Erinnerungen.

By Gotthard Ludwig Kosegarten

Komm, Schwester meines Herzens,

Lass von des

Uns staunend in die Ferne,

Ins Ungemessne sehn.

Sieh wie im Abendschimmer,

Von dunkler Fluth umkränzt,

Dein mütterliches Eyland

Uns hold entgegen glänzt.

Sieh, sieh im Kranz der Berge

Die Stadt, die dich gebar;

Dich, Schwester, und das Mädchen

Mit goldbestäubtem Haar.

Am donnernden Visurgis

Wallt, die ich meine, nun;

Und Friede soll und Tröstung

Auf ihrer Scheitel ruhn.

Wo rauscht ihr, heil'ge Hayne,

Wo ich im Mondenblitz

Und Sterngedämmer schwärmte,

Ihr Hayne

Mir hat in euren Schatten

Urania sich verklärt,

Hat mir in ernsten Nächten

Manch hohes Lied gelehrt.

Sieh, sieh im fernen Süden

Die Berge

In jener Berge Schründen,

In jener Waldnacht Graun,

Im Rund der Hünenmale,

Wo Hirsch und Hindinn gras't,

Hab' ich im Stolz der Jugend

Der Monden viel verras't

Wo glänzen deine Wellen,

Friedsel'ger

An dessen Kalmusufern

Ich sinnend wandelte,

Wo ich der

Und

Und lauschend ihren Tönen

Von allem Harm genass.

Wo säuseln deine Pappeln,

Kleeduftend

In dessen Thymiangründen,

Der Einfalt stillem Sitz,

Ein blödes Mägdlein sprosste,

Das schüchtern mich umschlang,

Und liebend mir verschönert

Den rauhen Lebensgang.

Sieh dort, am Saum des Osten,

Umschürzt vom Ozean

Hebt

Titanisch mondhinan.

Wohl seyd ihr,

Hoch Seelow's Wolkenheerd,

Gewalt'ge

Wohl unsers Preises werth.

Doch werther noch des Preises

Ist euer Schwesterland,

Wo nach verklungnen Stürmen

Ich süssen Frieden fand.

Hast du nicht, stilles

Des Schwärmers Geist gezähmt,

Und seine Kraft gezügelt,

Und seinen Trotz gelähmt?

Sey mir gegrüsst im Liede,

Vertraulich Uferland!

Geheime Kräfte walten

An deinem öden Strand.

In deinen Uferschründen

Wohnt namenlose Ruh,

Und Stein und Staud' und Welle

Spricht mir vertraulich zu.

Dort wo umschäumt

Die Brust den Wogen beut,

Schaut glanzberauscht das Auge

In die Unendlichkeit.

Erhabnes Ahnen schwellet

Des ernsten Schauers Brust,

Und Hohngelächter däucht uns

Der Erde Schmerz und Lust.

Dort, wo am flachern Strande

Die Welle leiser grollt,

Wallt, Schwester, unsre Traute,

Umglänzt von Hespers Gold.

Schürzt, Zephyrs, eure Hüften,

Bringt ihr Mariens Kuss.

Rollt rascher, rege Wellen,

Rauscht ihr des Dichters Gruss.

Dort wo aus Espenwipfeln

Begeistrung niederbraust,

Wo güldne Träume gaukeln,

Und süsse Schwermuth haust;

Dort üb' ich schöne Pflichten,

Und pfleg' erhabner Ruh;

Dort schleusst mir einst die Wimper

Der Horen schönste zu.

Auch schläft im Ring der Weiden

Schon ein holdselig Paar.

Es schläft mein süsses Mägdlein

Mit Augen sternenklar.

Es schläft zu

Mein freundlicher

Schlaft, Lieblinge. — Bald säuselt

Auch uns die Palm' am Ziel!

Auf Schwester meines Geistes!

Die Sonne sank ins Meer.

Schwer wälzt der Sturm und grollend

Die düstre Fluth daher.

Verwehte Wolken trüben

Des Himmels Lasurblau,

Und Inseln und Gewässer

Umflort ein neblicht Grau — — —

O Insel meiner Liebe,

O Heimath meiner Ruh,

O Amme meines Geistes,

Gedeih' und grüne du,

Bis du am Tag der Tage

Wie Gold im Ofen glühst,

Und einst, ein schön'res Eden,

Aus Schlack und Asch' erblühst.