Er sahe sie wider die gewohnheit bey noch gantz frühem morgen. C. E.
Melinde deine gunst will mich zu früh beglücken
Mein schlumrend auge war vom schlaffe kaum erwacht
Da kont es allbereits an deiner pracht erblicken
Ein etwas so dich selbst der sonnen ähnlich macht.
Ich sah’ ein lodrend feur aus deinen augen blitzen
Und einen solchen brand der sonnen nur gebührt;
Ein feur das durch und durch die geister kan erhitzen
Und sternen-gleiche krafft in seinen strahlen führt.
Hegt nun dein heisses aug’ der sonnen glut und flammen
Trifft glantz und würckung selbst so reichlich bey dir ein
So wirstu warlich nicht ein kühnes wort verdammen
Das dich mit höchstem recht heist meine sonne seyn.
Die sonne bringt den tag der tag giebt freud und leben;
Melinde glaube mir du bist mein sonnen-licht
Drum kanstu anders nichts als anmuth von dir geben
Wenn dein befeurter glantz durch beyde augen bricht.
Und wie der sonnen glut die gantze welt erhitzet
Und alle flammen auch durch ihre krafft besiegt;
So weistu wann dein feur auff unsre hertzen blitzet
Daß geist und seele selbst durch solchen brand erliegt.
Hat in der alten welt bey den bethörten heyden
Der sonnen als eim gott ein göttlich lob gehört;
Wie viel mit grösserm recht kan man auff erden leiden
Daß du als göttin wirst von aller welt verehrt.
Denn laß die sonne gleich den kreyß des himmels zieren
Laß ihren glantz auch gehn weit über sternen-pracht;
So wird sie warlich dir auch nicht den ruhm entführen
Daß dich der himmel selbst zur irrdschen sonne macht.
Genug! ich kan nicht wohl von deinen sonnen sprechen
Ein sterblich auge wird durch solchen glantz verblendt;
Nur laß ihr feuer nicht zu hefftig auff mich stechen
Sonst glaube für gewiß daß sich mein leben end.