Er perstringirt seine Gesöllen

By Arno Holz

Written 1883-01-01 - 1883-01-01

Noch gestern wenn ich es bedäncke

saß ich mit Melio in der Schäncke.

Damöt drihb weiter nichts wie Bossen

Trax war mit Hasen-Schrot geschossen.

Itzt muß ich insgesambt solch Drachten

for faule Sodoms-Öpffel achten.

Das saufft und raufft und flucht und schwehrt,

nicht einer ist sein Leder wehrt!

Palemon stinckt mir allenthalben

zu sehr nach Budergens und Salben.

Ein Zobel-Pältz mit hundret Schwäntzen

das wer so waß for ihn zum Gläntzen!

Am lihbsten mücht er sich verschreiben

ein Wägelgen mit Spihgel-Scheiben.

Wie dihser Tummrian sich zihrt

hat mich schon offters affrontirt!

Silvanders Sinn steht durchauß leider

nur auff die lange Weiber-Kleider.

In allen Winckelgens und Ekken

muß er sich mit den Mägdgens zekken.

Zu jeder hoppt er hin und schnoppert

waß ihr wohl hindterm Dünn-Tuch boppert.

Darbey so hat das geule Vieh

doch die Frantzosen-Maladie!

Stax lihbt es nicht bey Gastereyen

sich seinen Magen zu kasteyen.

Befillt mit Sauer-Kraut und Schwarten

kan er der Käsgens kaum noch warten.

Ümb Hammel-Fleisch und grüne Bohnen

lihß er ein Beutelgen Tublonen.

Darfor so schwappt ihm schon das Fett

er daugt nicht mehr alß Ober-Bett!

Beraldo ist nun erst ein Brahten!

Fast Nacht for Nacht geht er gassaten.

Die Lichtrichins auß den Laternen

muß er bartout darbey entfernen.

Gleich kükkt ihm einer zu verstohlen

brüllt er: Herr Bruder die Bistohlen!

Noch keinen sah man auff der Welt

der so alß Waldt-Schwein sich verstellt!

Philen ist alles larifari

for einen halben Schlukk Canari.

Nicht einer sah mit krausen Zeichen

ihn je schon ein Bappihr bestreichen.

Er hält die hohe Pierinnen

for alte Heerings-Krämerinnen

und lihbt biß murgens früh ümb Acht

die ohngemein verlängkte Nacht.

Nur ich sizz hihr auff meinem Stertze

vergnügt bey einer Unschlitt-Kertze

und mühe fleissig Hirn und Hände

blohß for die höhern Gegenstände.

Mein Sammt-Barett mit blancken Tressen

staubt hindterm Ofen fast vergessen;

schon schirrt Apoll mir seinen Gaul –

Neid halt dein blaues Läster-Maul!