Er spührt ihn kommen

By Arno Holz

Written 1883-01-01 - 1883-01-01

Frühling dein Gold-Gezelt

brach durch die Gassen!

Alles waß Othem helt

kan sich kaum fassen!

Venus alß Schäffrin worff

die süsse Glihder

draussen gantz fern vom Dorff

in Bluhmen nihder.

Gräsgens und Bürcken stehn

bundt durch-einander

heymlig und ohngesehn

naht sich Glückander.

Nachlässig hin-gesträkkt

siht er sie lihgen;

ihr Hund die Zunge bläkkt

kaum käun die Zihgen.

Seinen Arm schlingt er kühn

ihr ümb die Hüfften –

wie ihr die Bakken glühn

die Veilgens düfften!

Ey ey waß dhustu mir?

Nicht doch so derbe!

Waß ist denn daß for Thier?

Ich schrey ich sterbe!

Endlich so ligt ihm da

lachend und offen

waß sonst sein Traum blohß sah

gantz ohnverhoffen.

Truncken für Wollust schreyt

das Lufft-Gefihder

Saturnens göldne Zeit

kam durchauß wihder!

Vor war ich sälbst so froh

die Qwällen sprangen

itzt schon so kombt auff mein Stroh

der Dodt gegangen!

Ich bün so gantz entzwey

der Lentz lacht Jungen –

Welt deine Melodey

ist mir verklungen!