Er verdingt sich dem Apollini

By Arno Holz

Written 1883-01-01 - 1883-01-01

Däglich grimmer bläst der Ost

Glaß-Eyß glüzzt und Zukker-Frost

die Kindgens schon drompeten

auff kleinen Zinn-Corneten.

Lebküchene Soldaten

verguldete Mußkaten

bezihren bald die Tänngens

darzu Dukahten-Männgens.

Man zeigt sich kaum noch wo püblik

und macht im Kehficht Wald-music!

Wie lange wird es tauren

dan dräut der Himmel nicht mehr grieß

dan buzzt für unsren Mauren

Neptunus seinen Gabel-Spieß.

Dan kombt fast über Nacht

Frau Flora an und lacht

und bringt in ihrem Mihder

den gantzen Frühling wihder!

Zahrt an eines Bächleins Rand

wird sich dan wer bükken

und mit seiner weissen Hand

Schlüssel-Blöhmckens pflükken.

Jedes kleine Grillgen geigt

waß mir dan ihr Mund verschweigt;

Zefirus der Aura Mann

lacht so laut er lachen kan!

Ist der Frühling dan verronnen

singt der Sommer daß es schallt

lihblich rauschen kleine Bronnen

durch den grünen Schäffer-Wald.

Kloris steht biß an die Waden

zwischen Moon und Akker-Rhaden

heymlig ziht mich in den Klee

die erhizzte Dorile!

Dan färbt der Herbst den Bäumgens

Violen-blau die Pfläumgens

das letzte Schwalben-Pärgen fliht

Vertumnus singt sein Wintzer-Lied.

Michel Seppel Veit und Hannß

springen ümb den Erndte-Krantz

und säzzen über alle Kost

Lyäens süssen Trauben-Most!

Zurlezzt kombt gantz darhindter

wihderümb der Winter

und füllt uns durchauß biß ins Bett

voll Ambrosin und Nectar-Fett!

Man juhchtzt drutz Eyß und Schnee

O Evan evoe

und singt sich ümmer wihder froh

auff seinem Clavichordio!

In Summa: Welt ist Welt

sie dreht sich stäts vom Neuen;

mit jädem waß sie stellt

will sie uns blohß erfreuen.

Drümb scheint mir auch so durchauß Brey

Minervens nichts wie Schmiererey

sambt allem waß nach Griechisch räucht

oder auff Lateinisch kräucht!

An so alten Fleder-Wischen

kan kein Mäntsch sich mehr erfrischen

weilen ihre böse Würtzen

blohß den Lebens-Draht verkürtzen.

Nur Eins hebt mich biß in den Himmel:

Apoll auff seinem Flügel-Schimmel!

Dihsem halt ich seine Schrifft

nicht for wohl-kandirtes Gifft.

Offt schon sann ich manche Nacht

waß mich so verlihbt ihm macht.

Alles ist for mir wie hin

wenn ich mit ihm zwistig bin!

Nie so gäb ich seine Leyer

sälbst ümb Cynthiens Busen-Schleier

rönn mir gleich durch Mercks und Bluht

noch so süsse Liebes-Wuht!

Flakkus alter Tibur-Singer

dein fast Wollust-voller Finger

schlug sie für mir dan Ovid

eh sie Titan MIR beschied!

Ihre Säyten werd ich rupffen

biß an mir die Würmer zupffen

biß auff mir der Rabe hokkt

und sein frölig cras cras krokkt!

So verfliessen meine Dage

zwar vergnügt doch eylends hin

biß ich einst im Sarkofage

sonder Klage

nichts wie Staub und Asche bin.