Er ringt mit ihme/ wie mit ihme fürmahls jener alte Ertzt-Vatter Jakob rang

By Arno Holz

Written 1883-01-01 - 1883-01-01

Nein nein ich lasse Dich nicht lohß!

Ich gläube ja ich gläube!

Errette mich in Deine Schooß

darmitt ich nicht verstäube!

Auß des Satans ekkler Schule

sih mich hihr für Deinem Stule

ohnerhöhrt ist meine Noht

hülff es schläng ich Gassen-Koht!

Fast ward ich schon wie blind und taub

laß laß Dich drümb versühnen

und gönn mir Deinen Sternen-Staub

drauß keine Gräber grünen!

Motten Modder Wuhst und Schimmel

dausch mir gnädig for den Himmel

daß mich nicht nach kortzer Frist

nichts alß blohß die Fäulung frißt!

Vor warst Du mir ein Spihl ein Spott

Dein Wort stund mir auff Schrauben

kein Plato soll mir itzt Dich Gott

kein Socrates mir rauben!

Ohn auch nur auff Dich zu höhren

lihß ich mich durchs Fleisch bethören

lüderlich war ich gesinnt

durch und durch ein Sodoms-Kind!

Verruchter war ich wie kein Thier

for Lieder pfiff ich Zoten

in meiner brännenden Begihr

dreyn alle Lüste lohten!

Dem Catonischen Gelichter

hieb ich qwer durch die Gesichter

jeglicher Enthaltungs-stand

war mir gäntzlich unbekand!

Itzt bün ich blohß noch Haut und Bein

mein Hertz kan kaum mehr schlagen

mein schwartzer allerletzter Schreyn

steht schon auff seinem Schragen.

Nacht for Nacht auß meinen Kissen

schrekkt mich zittrend mein Gewissen

Grauen wirfft mich Angst und Schweiß

gihb mich nicht den Würmern preiß!

Seit zwey mahl dausend Jahren schon

lobsingen Dir Diorben;

sey nicht ümbsonst durch Deinen Sohn

am Creutz for mir gestorben!

Mach daß ich nach dihser Erde

gantz mit Dir vereinigt werde

däkkt mich gleich der Leichen-Stein

laß es nicht for ewig seyn!

Auß Gold und Pärlen blizzt die Stadt

gepflastert mit Tublonen

kaum sehn sich an ihr sälbsten satt

die englische Sqwadronen!

Jedem der durch Deine Gnade

Jesum fand im Wasser-Bade

wird dort einstmahls seine Haut

wihderümb neu anverdraut!

Wie freudig werd ich im Verein

sorbald ich dort gelendet

mit Dach und Opitz Gloria schreyn

weil alles sich gewendet!

Nichts bleibt unterm Leichlach ligen

alles werd ich wihder krigen:

Ohr und Nase Mund und Kinn

jedes kleinste Knöchelchin!

Das steht gantz durchauß und gewiß

durch Deine Schrifft verheissen

Du wirst ümb einen Apffel-Biß

mich nicht ins Feuer schmeissen!

Dodt du Teuffel deinem Drachen

spey ich mitten in den Rachen:

bald bün ich dahin gelangt

wo mein Haupt mit Krohnen prangt!

Dan jauchtz ich wihder frisch und roht

o Freuden-volle Pfründe!

Waß wäre dihser Leib auß Koht

wenn ich nicht aufferstünde?

Erst zwar drifft mich noch Verwesung

doch sordan folgt die Genesung

denn ich weiß es itzt alß Christ

daß der Dodt mein Leben ist!