Erbauliche Betrachtung der Blumen und Pflanzen. Als S. T. Hr. P. E. mir eine Men...

By Barthold Heinrich Brockes

Unendliches, allgegenwärtigs Seyn,

Laß mich, nur bloß vor dir, die Knie beugen!

Laß mich, o Herr, zu dir allein,

Mit meiner Seelen Kräften, steigen!

Zu dir, durch dessen Wunder-Macht,

Der Himmel Heer entstand, die Welt hervorgebracht!

Der du der Pflanzen Reich so künstlich zugericht,

Daß sich der Fiebern Meng in solcher Ordnung flicht!

Durch dessen Weisheit wir, in Häuten und in Rinden,

Sie klüglich eingeschlossen finden!

Durch dessen weise Macht die Blumen, wenn sie blühn,

Mit solcher zierlichen Figur,

Sich lieblich bilden und formiren,

Und mit der Farben Schmuck nicht nur

Sich unbeschreiblich lieblich zieren;

Mit nicht zu zählenden Verändrungen sich schmücken,

Auf ungezählte Weis, uns unser Aug erquicken,

Und um auf tausend Art den Geist uns zu erfrischen,

So Farb als Zeichnungen in solcher Meng auch mischen,

Wie auch den Stiel und ihre Blätter ganz,

Noch über dem mit einem solchen Glanz,

Und Silber-Schimmer überziehn,

Daß kein Sineser-Lack an ihren Schmelz nicht reichet,

Kein Firniß ihrer Glätte gleichet.

Der du mit grünem Laub sie kleidest und sie schmückest,

Der du die dünne Luft in ihre Röhren drückest,

Mit Regen und mit Thau sie nährest und sie tränkest,

Und uns, in ihrem Bau, so Lust, als Nahrung, schenkest.

Durch dich empfangen sie die wunderbare Kraft,

Daß sie, was ihnen dient, den Saft,

Durch so geschlungner Röhren Klumpen,

Aus Elementen gleichsam pumpen,

Aus Wasser, Luft und Erde saugen.

Durch deine mächtige Befehle,

Erweckt des Frühlings Licht der Luft und Erden Seele,

Die starren Säfte, daß sie gähren,

Und alles, was die Erde ziert,

Und uns so Nutz als Lust gebiert,

Laub, Blumen, Kraut und Früchte nähren.

Es rühmt denn mein erquickt Gemüthe,

In der beblühmten Erden Pracht,

Die Weisheit und die Wundermacht,

Sammt deiner väterlichen Güte,

Herr! der du sie hervorgebracht.