Er singt ihnen/ während deme sie drincken/ in die Laute/ wodrauff sie ihme ümmer...

By Arno Holz

Written 1883-01-01 - 1883-01-01

Ueberlege ich den Bau

dihser Welt mir gantz genau

füllts wie frölig mir den Sinn

daß ich noch kein Seraf bin.

Denn dan hätt ich tummes Hänßgen

Flittgens wie ein Pauren-Gänßgen

darzu nichts wie Gloria schreyn –

Tebel muß daß schrökklich seyn!

Sihstu woll sihstu woll

mach nicht so vihl Boltriboll!

Gleich so ist man gantz verrazzt

wenn man mahl erst ab-gekrazzt!

Dihses kan ich von mir sagen

mit dem größten Hertz-Behagen:

itzt so sizz ich durchauß da

völler alß Gargantua!

Austern Schild-Krot Schnekken Fische

miß ich ungern auff dem Dische

Hirse-Brey und Arme Ritter

laß ich for die Hochzeits-Bitter.

Donkischot und Petersquentz

machen für mir Reverentz;

Nectar ist mir zu gemein

es muß Bacharacher seyn!

Gern so gönn ich dir Hannß Owast

deinen dikken Lorrbör-Ast

wan ich dan durch Mund und Nase

angenehmsten Rauch verblase!

Gott segne dich Herr Bruder

waß bistu for ein Luder!

Ümb deinen complaisanten Thon

beneidet dich sälbst Corydon!

Nie noch sah mich die Gedult

über ihrem Bücher-Pult;

auß Qwartanten dikk verstäubt

hab ich mir nichts rauß gekläubt!

Mit dihsem Krantz der mich bezihrt

hat Febus sälbst mich coronirt;

nichts nizzt for ein Teutsch Geticht

Pallas die blohß Griechisch spricht!

Pärlen fässt man blohß in Gold

drümb so sind wir Dafnis hold!

Sein hippocrenisches Gesprudel

ist nicht blohß leeres Verß-Getudel!

Des Himmels franck der Hölle lohß

Trutz dir du hämisches Gelichter!

Mein Hieber blizzt zu Stich und Stoß

die Pesth auff alle Splitter-Richter!

Nur auff mich sälbst bün ich gestellt

was kümmert mich die Affter-Welt?

Jeder seiner Drillergin

nimbt uns fast uns sälbst darhin!

Gleich ist unser Hertz entführt

kaum daß er die Sayten rührt!

Scheint mir heute alles schaurig

sticht mich morgen mehr kein Floh;

unterweilen bün ich draurig

unterweilen bün ich froh.

Zu Dorillgen ab und zu

muß ich mich schon dappen

denn man kan doch ümmerzu

nicht blohß Weißheit schnappen!

Ümb ihr halb entblösstes Knie

lihß ich mich begraben;

for die Metaphysici

bün ich nicht zu haben!

Sälbst die uns entfernte Griechen

müssen sich für ihm verkriechen!

Darzu gibt ihm frölig Krafft

Bachus und seyn Laster-Safft!

Stähts blohß sauer blikken macht

außgenommne Hirne!

Wahre Weißheit dantzt und lacht

bey entwölckter Stirne!

Wahre Weißheit ist ein Seim

süsser noch alß Honig-Schleim!

Ich drinck sie statt auß Platons Buch

auß meiner Liebsten linckem Schuch!

Lasst euch alle durch sein Leben

ein verehrtes Beyspihl geben

der mit seinem Dugend-Bracht

sälbst die Sterne schahm-roht macht!

Pereat der tumme Plato

der fast saurer noch alß Cato

uns Cytherens Lust verwieß!

Brüder sie allein verkehrte

dihse Welt die schon verheerte

wihder in ein Baradihß!

Nichts erfreut so meinen Mund

wie ein sanfftes Duppel-Rund

nichts verzükkt mir so die Finger

wie die zahrte Silber-Dinger!

Das sind von allen Sachen

die schönsten auß der Welt

darmitte kan man machen

durchauß waß blohß gefällt!

Schöss man doch mit solchen Ballen

wo die Feld-Karthaunen knallen!

Gleich so bün ich Kriegs-gesinnt

wo die Kugeln Küsse sind!

Alß Pursche sind wir durchauß ehrlich

die Mäntscher sind uns nicht entpehrlich!

Ein guhtes Bier ein guhtes Buch

und Fillis ohne Busen-Tuch!

Gläubt mich eine rächt gefangen

bün ich ihr auch schon entgangen;

nur zum Schein bün ich verlihbt

biß ich ihr waß abgedihbt.

Jupiter sambt seinem Plizze

hat nicht halb so vihle Hizze

drümb so sag ich rächt mit Fug:

Eine ist mir nicht genug!

Unterm Pusch und hindterm Zaun

heute schwartz und morgen braun

eh ein Jüngffrichin sichs dänckt

ligts auch schon ins Graß geschwänckt!

Niemahls künt ich es versprechen

dihses Volcks mich zu entbrechen

for seine Honig-süsse Menge

sind meine Blättgens vihl zu enge!

Pflükkt die Stunde eh ihr sterbt

weil euch noch die Jugend ferbt!

Titan sälber ligt verprasselt

sind wir mahl erst abgerasselt!

Venus du süsse Frau

dein schlancker Marmol-Bau

der nichts wie Zokker schwizzt

hat mich dir gantz erhizzt!

Gärsten-Mehl und Eyer-klahr

mänckstu dir ins Purpur-Hahr

deine mehr alß zahrte Haut

gläntzt mit Rohsen unterbaut!

Will man dich mal baden sehn

bräucht man blohß dorfatim gehn!

Die Mäntscher auff dem Dorff

zihrt nichts alß Grind und Schorff

weil waß in den Küh-Stall kräucht

nur nach Mist und andrem räucht!

Dorindgen war so höchst verwegen

für Mittags sich ins Stroh zu legen.

Dafnander hielt das gantz verbohten

und schlich zu ihr auff Kater-Pohten.

Vorerst versuchte sie zu beissen:

Botz Blumen-Hertz waß soll das heissen?

Doch dan so hat sie ihm vergönnt

waß ihr euch bey-nah däncken könnt!

Charlottgen dhat nechst purschikos

na wirds dan endlich Kerrel lohß!

Schon manchen lihß sie bey sich ligen

man bräucht ja nicht gleich Kinder krigen!

Cyripor du kleiner Schlingel

eben warstu noch ein Kringel;

kaum daß Chloe zu dir spricht

bistu gleich ein Kirchen-Licht!

Nächtens erst um halber Vier

zogst du durch den Schwartz-Wald ihr

fast beschehmbt so deine Krafft

sälbst Sankt Jörgens Lantzen-Schafft!

Itzt melodiren wir die Weise:

wers hört der zahlt drey Fleder-Läuse!

Dorindgen fleuch in grosser Eil

uns förcht sonst for dein Mutter-Teil!

Kaum daß Susilis empfand

meine Schertz-gewohnte Hand

die ein Veilgen blaues Band

nah am Knie ihr löste

gleich so stieß ein gantzes Stükk

ihr Hand mich jäh zurükk

alß ihr Busen mir zum Glükk

gleich-falls sich entblöhßte!

Wein und Bier sind da zum drincken

und zum Essen sind die Schincken!

Rund und voll sey ihre Brust

wir sind nicht for Knochen-Lust!

Basilette stinckt nach Buder

gleich so ist man ihr zu kühn

nein ümb so ein tummes Luder

würd ich mich nicht erst bemühn.

Fang dir Mukken fang dir Mukken

fang dir Mukken süsses Kind

hindterm Rukken hindterm Rukken

hindterm Rukken bistu blind!

Himmlisch lächelnde Cythere

dihse zwikke schlau und scharff!

Waß nizzt uns eine Dabatière

wenn man auß ihr nicht schnupffen darff?

Grittgen greinte nein ich dhus

nicht mahl ümb ein Linsen-Muhß!

Six man muß sie blohß mahl sehn

for die Gänßgens Nudeln drehn!

Susa Memfis und Korint

überwände dihses Kind;

süsser lächelt zährter spricht

die verlihbte Sapffo nicht!

Sälbst die göttliche Belise

ist kaum halb so schön wie dihse!

Wollen-weich und Butter-glatt

ist waß sie forn und hindten hat!

Göldner alß das Glükks-Land Gosen

ümb und ümb auß Boesie

Tau-besprizzte Morgen-Rohsen

sind nicht himmlischer wie sie!

Dafnander ist ein Trommethar!

Allein auff ihre schwartze Wimpern

bey sonst fast blond gelokktem Hahr

künnt ich drey duzzend Lidgens klimpern!

Leider hält ihr Händgen fäst

waß sich mit nichts vorgleichen läßt!

Auß Furcht vor die bekandte Wochen

hat schon Lukrezie sich erstochen!

Amanden ging es dorch und dorch

sie gläubt noch an den Klapper-Storch!

Ein muntres Kind ist auch Marie

ich meine nur von wägen!

Mit voller Brust und rundem Knie

dratt sie mir offt entgägen;

doch weil das Luder ümmer schrie

kunt ich sie noch nicht lägen!

Nie noch hat uns waß versagt

unsres Pfund-Wirths dikke Magd –

neinnein man wagt es nicht zu nennen

Rosildgen lihbt das Ringel-Rennen!

Barbaris misst sihben Ellen

nirgends basst ihr keine Banck;

kan man sich da zährtlig stellen?

Nein sie ist for mir zu lang!

Sälbst der Regenspurger Strudel

reicht ihr kaum biß übers Knie

dudel didel didel dudel

dudel didel di!

Krispingen ist darfor zu kortz

daß macht es fehlt ihr die Proportz;

drümb flieht sälbst der kleinste Floh

ihr bedrühbtes Wittwen-Stroh!

Clelie ist schon nicht mehr jung

doch for ihren alten Strunck

scheint sie mir fast schade;

ihre Bäkkgens sehn nicht blaß

und ihr duppelter Parnass

hebt sich noch gantz grade.

Blohß mir scheint sie stäkkt voll List

fast noch mehr alß ein Chimist.

Ich gläub sie hat waß hindtrem Ohr

für solche Thiergens sih dich vor!

Die mich so zährtlig küsste

alß wärs ümb sie geschehn

letzt hab ich ihre Brüste

in Megalanders Hand gesehn!

Lüderlich lüderlich

lüderlich sind alle Weiber!

Nechst als Stax zu Chloen schlich

küssten sie drei Ocksen-Dreiber!

Mein Gott da bocht ja der Bapa!

Klorinde bebt für Schrekken.

Man muß sich waß schon offt geschah

im Kleider-Schranck verstekken.

Man weiß er macht nicht erst Fikk-Fakk

sein Hündgen hört man krazzen

und zählt noch schnell in seinem Sakk

die Dodten-Gräber-Bazzen!

Sälbst Rohsen hören auff zu räuchen

wenn frembde Kefer sie bekräuchen;

bey Stambols halbem Mohnd –

wir sind daß nicht gewohnt!

Margaris hat drey Amanten

drey ist keine grade Zahl

drümb for solche Leib-Drabanten

wär ein vierter kein Skandal.

Keine küsst so fäst wie sie

Grübgens zihren ihr die Knie

über ihre hindtre Sachen

siht man gleich-falls solche lachen.

Nein ich hätte nichts dargägen

ab und zu halt ichs for Pflicht

daß mahl ohnversehns mein Dägen

einem durch die Därmer sticht!

Dafnis Dafnis du Filou!

Drinckt ihm einen Rund-Drunck zu!

Seine angebohrne Gaben

lässt er auch noch Andre laben!

Sic vivamus ihr und ich

Brüder wir sind lüderlich!

Ich würd sonst würcklich nicht so lärmen

auff den gedrehten Zihgen-Därmen!

Dihß Bresend von meinen Musen

hab ich nie noch nicht entweiht:

ächzt ich wo an einem Busen

ächtzt ich nie auß Draurigkeit!

Serenaten for Kastraten

sind ihm ümmer noch mißrahten!

Noch in Charons schwartzem Kahn

pfeifft er nach dem Venus-Schwahn!

Zerschlizzte Sylvia

mein Gott waß hastu da?

Daß hat dich manche Nacht

wohl schon vergnügt gemacht?

Hüll nicht in Boy und Flohr

dihß süsse Rohsen-Dhor!

Dort lacht for jeden Mann

das schönste Canaan!

Schon manche worff sich ihm ins Graß

auß lautter Hage-Steltzen Haß!

Schon manche lihß von ihm verstohlen

sich ihren Tudel-Sakk besohlen!

Bün ich gleich auch nie zu faul

knakkt fast stäts die Diele:

for dihß eine eintzge Maul

gihbt es fast zu vihle!

Befeuchtet die gelährte Lunge

und singt seys sälbst bey schwerer Zunge:

Alle ob das Hertz auch bricht

alle lihben kan man nicht!

Ists nicht Fillis ists Klorinde

danckbar sind wir jedem Kinde

wenn ihr kleines Feigen-Blatt

blohß mit uns Erbarmniß hat!

Alle Augen! Alle Guscheln!

Alle nichts alß Purpur-Muscheln!

Alle rund-gewölbte Hüfften

die Jeßmin und Rohsen düfften!

Früher oder später

werden wir mahl Väter!

Pakkt die Krüge ümb die Henckel:

Auff das Wohl-seyn unsrer Enckel!

Auff das Wohl-seyn aller Waden

die mit Milch und Schnee beladen!

Vihl zu schön sind solche Engel

for die tumme Kauffmanns-Bengel!

Einst ich weiß daß dihß geschicht

rafft mich Clotho auß dem Licht;

einst so ist es mir bekant

däkkt mich mahl der schwartze Sand;

einst so lig ich hin-gesträkkt

biß mich die Posaune wäkkt!

Keiner Brüste Kugel-Rund

wird mich dan mehr laben

Cerberus der Hellen-Hund

beisst mich in die Waben!

Dan erst wird so rächt mir klahr

waß ich for ein Scheu-Saal war!

Itzt so lebstu höchst vergnügt;

drinckt weil sich noch alles fügt!

Alle Scheiben splittern eyn

wenn wir Licht weg Licht weg schreyn!

In hundret Jahren sind wir taub.

Waß blihb von uns dan? Nicht mahl Staub!

Saufft und singt in die Diorben:

Sälbst die Götter sind gestorben!

Biß Aurora wihder lacht

sizzen wir die gantze Nacht!

Nichts reisst unsern Fürsazz eyn

lasst uns drümb ein Drinck-Lied schreyn!

Bachus wer sich dir verpflicht .....