Er zürnet daß er Brunetten geliebet.

By Johann Georg Gressel

Ich bin ein rechter Narro

Mir fehlet eine Sparre

Weil ich verliebet bin.

Den Haasen laß ich streichen

Und die Vernunfft entweichen

O ungerahtner Sinn!

Die Leute werden lachen

Wenn sie die läpschen Sachen

Jm vorgem Liede sehn.

Mich wunderts wie ich können

In dieses Bild entbrennen

Und ihr zu Dienste stehn?

Geh Thörin geh von hinnen

Es wollen meine Sinnen

Dir nicht mehr dienstbahr seyn.

Ich weiß mich wol zu retten

Aus deinen Liebes Ketten

Und kan mich bald befreyn.

Weil du nicht können schweigen

So hab ich wollen zeigen

Daß du zu mild bericht’t.

Die Fesseln sind zerrissen

Die mich sonst halten müssen

Mein Hertze liebt dich nicht.

Mein geh erst hin und lerne

Das deiner Augen-Sterne

Nicht so durchdringend sind

Als wie du wol vermeynest

Dem du annehmlich scheinest

Der ist aus Wahnwitz blind.

Vordem war ich bethöret

Daß ich ein Bild verehret

So keine Göttin ist

Weil nun mit meinem Lieben

Ich Ketzerey getrieben

So wird sie jetzt gebüßt.

Ich breche die Altare

Und was sonst heilig ware

In meinem Hertzen ab;

Weil mich die Freyheit grüsset

So sey sie auch geküsset

Bis in das dunckle Grab.