Er siht nach hartem Winter von seiner lezzten Streu auß der Kammer
By Arno Holz
Written 1883-01-01 - 1883-01-01
Der Mey ist do! Der Mey!
O süsser Jubel-Schrey!
Der Himmel hängkt so tieff alß blau
die Welt ist wie auß Morgen-Thau.
Aurora kömbt gegangen
mit Rohsen gantz behangen
der West lässt ohngesehn
blohß Amber-Lüfftgens wehn!
Von den Hühten
nikken Blühten
alles jubelt dantzt und springt
seit im Walde
nach der Halde
wihderümb der Gukguk singt!
Der Mey ist do! Der Mey!
Nur ich bün nicht darbey!
Kein Qwintgen spühr ich mehr an Krafft
ich lige welck und Lager-hafft!
Bald werd ich hingerissen
kein Mäntsch wird von mir wissen
ein Schatten war ich und ein Schaum
kaum mehr alß jener Apffel-Baum!
Durch mein Fenster
blinckt und glentzt er
eine Mutter hertzt ihr Kind –
ich vergehe
da ich sehe
wie die Beyde frölig sind!