Er tröstet sich selbst in seinem Unglücke.

By Johann Georg Gressel

Ein Hertz daß sich mit Sorgen plagt

Verzehrt sich selbst vor Zeiten

Wer täglich über Unglück klagt

Wird sich das Grab bereiten:

Es kan doch nichts beständig seyn

Auf Regen folget Sonnenschein.

Die Zeiten sind veränderlich

Es wechseln Tag und Stunden

Es hat nach Blitz und Donner sich

Die Stille eingefunden

Die Nacht kan nicht so finster seyn

Der Tag bricht wiederum herein.

Hält gleich das angenehme Licht

Des Glückes sich verborgen

So glaub ich gläntzt es heute nicht

Daß es doch scheinet morgen

Es kommt bey mir auch wol der Tag

Daß ich mich glücklich nennen mag.

Ein Schiff daß in der Wassers-Fluth

Mit ’Wind und Wellen streitet

Verlieret nicht so fort den Muth

Weil es die Hoffnung leitet

Es werde bald den Sturm entgehn

Und sich im sichern Hafen sehn.

Liegt gleich mein Schiff vor Ancker noch

Und hat

So ist bey mir die Hoffnung doch

Daß ich noch endlich finde

Den Haven der mir ist beschert

Und den mein Wünschen längst begehrt.

Wer weiß wo noch mein Glücke soll

In voller Blühte stehen

Und scheinet es heute noch so toll

Kans morgen doch geschehen

Daß ich durch einen guten Weg

Erlange den gewünschten Zweck.

Das Glücke ist den Rädern gleich

Das Unterste kommt oben

Der heute arm ist morgen reich

Und hört sich herrlich loben

Wie mancher ist im Augenblick

Gelangt zu einen grossen Glück.

Lacht gleich das Glücke ander an

Ich will es ihnen gönnen

Weil auch der Tag erscheinen kan

Daran ich werd’ erkennen

Daß Hoffnung doch den Preiß behält

Bey allen Unglück in der Welt.

Drum mein Gemüth ermuntre dich

Und laß die Sorgen fahren

Es geht das Glücke wunderlich

Man hat es nicht beym Haaren

Laß sorgen wer da sorgen will

Ich hoff’ und warte in der Still.