Erblaste Corallen Jungf. E. R. von B. den 19. Febr. 1679.
Ach höchstbetrübtste Frau wer kan ihr Leyd ermessen?
Und die Empsindlichkeit der Schmertzen stellen für?
Es sey daß Niobe als wie ein Fels gesessen
Wie sie beraubet war der Söhn’ und Töchter Zier.
So glaub ich daß ihr Hertz hat bessern Fug zu klagen
Je weit gerechter noch der Thränen Ursprung ist.
Ich seh’ ein gantzes Meer des Jammers auf sie schlagen
Und Freund und Zusprach giebt hier nicht den Seufftzern Frist.
Nach zweyer Kinder Tod der unaufhörlich kräncket
Und Wunden hat gemacht die nicht die Zeit geheilt
Sieht sie zum letzten noch die Tochter eingesencket
Mit welcher sie ihr Hertz und Seele hat getheilt.
Kein schmertzlicher Verlust ist auf der Welt zu finden
Kein grösser Seelen Rieß kan Sterblichen geschehn!
Pflegt sonsten umb das Hauß wenn eines will verschwinden
Der Nord der Traurigkeit der Seufftzer Wind zu wehn
Wie soll denn alles Leyd hier nicht zusammen rauschen?
Nun sie den Angel-Stern der Hoffnung sieht vergehn.
Nun sie den hellen Tag muß mit der Nacht vertauschen
Und schaut ihr liebstes Kind itzt auf der Bahre stehn?
Die Tochter so mit Recht die Krone der Jungfrauen
Die Perle keuscher Zucht das Bild der Frömmigkeit
Wo Tugend und Verstand sich wesendlich ließ schauen
Bey der die Gratien ihn’n einen Sitz bereit.
Nun sie den letzten Schatz des Lebens muß vermissen
Den Trost der Einsamkeit sehn von der Seite fliehn:
So glaub ich daß ihr Hertz in Stücke wird zerrissen
Daß sie das Sterbe-Kleid muß wie ihr Kind anziehn.
Allein
Bey ihrem Angst-Geschrey was braucht man da vor Rath?
Wer weiß nicht wenn so tieff verwundte Hertzen bluten
Daß Redner und Poet da kein Gehöre hat?
Doch kan noch eintzig Trost in ihre Seele fallen
Und ihr bethränt Gesicht erblicken diese Schrifft:
So hab ich unterm Bild
Der liebsten Tochter Ruhm ein Denckmal hier gestifft.
Ich will das Alterthum der Fabeln nicht berühren
Wie der Medusen Haupt das voller Schlangen hieng
Das Perfeus abgehaun und mit sich pflag zu führen
Eh’ er Andromeden zu einer Braut empfieng
Hat an des Meeres Strand auf weiches Graß geleget
Durch seiner Tropffen Blut gezeuget den Corall;
Daß in Neptunus Schos er weiche Zincken träget
Und aus der See gerückt ist hart wie ein Metall.
Ich will auch nicht die Aertzt umb dessen Zeugung fragen
Ob fettes Hartz ob Saltz ob Schwefel ihn gewehrt.
Es sey daß Indien und Persien ihn tragen
Daß ihn Sardinien und Franckreich auch ernährt.
So wächst er in dem Meer der Schoß gesaltzner Thränen.
Ach fangen wir nicht auch so unser Leben an!
Muß nicht den ersten Weg der Zähren Saltz uns bähnen?
Die liefert ja der Mensch eh er noch reden kan,
Und wie ein weich Corall sind unsre weiche Glieder
Bestürmt von so viel Noth als der Corall von Fluth.
Wie den der Winde Grimm im Meer treibt hin und wieder
So werden wir geschippt von eignem Fleisch und Blut.
Ist endlich der Corall aus Thetis Schoß gezogen
So legt ihm die Natur erst ihren Purpur an.
Wenn er die Härtigkeit hat von der Lufft gesogen
Und sein beastet Roth’den Augen zeigen kan:
Denn ist sein edler Stein der Menschen Wolgefallen
Der mit viel Würckungen vor andern ist begabt.
Ach gliech
So erst aus ihrer Schoß des Lebens Licht gehabt?
Die durch des Heilands Blut dem Sünden-Meer entnommen
In wahrer GOttes-Furcht und Tugend ausgeübt?
So einen edlen
Die nicht dem Purpur nach noch den Corallen giebt.
Sie hat mehr als Corall der Mutter Hertz gestärcket
Mit ihrer Liebligkeit der Menschen Aug erfreut.
Zum ersten GOttes Wort andächtig auffgemercket
Und ihren Schmuck geschätzt Zucht und Bescheidenheit.
Es zieh’der Künstler Feur Saltz Oele von Corallen
Und löse derer Geist durch viel Verändrung auff
Es bring’ uns ihre Blum Schmaltz Syrup und Crystallen
Zu hemmen durch die Krafft deß grimmen Todes Lauff.
Ach die
Sie wuste daß der Glantz der Jugend flüchtig sey:
Daß wenn die Schönheit gleich mit Tugend sich verbunden
Und aus den Gliedern lacht ein Blumenreicher May
Daß auch die Liebligkeit die Sitten und
So Jungfern aufder Welt zu holden Engeln macht
Wie der geprießne Leib in Staub verkehret werden
Und all Ergetzligkeit sinckt in deß Grabes Nacht.
Es mag sonst der Corall Traum und Gespenst verjagen
Sie jagte von sich weg der schnöden Sünden Schwarm!
Und wie man vor den Fall Corallen pflegt zu tragen
So trug sie vor den Tod den Heiland aufdem Arm.
Ist die Corall-Essentz ein Artzney aller Schmertzen
So war auch dieser nur ihr eintzig Heil und Ruh’
Den führte sie im Mund den ehrte sie im Hertzen
Biß daß ein sanffter Tod ihr schloß die Augen zu.
Ist nun
Erblast doch der Corall offt an deß Halses Schnee:
Ist ihre Augen-Lust und Trost von ihr gewichen
Sie dencke wem sie doch als Braut zur Seiten steh.
Es mag das Jungfern-Volck sich schmücken mit Corallen
Und an der rothen Zier und Kugeln tragen Lust;
In einem grössern Schmuck und besserm Wolgefallen
Ruht unsre