Er wünschet zu heyrathen. S. D.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Soll denn mein junges leben,

Da alles liebt und freyt,

Alleine sich ergeben

Der langen einsamkeit?

Bleibt denn die freud und lust

Der schleyer-weissen brust,

Nach der wir alle streben,

Mir ewig unbewust?

Die würme, die nur schleichen,

Die schnellen fisch im meer,

Das wild in den gesträuchen,

Der vogel leichtes heer,

Und was sich in der welt

Durch lufft und fluth erhält,

Kriegt iedes seines gleichen,

So bald es ihm gefällt.

Nur ich muß nicht geniessen

Worauf diß leben geht,

Das glück will mir verschliessen,

Was andern offen steht;

Der frühling meiner zier

Ist ferne schon von hier,

Gleich wie die bäche flüssen,

So eilt mein herbst zu mir.

Ich aber muß noch bleiben

So, wie ich vormals war,

Soll nimmer mich beweiben,

Mit keiner seyn ein paar;

Das süsse wangen roth

Soll nimmer mir die noth

Der einsamkeit vertreiben,

Solch leben ist ein tod.

Du königin, Dione!

Von der es einig rührt,

Daß meiner zeiten crone

Mir keine lust gebiehrt;

Ist diß der liebe danck,

Die ich mein lebenlang

Von dir und deinem sohne

In meine laute sang?

Es hat mich nie gefangen,

Was mir verbothen ist,

Bin nie dem nachgegangen,

Was leib und seele büst;

Will keine wilde brunst:

Nur eines menschen gunst

In ehren zu erlangen,

Versuch ich alle kunst.

Soll ich mir denn erst rathen,

Wenn schon mein winter schneyt,

Was thu ich dann vor thaten

Jm süßen liebes-streit?

Wer jung ist, liebt den krieg,

Ein alter bleibt zurück,

Denn solcher art soldaten

Erhalten schlechten sieg.

Nein, itzund will ich haben

Was auf mein leiden dient,

Weil noch die füße traben

Und noch mein alter grünt;

Komm, Venus! schleuß mich ein,

Der liebsten, die ich meyn,

Ich will von deinen gaben

Recht satt und truncken seyn.