Erinnerung der Sterblichkeit.
Ich weiß daß Erd und Staub in meinem Leib verhüllt
Ich weiß auch daß mein Leib die Erde wiederfüllt
Denn was gebrechlich ist muß mit der Zeit zerfallen.
Ein Hauß kan nicht bestehn wenn Grund und Pfeiler
Wie soll der Glieder-Bau denn ewig können seyn
Da jeden Augenblick der Tod was reisset ein.
Wir werden nicht gewahr daß unsre Tage schwinden
Biß daß wir Schnee und Eiß auf Haar und Scheitel finden.
Die freche Jugend denckt der letzten Stunde nicht
Biß daß ihr scheinbar Glaß ein einzig Stoß zerbricht.
Nein jeder Tritt und Schritt der führt mich zu dem Grabe
An dem ich meine Lust und höchst’ Ergetzung habe.
Ich sehe da den Port nach so viel Sturm und Wind
Und weiß daß sich kein Blitz mehr über mich entzündt.
O Grab gewünschtes Hauß und süsse Ruhe-Kammer
Ach nimm mich nur zu dir verschleuß doch meinen Jammer
In deiner Höle Nacht O lieblichstes Gemach
O schönster Auffenthalt und Frieden-reiches Dach
Wie hertzlich sehn ich mich die abgematten Knochen
Den ausgezehrten Leib des bangen Hertzens Pochen
Und endlich Fleisch und Blut der Seelen altes Kleid
Dir liefern zum Geschenck und Pfand der Sterblichkeit.
Ein ander wird gantz blaß wenn er dich höret nennen
Ich aber muß fürwahr in heilger Andacht brennen
Wenn ich mein Wohnhauß seh in dem werde ruhn
Da mir die arge Welt vermag kein Leyd zu thun.
Gottlose Hertzen sehn nur deine Finsternüsse
Da ich des Lebens-Sonn in diesen Schatten grüsse
Die finster-schwartze Grufft weist mir der Klarheit Schein
Indem ich meinem GOtt recht ähnlich werde seyn.
Die dürren Todten-Bein und Schaalen von dem Hirne
Sind mir in meinem Aug’ ein funcklendes Gestirne.
Den tieffen Gruben die mit Schimmel sind behängt
Wird doch der Engel-Glantz für solchen Wust geschenckt.
Der morsche Rücken-Grad der spröden Rippen Prasseln
Der ungeheure Stanck zerbrochner Särcke Rasseln
Und was ein feiger Mensch für häßlich hält und schätzt
Hat mich so offt ich dran gedencke sehr ergetz’t.
Zumahl wenn sich die Seel’ ermuntert hochgestiegen
Und alles was die Welt groß achtet lassen ligen
Sich ihrem Himmel zu von dem sie kommt gelenckt
Verwundernd ausgelacht was sie zuvor gekränckt.
Die unablässig Angst in der ein Mensch muß schmachten
Die Feinde so uns stets zu Fall zu bringen trachten
Das Siechhauß vor den Leib an dem kein Glied sich regt
Das nicht zugleich den Tod in seinen Adern trägt.
Diß hat des Himmels Braut die Seele überschritten
Geneust so viel der Lust als viel sie Qual gelitten
Wird mit der Gnaden-Quell der Ewigkeit getränckt
Da ihr zuvor die Welt nur Myrrhen eingeschenckt.
Wie ein Gefangner zehlt die Tage die er sitzet
Den Kercker-Meister haßt der ihn mit Stahl umbschützet
Hergegen Stund auf Stund nach seiner Freyheit tracht;
So glaubet daß es auch die Seel nicht anders macht.
Sie möcht im Eiter-Wust des Leibes schier ersauffen
In diesem Marter-Hauß kommt alle Noth zu hauffen.
Die Bande sind zu schwehr mit denen sie bestrickt
Die Last ist übergroß die sie Verschloßne drückt.
Und soll sie drunter nicht in Wust und Koth verderben
So wünscht sie auffgelößt zu seyn durch zeitlich Sterben.