Er liebet sie.
Written 1693-01-01 - 1693-01-01
Ich lieb dich schönstes Kind
Der Anblick deiner zarten Wangen
Läßt mir ein solch Gefilde sehn
Auf welchem Lilg- und Rosen stehn
Die in der schönsten Blühte prangen.
Kein Schnecken-BIut ist zuvergleichen
Mit deiner Lippen Wunder-Pracht
Womit die Schönheit selber lacht
Vor deinen Mund Corallen weichen.
Ich lieb dich schönstes Kind.
Ich lieb dich schönstes Kind
Von deinen Feuer-reichen Augen
Ist meine Seel in Brand gesetzt
Aus dem was deine Lippen nätzt
Muß man den Liebes-Nectar saugen.
Es laben sich die matten Sinnen
An diesen angenehmen Fluß
Durch den so sehr beliebten Kuß
Spührt man ein Rosen-Zucker rinnen.
Ich lieb dich schönstes Kind.
Ich lieb dich schönstes Kind.
Der Ort wo Himmels-Blumen blühen
Ist deine wunder-schöne Brust
Die Aepffel ungemeiner Lust
Nach dieser zarten Gegend ziehen
Ihr Anblick zeiget solche Früchte
Woran die Anmuth selbsten baut
Und fast einjedes Auge schaut
Nach diesen lieblichen Gerichte.
Ich lieb dich schönstes Kind.
Ich lieb dich schönstes Kind.
Der Wunder-glantz der SchwaanenBrüste
Beschämt das weisse Helffenbein
Es führet nicht so schönen Schein
Das Marmel-gleiche Stern-Gerüste;
Die Anmuths-Rosen so sie decken
In solcher Pracht und Zierde stehn
Daß ihr beliebtes Tausend-Schön
Verhöhnt das edle Blut der Schnecken.
Ich lieb dich schönstes Kind.
Ich lieb dich schönstes Kind.
Du Eben-Bild der hellen Sonnen
Must mir auch eine Sonne seyn
Die mit beliebten Glantz und Schein
Den Geist erquickt den sie gewonnen
Kan ich mich an den Blicken laben
Und küsse ich die schöne Brust
So schmecke ich die frohe Lust
Wodurch man kan den Himmel haben.
Ich lieb dich schönstes Kind.
Ich lieb dich schönstes Kind.
Laß mir den Liebes-Garten offen
Der lauter Lebens-Früchte trägt
Lind soviel Anmnth in sich hegt
Daß man nicht darf vergebens hoffen.
Gedenck' ich an die seltnen Schätze
Die dein verborgnes Eiland giebt
So bin ich froh und doch betrübt
Weil ich mich nur im Traum ergötze.
Ich lieb dich schönstes Kind.
Ich lieb dich schönstes Kind.
Erhöre doch mein süsses Leben
Das Flehen so dein Knecht ausstößt
Die zarte Brust sey mir entblößt
So Milch und Schnecken-Blut umgeben
Daraus du Zucker-Lust den Seelen
Und holde Anmuth flössest ein
Alsdenn verschwindet jene Pein
Womit sich meine Sinnen quählen.
Ich lieb dich schönstes Kind.