Er liebet nicht mehr.

By Johann Georg Gressel

Von den Banden von den Ketten

Ist mein Hertze nun befreyt

Davon in so langer Zeit

Es sonst kunte nichts erretten:

O höchst beglückter Tag! o angenehme Stunden!

Darinnen ich mein Glück und Freyheit wiederfunden.

Lachet ihr befreyten Sinnen

Und du sonst beklemmte Brust

Schöpff’ aus deiner Freyheit Lust

Die eur thörigtes Beginnen

Vor einem Blick vergab von ungetreuen Augen

Die euch zu nichtes sonst als einer Folter taugen.

Schaut doch an die holden Blicke

So euch jetzt das Schicksahl giebt

Und wie euch so hertzlich liebt

Ein gewünschetes Gelücke

So eure Fesseln bricht euch in die Freyheit setzet

Und statt Egyptens Dienst in

Solten euch die Augen zwingen?

Die nur schlechter Firniß sind

Nein! seyd nicht mehr starre-blind.

Last euch aus dem Nebel bringen

Der euch mit seinem Dunst bishero hat betrogen

Und mehr als Wahrheit ist von ihr euch vorgelogen.

Wer will wol als Sclave leben

Wenn er kan erlöset seyn?

Und wer geht den Wechsel ein?

Seine Freyheit hinzugeben

Vor einem falschen Blick vor ein betrüglichs Lachen.

Und wer läst sich aus Lust zu einem Knechte machen?

Schützt euch nun in eurem Stande

Bleibt der Freyheit zu gethan

Nehmt hinführo nicht mehr an

Diese so verhaßte Bande

Bemühet euch vielmehr derjenigen zu dienen

Bey der ihr Gegen-Gunst und Liebe sehet grünen.