Er verlöffelt sich in seine Kammer-Magd

By Arno Holz

Written 1883-01-01 - 1883-01-01

Augen ihr verbuhlte Sonnen

zwingt noch immer euer Glantz

mit durchauß ambrirten Wonnen

mich in seinen Zirckel-Dantz?

Zwischen Büchern und Bostillen

saß ich da und fing mir Grillen

nein waß war ich meiner Seel

blohß for graues Mühl-Kameel!

Stell ich mir ihr holdes Wesen

auch nur in Gedancken für

gleich mit ihrem Fehder-Besen

steht sie dan in meiner Thür.

Meine höfflich-zahrte Sitten

machen mich bey ihr gelitten

gleich so schleusst sie mir darauff

ihren Anmuhts-Garten auff!

Warümb schnäbeln sich die Tauben

warümb dritt der Hahn das Huhn

welches wie doch wohl zu glauben

sie gewiß ümbsonst nicht dhun?

Bün ich gleich ein Klos auß Erden

möcht ich dennoch selig werden

ach noch biß in meinem Traum

räucht sie wie ein Weyhrauch-Baum!

Nein du kanst mich nicht mehr lokken

nein du dhust mir nicht mehr weh

Pallas mit dem blauen Sokken

Pallas mit dem grossen Zeh!

Venus hält mit ihren warmen

wonnigen Narzissen-Armen

mich so Zokker-süß ümbstrikkt

daß mir kaum das Hertz noch tikkt!