Er liebet ohne hoffnung

By Benjamin Neukirch

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Was denckt ihr doch ihr kühnen sinnen?

Ihr geht auff allzuhoher bahn;

Denn euer frevelndes beginnen

Will weiter als es steigen kan;

Weil ihr dasselbe lieben wollet

Was ihr doch nur anbeten sollet.

Die gantze welt steht euch ja offen

Und steckt nicht voll unmöglichkeit.

Warum liebt ihr denn sonder hoffen

Was euch die liebe doch verbeut.

Wo furcht und noth gesetze schreiben

Muß lieb und lust zurücke bleiben.

Jedoch ich weiß nicht was ich sage

Ich will nicht was ich wollen soll.

Darum erwehl ich nur die plage

Und such im finstern meinen pol;

Vielleicht kan wie die nesseln bienen

So mir der schmertz zu honig dienen.

Hab ich nicht hoffnung das zu kriegen

Was mich mit flammen überstreut;

So qvillet dennoch mein vergnügen

Auch noch aus der unmöglichkeit;

Denn darff ich gleich die glut nicht nennen

Will ich doch in gedancken brennen.

Und also lieb ich mein verderben

Und heg ein feur in meiner brust

An dem ich noch zuletzt muß sterben.

Mein untergang ist mir bewust:

Das macht: ich habe lieben wollen

Was ich doch nur anbeten sollen.