Erlangte Freyheit der Seelen Hn. J. C. R. den 28. Junii 1669.

By Heinrich Mühlpfort

Der Mensch der irrdisch ist und Erde Mutter heisset

Der die Verwesung selbst zu einem Vater hat

Die Würmer Schwestern nennt und nur von aussen

Ist nur ein Spiel der Zeit und des Gelückes Rad;

Muß weil er Athem zeucht in strenger Knechtschafft leben

Und seine Dienstbarkeit fängt bey der Wiegen an;

Die Windeln so zu erst ein zartes Kind umgeben

Sind Zeugen daß die Zeit ihn stärcker fesseln kan.

Und freilich ist der Leib ein Angst-Gemach der Seele

Ein Block-Haus das an Qual und grausen Martern reich

Ein arge Folter-Banck und schreckens-volle Höle

Wo Kranckheit Kummer Weh vollführen Streich auff

Der Gottheit Ebenbild des Schöpffers Meister-Stücke

Die Seele kan hier nicht in reiner Freyheit seyn.

Theils flicht der erste Fluch theils Fleisch und Blut die Stricke

Die ihre Reinligkeit in Netze hüllen ein.

Welch einen harten Sturm erwecken die Begierden?

Und ob sie gleich behertzt die Wellen niederschlägt

So kommen anderwerts hervor vermummte Zierden

Von denen sie gewiß mit Banden wird belegt.

Die edle Kämpfferin ob sie sich gleich entbrechen

Und zu der Sternen-Höh geflügelt heben wil

So wird der Leibes Last ihr so die Schwingen schwächen

Daß sie aus Müdigkeit verlihrt das rechte Ziel.

Der Glieder Bley-Gewicht das drückt ihn zu der Erden

Der angehengte Stein des Fleisches ist zu schwer.

Rom schweige doch nur still von seinen Marter-Pferden

Und brächt’ es Pfahl und Rad und Pech und Fackeln her!

Des Höchsten Feuer-Zorn ob den begangnen Sünden

So unsre Kräffte frist und gleich den Scherben macht

Die innern Seelen Riß’ und was wir mehr empfinden

Wenn der geklemmte Geist in seinem Kercker schmacht

Die übertreffen auch der Hencker Schläg’ und Striemen!

Ach! unsre Seel’ ist mehr gefangen als man denckt;

Mit seinem Labyrint mag sich der

Der Tausend hat verführt und mit dem Tod’ umschrenckt.

Was mehr?

Dem unterirrdschen Haus erfüllt von Leich und Stanck

Und von der

In welche niemand nicht als der verdammte sanck

Wem ist das

Des

Der Abgrund zu Athen so frembd und ungemeine?

Noch dennoch gleicht hier nichts der Seelen Trauer-Saal.

Und wer vermag die Art der Martern zu beschreiben?

Wenn Hiob halb entseelt kaum seinen Speichel schlingt

Wenn David nicht mehr wil in diesem Kercker bleiben

Und

Die Schmertzen-Züge sind unmöglich zu erzehlen!

Jtzt krönt’ uns das Gelück zu einem höhern Fall

Jtzt wil ein Ehren-Dieb uns Nam und Leymund stehlen

Jtzt gibt ein Heuchler uns im Zucker Gifft und Gall.

Viel hat ihr Ampt gefällt viel ihre Schätz’ und Gütter

Viel unverdienter Haß in die Verfolgung bracht.

Viel so sonst hoch im Bret des Hofes Ungewitter

Zu einem Gauckelspiel des Fürsten Gunst gemacht!

Und was noch schrecklicher stürmt nicht ein jede Stunde

Ein jeder Angenblick auff unser Leben zu?

Reist eine Kranckheit nicht uns alsobald zu Grunde

So läst die folgende doch nicht der ersten Ruh.

Weil nun die Edle Seel’ in solchem Zwang gefangen

Und in dem Jrregang der trüben Zeiten irrt

Was wunder daß sie trägt ein brennendes Verlangen

Und nach der Freyheit Kron gleich Turteltauben girrt?

In solcher reinen Brunst den Höchsten anzuschauen

Der strengen Dienstbarkeit der Fessel zu entgehn

Und das gelobte Land für Ebal anzubauen

Sah’ man

Der Kranckheit Tyranney ist glücklich überwunden

Gedult und Tapfferkeit trägt hier die Sieges-Fahn

Die Ketten sind zerknickt so ihn zuvor gebunden

Die Fessel abgestreifft die Stricke weggethan.

Gewünschte Wechselung! der vor in Angst und Leiden

Elende Nächt’ erlitt’ und schwartze Tage sah

Trägt nun ein Sieges-Kleid von Silberweisser Seiden.

Trotz daß sich weiter mehr die Trübsal zu ihm nah’!

Weg ihr Cypressen weg die Pracht und Ehren-Palmen

So seine Seele dort hier sein Gedächtnüß trägt

Wird nicht der Zahn der Zeit noch blasser Neid zermalmen

Was Göttlich war das ist in GOttes Schoß gelegt.

Den wolgeplagten Leib verzehret zwar der Schimmel

Denn was vergänglich heist das soll und muß vergehn.

Der Geist bewohnet jetzt sein Vaterland den Himmel

Wo Engel neben ihm als Mitgeferten stehn.

Die Deutsche Redligkeit so Hertz und Sinnen zierte

Der gantze Lebens-Lauff in Tugenden geübt

Der wache Fleiß des Ampts und was ihm sonst gebührte

Beweisen daß er GOtt und Nechsten hat geliebt.

Betrübtste! last den Schmertz nicht Oberhand gewinnen

Man gönnt Gefangenen ja endlich freye Lufft

Herr Richter wird erfreut den Richtstuhl sehen können

So bald des Höchsten Stimm