Er lobt sich sein Purschen-Leben!

By Arno Holz

Written 1883-01-01 - 1883-01-01

Mich sah so Leipzig Wien wie Prag

so Rostock Königsberg wie Jene;

doch wo ich auch zu drällern pflag

es ging mir überall höchst bene.

Noch keinen schuf so frohen Sinns

Apoll der muntre Musen-Printz.

He Brüder bräucht euch eurer Zeit!

Sie saust dahin nichts läßt sich halten.

Die heut blohß Zokker-Rösgens schneyt

bekränckt euch morgen schon mit Falten.

Zurletzt schlurfft uns ein schwartzes Loch –

fy Teix wer nie nach Dabbak roch!

Den Bahrt laßt uns zu Zwürbeln drehn!

Sprengt hoch zu Gaul! Jagt in Carreten!

Auff Silber-Schüsseln will ich sehn

Dukahten-Nudeln und Lampreten!

Rosingens wüntsch ich alß Geschlekk

auch schafft mir ja Canari-Sec!

Auff den belihbten Pindus klimmt

man erst nach ohngemeinem Schwizzen

und schlüßlich wenn dan alles stimmt

bleibt man blohß höchstens auff ihm sizzen.

For Sowaß geben wir nach Elff

noch nicht mahl einen Zwiebel-Schelff!

Wo Bachus lustig präsidirt

zeigt sich auch bald sein Bruder Jocus.

Bauckt auff die Dische randalirt

kreischt drey-mahl vivat Hokusbokus!

Der eine spihlt das Dideldom

Der andre auff dem Plomplomplom!

Vergnügter war nicht Epicur

verschmizzter nicht Anaximander

wir folgen Beyder ihre Spur

und würbeln alles durch-einander!

Nur Einer hat für uns das Prä

der alte Doctor Rabelais!

Da horcht! Schon dröhnt die Mitternacht!

Itzt heisst es: Pursche Runda sauffen!

Eh nicht Aurora Rohsen lacht

darff keiner in die Fehdern krauffen!

Der fättsten Färckelgens Geqwiek

klingt gegen unsres wie Musik!

O allerschönste Galathee

wie seelig muß sichs dein geniessen!

Laß deinen weissen Armen-Schnee

ümb meinen Haltz herümber fliessen!

Kom sizz dich hihr auff meinen Schoos

ich mach dir beyde Brüstgens blohß!

Harr! Kükkt die ihr noch nüchtern seyd!

Wog wer schon ähnlichte? Botz Zäpffel!

Störtzt alle nihder juhcht und schreyt:

Das sind Hesperiens Wunder-Aepffel!

Sie rollen hin sie rollen her

so herrlich rollt kein Pärlen-Meer!

Laufft! Raufft! Schlagt alles korz und klein!

Brecht zu den Mäntschern in die Betten!

Dantzt ümb kein Kalb! Dantzt ümb ein Schwein!

Bewindet es mit Rohsen-Ketten!

Zum Leid-dhun bleibt noch ümmer Zeit

wann ihr erst alt und gräulich seyd!

So klingts bald hoch so klingts bald tieff

von meiner wohl-bespihlten Laute;

schon mancher ärgerte sich schieff

sorbald ich blohß die Säyten kraute.

In solchen Scheddeln meiner Treu

rumohrt fast nichts wie Hekker-Spreu!

Obs würcklich einen Himmel giebt

wie wir auß alten Schrifften lesen?

Mir scheint das zihmlich abgediebt;

es ist noch keiner dagewesen!

Mein Hieber saust das Pflaster sprüht

ich bün nicht gern ümbsonst bemüht!

Der Helle drau ich fast schon mehr.

Ich wüntschte sie so manchem Lemmel.

Und brillte er auch noch so sehr

ich schmiss ihm keinen Gnaden-Semmel.

Doch gläub ich trutzdem franck und frey

auch sie ist eitel Fantasey!

Jedennoch weiß wer nichts genau.

Vihlleicht so brasseln ihre Flammen.

Dan schlägt ihr nichts alß Feuer-Bau

mahl ekklich über mir zusammen.

Doch schlukkt sie mich sälbst würcklich eyn –

es wird schon wo ein Schlipploch seyn!