Er sendet jemanden das Contrefait seiner Nachbarinnen.

By Johann Georg Gressel

Weil du geehrter Freund schon offtmahls hast geschrieben

Daß ich das

So ich dir zugesagt zu schicken möcht belieben

So flieget dieses Blat zu deinem Schlosse hin.

Es gläntzet zwar nicht fein mit bunt-

Doch ihrer Trefflichkeit blitzt auch von dem Papier;

Des Mahlers seine Kunst muß arm am Witze darben

Denn ihre Nettigkeit geht seiner Schmincke für

Kan nun kein Mahler nicht der Schönheit Strahl erheben?

So wird mein rüder Kiel viel wenger tüchtig seyn

Der schönen Nachbarinn die Farben recht zu geben

Da ihre Augen gleich den Zweiffels-Saamen streun.

Wo fang ich aber an die Schönheit abzumahlen?

Ein jedes Glied verdient den schönen Ehren-Krantz

Die

Und

Doch! schau ich will zu erst bey ihrem Haar anfangen

Das

Die

So wird der Sternen Schein bey ihrer Nacht doch blind.

Die Stirne macht beschämt was

Narcissens weisse Pracht die stoltzen Segel streicht:

Der glatte Alabast vor solchen Schmuck sich neiget

Und in die schwartze Grufft der ersten Wohnung weicht.

Die Augen sind ein Blitz der durch die Lüffte fähret

Davor der Diamant der Strahlen Glantz verliehrt

Ein Dunckel das die Nacht mit düstern Schatten nehret

Und doch den Sonnen Schein aus schwartzen Pech gebiehrt.

Die Nase prahlt mit Schnee die aller Dinge Amme

Die gütige Natur recht zierlich ausgemacht

Nicht daß man sie als klein noch als zu groß verdamme

Dianens silber Horn hat ihr den Glantz gebracht.

Die Wangen siegen an den wunder-schöner Nelcken

Die Morgen-Röht’ erstaunt vor ihrer Purpur-Pracht

Die

Die Tulpe giebt der Welt auf ewig gute Nacht.

Vor den Zinnober Mund-Rubin und Scharlach fallen

Der

Die machen sich hinweg vor ihren Mund-Corallen

Der

Die Zähne sind gepflantzt vom feinsten Helffen-beine

Wodurch die holde Zung und ihres Athen West

Gesichert sind umschantzt in Perlen-weisse Zäune

Daß kein vergrelter Nord in ihre Kähle bläßt.

Das Kinn ist künstlich rund worauf

Die ein beliebter Türcks der blauen Adern küßt;

Kein

Als des

Der Hals verschwärtzt den Schnee und die gebleichte Seide

Das feinste Post-Papier wird schlechtes Maclatur:

Zu Kohlen wird vor ihn die allerreinste Kreide

Und seine Klarheit rühmt am meisten die Natur.

Die Brüste quilln hervor als glatte Marmor-Ballen

Zinnober wächst auf Milch Granaten krönt Rubin

Auf ihren Hügeln stehn die röhtsten Meer-Corallen

Die in dem höchsten Schmuck auf Perlen-Mutter glühn.

Hier muß der Mahler weg und auch die Feder weichen

Weil der verborgne Schatz in seinen Schaalen bleibt

Das

Wenn die

Allein! was soll der Hand ich an die Seiten stellen?

Der feinster Nessel-Tuch und Seide ist zu hart

Wo man aus Marmor sieht den blauen Türckis quellen

Der mit beliebten Schnee der Finger sich gepaart.

Beschaue nun dis Bild betrachte alle Züge

Und setze die

Sieh meine Worte durch erwege jede Riege

Und sage mir hernach was vor ein Bild sich weißt.

Zwar köntest du hier wol die Mahlerey verlachen

Weil ein verstumpffter Kiel kein Pinsel es gethan

Und fragen was du solst mit diesen Sachen machen?

Doch wisse daß du siehst