Erlangte Ruhe Fr. E. S. v. P. g. v. J. den 25. Sept. 1667.

By Heinrich Mühlpfort

Jhr die ihr auff der See des Kummer-reichen Lebens

Mit vollen Segeln laufft und neue Hafen sucht

Die ihr der Hoffnungs Haupt umbschweiffet gantz verge-

Und den Genaden-Port verliehrt bey solcher Flucht

Was meint ihr? Woll’t ihr Ruh in dieser Unruh finden?

Da euer Fleisch und Blut stets neuen Auffstand macht

Da die Begierden sich als wie ein Feur entzünden

Und mancher Donnerschlag’ in dem Gemüt’ erkracht.

Elende Sterblichen! was eure Ruh zerstöret

Und mas meineydig offt des Geistes Frieden bricht;

Das sind die Regungen die man liebkosend’ höret

Ja die der Selbst-Betrug mit Biesam zugericht.

So bald nun der Geruch euch ins Gehirne steiget

Nimt die verborgne Gifft Vernunfft und Sinnen ein

Denn ists nicht wunderns werth daß ihr euch rasend zeiget

Von Aberwitz verkehrt verblendt durch falschen Schein.

Man überlege nur das Endziel unsrer Wercke

Der wenigste lebt so daß er ihm selber lebt.

Indessen fällt dahin der Jahre Kern und Stärcke

Indem der arme Mensch sich lebendig begräbt.

Wir wären wol geschickt auch Ruh’ allhier zu haben

Allein der spröde Geist der wil und mag nicht ruhn

Bald heist ihn Neid und Geitz bald Zorn und Hochmuth traben

Was nur die Reitzung schafft das muß er willig thun.

Denn zancken wir uns selbst in unsrem eignen Hertzen

Verdammen alle Rast und lieben steten Streit

Gedencken nicht einmal welch Gut wir uns verschertzen

Wie weit wir irre gehn vom Weg der Ewigkeit.

So ruht der innre Mensch. Ob schon des Glückes Sonne

Von aussen nichts als Gold umb seine Scheitel flicht

So quält ihn Angst und Furcht bey höchster Lust und Wonne

Wird arm durch Uberfluß und kennt sich selbsten nicht.

Zu dem wohnt schlechte Ruh in prächtigen Pallästen

Wer grosse Sorgen führt schläfft selten allzuwol.

Wie offt fällt heute der so gestern stund am festen

Und mancher wird gedrückteh’ als er steigen sol.

Noch thörichter sind die so bey der Wollustrasten

Und richten ihnen selbst ein Bett’ von Dornen zu

Sind Mörder ihrer Zeit die sie so sehr nicht hasten

Wenn ihr Gemüthe dächt’ auff ungekränckte Ruh.

Mit kurtzem was wir hier geniessen das betrübet

Auch Weise finden offt nicht bey der Weißheit Rath

Und der so vielen Trost und Unterrichtung gibet

Beklagt sich daß erselbst nicht die Vergnügung hat.

Armselige! wenn nu der Schauplatz dieser Erden

Wie sehr er auch mit Gold und Silber angefüllt

Zu einem steten Haus euch nimmermehr kan werden

Und Eckel und Verdruß aus euren Thaten quillt.

Was sehnt ihr euch denn nicht die Hütten zu verlassen

Die nichts als Leimen ist und voll Unsauberkeit?

Flieht ihr Jerusalems gewünschte Freuden-Gassen?

So sag’ ich daß ihr mehr als unvernünfftig seyd.

Die

Der auch die gantze Stadt getreue Thränen schenckt

Fand was die Welt ergetzt an dem nur mißbehagen

Jhr Andacht-volles Hertz war Himmelwerts gelenckt.

Und ob sie zwar die Pracht und irrd’sche Herrligkeiten

Durch Einfluß des Gelücks auffs mildigste besaß

So konte doch den Geist der Schimmer nie verleiten

Daß er die Seelen-Ruh zu wünschen je vergaß.

Der angeborne Muth aus dem berühmten Stamme

So der Jessynsker Ruhm den Cedern gräbet ein

Wies’ auch durch ihr Gemüth der Tugend helle Flamme

Daß Kinder guter Art gleich ihren Ahnen seyn.

Die Lehrer der Natur die melden von den Eschen

Wie keine Schlange sich zu derer Schatten macht.

Jhr reiner Wandel den die Zeit nicht wird verleschen

Nahm solches Waffenbild im Leben auch in acht.

Sie hat den Eschen gleich durch den Geruch der Sitten

So von den Tugenden zum besten ausgeschmückt

Den Lastern Weg und Steg großmüthig abgeschnitten

Und Frommigkeit ins Hertz zum Siegel eingedrückt.

Wer saget nicht es sey des Hauses Sonn’ entwichen

Da man des Liebsten Hertz halbieret mit begräbt?

Daß früh ach allzufrüh der Kinder Trost verblichen

Daß tieffe Traurigkeit sie jetzt mit Flor ümwebt.

Wie emsig sorgte sie für aller wolergehen

Wie wachsam war sie nicht zu dencken auff ihr Heil

Die unerschöpffte Müh der Wirtschafft fürzustehen

Verzehrt’ ihr manchen Tag und auch der Nächt’ ein Theil.

Wie reuig der Verlust wie schmertzlich dieses scheiden

Verknüpfften Hertzen sey bezeigt der Thränen-See:

Jedoch bedencken wir den Wechlel ihrer Freuden

Und wie sie hat vertauscht den Abgrund mit der Höh

So muß man sie beglückt und dreymahl selig schätzen

Der herrliche Gewinn geht über allen Werth.

Jhr’ Augen können sich an ihrem GOtt ergetzen;

Die Finster nüß ist hin und was sie vor beschwehrt.

Sie siht kein Unglück mehr sie weiß von keinem Schrecken

Jhr Antlitz sättiget sich an des Höchsten Bild.

Die Ohren wird hinfort kein’ arge Post auffwecken

Weil diese Stimm

Der Mund so offt geseufftzt; ob schwerer Zeiten Fälle

Bricht in ein jauchzen loß und preiset GOttes Macht;

Lobsagt ihm daß er ihn hat von der Todten Stelle

Ins Land der lebenden mit solchem Glantz gebracht.

Die Hände so zuvor von Arbeit stets bemühet

Die ruhn von Sünd und Creutz und aller Hand-Arbeit.

Die Füsse gehn nicht mehr durchs Thal da Jammer blühet

Von Fehl und straucheln sind sie sicher und befreyt.

Trotzt nun ihr Sterblichen auff eure Ruh im Leben

Da nichts als Unruh ist Quaal Marter Angst und Pein

Wer wie die Seelige nach jener Ruh wird streben

Dem kan hier zeitlich wol und dort auch ewig seyn.