Er lauscht einem Vögelgin
By Arno Holz
Written 1883-01-01 - 1883-01-01
Nun ein blendend blauer Himmel
wihder über Tellus hängt
dran in frölichem Gewimmel
Schäffgen sich an Schäffgen drängt
unter dikk vermänckten Sträuchen
die nach nichts alß Rohsen räuchen
in das Graß so lang ich bin
einsamb sträkke ich mich hin.
Schluchtzt ihr Flöhten klagt ihr Geigen
blüht mein Hertz auch roht wie Mohn
zum Cocythus muß ich steigen
klagt ihr Flöhten schluchtzt ihr Geigen
und zum schwartzen Fleggethon!
Kukk mit auff gewipptem Schwäntzgen
bundt auff einem Schlehdorn-Ast
lädt ein kleines Fehder-Häntzgen
freundlig sich bey mir zu Gast.
Ach mit seiner süssen Kehle
singt es sich mir in die Seele;
waß es tzwittschert zürbt und zihbt
macht mich durchauß ihm verlihbt.
Schluchtzt ihr Flöhten klagt ihr Geigen
blüht mein Hertz auch roht wie Mohn
zum Cocythus muß ich steigen
klagt ihr Flöhten schluchtzt ihr Geigen
und zum schwartzen Fleggethon!
Zittschre tittschre deinen Kummer
schleiffe pfeiffe deine Lust
drillre gleichsahm wie in Schlummer
meine rund-ümbnagte Brust!
Rohsen Tulpen und Cupressen
alles blüht und wird vergessen
alles muß nach kortzer Zeit
in die tunckle Ewigkeit!
Schluchtzt ihr Flöhten klagt ihr Geigen
blüht mein Hertz auch roht wie Mohn
zum Cocythus muß ich steigen
klagt ihr Flöhten schluchtzt ihr Geigen
und zum schwartzen Fleggethon!
Ich und du wir alle beyde
müssen in den gleichen Stand;
dihse schöne Sommer-Heyde
schlukkt uns in den sälben Sand!
Königs-Kertzen Kayser-Krohnen
sind vor ihr wie Lauch und Bohnen;
sollt ich drümb nicht offt allein
heymlig mit mir traurig seyn?
Schluchtzt ihr Flöhten klagt ihr Geigen
blüht mein Hertz auch roht wie Mohn
zum Cocythus muß ich steigen
klagt ihr Flöhten schluchtzt ihr Geigen
und zum schwartzen Fleggethon!