen.

Dein verehrtes Mittel-Stükk

gilt for mir Dukaten –

gleich so schippt sie mich zurükk

weil ich waß verrathen!

Grittgen du bist mir zu fett

nie wirstu mich krigen

daß wir uns im Fehder-Bett

eins ümbs andre schmigen.

Bün ich gleich kein Cawallir

lihb ich doch die Schlancken

die weit fäster ihre Zihr

ründ ümb mich verrancken!

Lihblich drehn sich auff und ab

all die netten Dinger;

grabt mir nicht zu tieff hinab

die verlihbten Finger!

Sonstso fischt sich wer waß her

läßt ers nicht gleich fahren –

Gottseydanck wir sind nicht mehr

in den Kälber-Jahren!

Mops und Mopsa schnarchen itzt

wir sind froh und munter;

ihren Silber-Firniß schwizzt

Luna auff uns runter.

Biß der kluge Hauß-Hahn kreht

gehn wir nicht zu Bette;

dan so ists genug gedreht –

lihbt euch ümb die Wette!