Erlangte Ruhe Fr. E. S. v. P. g. v. J. den 25. Sept. 1667.
Jhr die ihr auff der See des Kummer-reichen Lebens
Mit vollen Segeln laufft und neue Hafen sucht
Die ihr der Hoffnungs Haupt umbschweiffet gantz verge-
Und den Genaden-Port verliehrt bey solcher Flucht
Was meint ihr? Woll’t ihr Ruh in dieser Unruh finden?
Da euer Fleisch und Blut stets neuen Auffstand macht
Da die Begierden sich als wie ein Feur entzünden
Und mancher Donnerschlag’ in dem Gemüt’ erkracht.
Elende Sterblichen! was eure Ruh zerstöret
Und mas meineydig offt des Geistes Frieden bricht;
Das sind die Regungen die man liebkosend’ höret
Ja die der Selbst-Betrug mit Biesam zugericht.
So bald nun der Geruch euch ins Gehirne steiget
Nimt die verborgne Gifft Vernunfft und Sinnen ein
Denn ists nicht wunderns werth daß ihr euch rasend zeiget
Von Aberwitz verkehrt verblendt durch falschen Schein.
Man überlege nur das Endziel unsrer Wercke
Der wenigste lebt so daß er ihm selber lebt.
Indessen fällt dahin der Jahre Kern und Stärcke
Indem der arme Mensch sich lebendig begräbt.
Wir wären wol geschickt auch Ruh’ allhier zu haben
Allein der spröde Geist der wil und mag nicht ruhn
Bald heist ihn Neid und Geitz bald Zorn und Hochmuth traben
Was nur die Reitzung schafft das muß er willig thun.
Denn zancken wir uns selbst in unsrem eignen Hertzen
Verdammen alle Rast und lieben steten Streit
Gedencken nicht einmal welch Gut wir uns verschertzen
Wie weit wir irre gehn vom Weg der Ewigkeit.
So ruht der innre Mensch. Ob schon des Glückes Sonne
Von aussen nichts als Gold umb seine Scheitel flicht
So quält ihn Angst und Furcht bey höchster Lust und Wonne
Wird arm durch Uberfluß und kennt sich selbsten nicht.
Zu dem wohnt schlechte Ruh in prächtigen Pallästen
Wer grosse Sorgen führt schläfft selten allzuwol.
Wie offt fällt heute der so gestern stund am festen
Und mancher wird gedrückteh’ als er steigen sol.
Noch thörichter sind die so bey der Wollustrasten
Und richten ihnen selbst ein Bett’ von Dornen zu
Sind Mörder ihrer Zeit die sie so sehr nicht hasten
Wenn ihr Gemüthe dächt’ auff ungekränckte Ruh.
Mit kurtzem was wir hier geniessen das betrübet
Auch Weise finden offt nicht bey der Weißheit Rath
Und der so vielen Trost und Unterrichtung gibet
Beklagt sich daß erselbst nicht die Vergnügung hat.
Armselige! wenn nu der Schauplatz dieser Erden
Wie sehr er auch mit Gold und Silber angefüllt
Zu einem steten Haus euch nimmermehr kan werden
Und Eckel und Verdruß aus euren Thaten quillt.
Was sehnt ihr euch denn nicht die Hütten zu verlassen
Die nichts als Leimen ist und voll Unsauberkeit?
Flieht ihr Jerusalems gewünschte Freuden-Gassen?
So sag’ ich daß ihr mehr als unvernünfftig seyd.
Die
Der auch die gantze Stadt getreue Thränen schenckt
Fand was die Welt ergetzt an dem nur mißbehagen
Jhr Andacht-volles Hertz war Himmelwerts gelenckt.
Und ob sie zwar die Pracht und irrd’sche Herrligkeiten
Durch Einfluß des Gelücks auffs mildigste besaß
So konte doch den Geist der Schimmer nie verleiten
Daß er die Seelen-Ruh zu wünschen je vergaß.
Der angeborne Muth aus dem berühmten Stamme
So der Jessynsker Ruhm den Cedern gräbet ein
Wies’ auch durch ihr Gemüth der Tugend helle Flamme
Daß Kinder guter Art gleich ihren Ahnen seyn.
Die Lehrer der Natur die melden von den Eschen
Wie keine Schlange sich zu derer Schatten macht.
Jhr reiner Wandel den die Zeit nicht wird verleschen
Nahm solches Waffenbild im Leben auch in acht.
Sie hat den Eschen gleich durch den Geruch der Sitten
So von den Tugenden zum besten ausgeschmückt
Den Lastern Weg und Steg großmüthig abgeschnitten
Und Frommigkeit ins Hertz zum Siegel eingedrückt.
Wer saget nicht es sey des Hauses Sonn’ entwichen
Da man des Liebsten Hertz halbieret mit begräbt?
Daß früh ach allzufrüh der Kinder Trost verblichen
Daß tieffe Traurigkeit sie jetzt mit Flor ümwebt.
Wie emsig sorgte sie für aller wolergehen
Wie wachsam war sie nicht zu dencken auff ihr Heil
Die unerschöpffte Müh der Wirtschafft fürzustehen
Verzehrt’ ihr manchen Tag und auch der Nächt’ ein Theil.
Wie reuig der Verlust wie schmertzlich dieses scheiden
Verknüpfften Hertzen sey bezeigt der Thränen-See:
Jedoch bedencken wir den Wechlel ihrer Freuden
Und wie sie hat vertauscht den Abgrund mit der Höh
So muß man sie beglückt und dreymahl selig schätzen
Der herrliche Gewinn geht über allen Werth.
Jhr’ Augen können sich an ihrem GOtt ergetzen;
Die Finster nüß ist hin und was sie vor beschwehrt.
Sie siht kein Unglück mehr sie weiß von keinem Schrecken
Jhr Antlitz sättiget sich an des Höchsten Bild.
Die Ohren wird hinfort kein’ arge Post auffwecken
Weil diese Stimm
Der Mund so offt geseufftzt; ob schwerer Zeiten Fälle
Bricht in ein jauchzen loß und preiset GOttes Macht;
Lobsagt ihm daß er ihn hat von der Todten Stelle
Ins Land der lebenden mit solchem Glantz gebracht.
Die Hände so zuvor von Arbeit stets bemühet
Die ruhn von Sünd und Creutz und aller Hand-Arbeit.
Die Füsse gehn nicht mehr durchs Thal da Jammer blühet
Von Fehl und straucheln sind sie sicher und befreyt.
Trotzt nun ihr Sterblichen auff eure Ruh im Leben
Da nichts als Unruh ist Quaal Marter Angst und Pein
Wer wie die Seelige nach jener Ruh wird streben
Dem kan hier zeitlich wol und dort auch ewig seyn.