Er passirt an ihrer Thür vorbey

By Arno Holz

Written 1883-01-01 - 1883-01-01

Der Winter stirbt im Wald

deß freuen sich die Faunen

und blahsen daß es schallt

auff ihren Feld-Bosaunen.

Die trühbe Zeit ist hin

der Venus weisse Taube

legt ihre Eyerchin

in Mavors Bikkel-Haube.

Der Thetis blaue Schooß

ligt wihder frey und offen

durchs lebhafft grüne Moos

kömbt Owäll ümb Owäll geloffen.

Das klükkert durch den Hag

und glüzzert immer döller

die Welt von Tag zu Tag

wird durchauß Bluhmen-völler.

Schon sizzt vor ihrer Thür

das freundliche Florindgen

ich spreche höfflich für

wie geht es dir mein Kindgen?

Gleich wird sie über roht

ach nur ein eintzges Schmäzzgen!

man stirbt darvon nicht dodt

sie fältelt sich am Läzzgen.

Zween Marmol-Ballen zwänckt

das allzu dünne Mihder

ihr süsses Uhr-Werck sänckt

bald hebt es sich auch wihder.

Sie sprengen fast den Zwilch

kukk wie sie sich bewegen

der Juno weisse Milch

ist kohl-pech-schwartz dargegen.

Du duppel Kuß-Altar

auß dem sich Rohsen krüllen

bald wirstu gantz und gar

mich mit Vergnügen füllen.

Dan steht mir alles frey

wekk du bestirnter Schleyer

dan kikakt die Schallmey

zu Tellens Hochzeits-Feyer!