Erlangte Ruhe in dem Vaterlande Hn. G. G. den 3. Martii 1678.

By Heinrich Mühlpfort

Wje wird die schwartze Post dein gantzes Hauß erschre- cken

Nun du o Seeliger gehst in der Frembde heim!

Und solte Thränen nicht dein Todes-Fall erwecken?

Nun sich in Wermuth kehrt der Hoffnung Honigseim.

Sie warten gantz umbsonst dich freudig zu empfangen

Die GOtt dir zugesellt und die dein Blut erzeugt:

Dieweil du bist den Weg zur langen Ruh gegangen

Du schreibst nicht mehr zurück und Mund und Feder

So sah Alcyone durch nächtliche Gesichte

(schweigt.

Ein Vorbild wie ihr Schatz im Schoß der See ertranck.

Wer zweiffelt daß der Mund von fliegendem Gerüchte

Bereit erzehlet hat wie du zu Breßlau kranck.

Wiewol es führt dich GOtt auff seinen Wunder-Wegen

Und was sein heilig Schluß bestimmt das muß geschehn.

Du solst im Vaterland dich sanfft zur Ruhe legen

Und dich wird Dantzig nicht mehr seinen Bürger sehn.

Die Reiß ist wol verbracht. Jetzt bist du heimgezogen

Vors erst in Schlesien denn nach dem Himmel zu

Da baut die Freyheit dir so einen Sieges-Bogen

Der deine Pilgramschafft deckt mit gewünschter Ruh.

Wir sind doch frembd allhier und Gäste dieser Erden

Beschiffen ein solch Meer das tausend Syrten hegt.

Und unser gantzer Lauff ist Kummer und Beschwerden

Biß daß man uns verblast hin zu drn meisten trägt.

Wie ist die grosse See nicht voller Tieff’ und Krümmen?

Wie lacht uns ihr Crystall in aller Sanfftmuth an?

Bald wird sie umb das Schiff mit linden Wellen schwimmen

Als wenn ohn Arg und List die Marmel-glatte Bahn.

In einem Augenblick wird drauff ihr Zorn sich heben

Daß sie den grauen Schaum biß an die Sterne schmeist

Die Winde nichts als Sturm die Lüffte Donner geben

Und das erschrockne Schiff mit Mast und Kiel zerreist.

Von grösserm Unbestand von mehr gesaltznen Wellen

Ist unser Lebens-See jetzt zeigt sie Ebb’ jetzt Fluth:

Wird gleich der Morgen sich in lichter Sonn’ erhellen

So weiß man daß sie doch vor Abends schaden thut.

Wir streiffen hin und her von Winden der Begierden

Versuchungen des Fleischs und Blutes angeführt;

Bald lockt die Wollust uns durch der Sirenen Zierden

Bald sieht man wie der Geitz auff die Charybden rührt.

Heist uns der Hochmuth denn die vollen Segel spannen

Wie schnelle stossen wir auff der Tyrrhener Schlund.

Und gehn wir allzu weit so wird uns übermannen

Der Hoffnung leichter Sand und stets betrüglich Grund.

Mehr wird ein guter Wind so schnell ein Schiff nicht führen

Als unsre Jahre stürtzt die unermeßne Zeit.

Ja unter Häuden wird das Leben sich verliehren

So köstlich es gewest so ist es Eitelkeit.

Und sag ich von der Ruh’? Kein Ungeheur der Wellen

Kein unbebauter Strand kein Caper schreckt uns so

Als die Vielfältigkeit von tausend Unglücks-Fällen

Wie selten wird der Mensch aus Grund des Hertzens froh!

Wie seufftzet er nicht da? HErr hilff uns wir verderben

Die Fluth ersäuffet uns die Tieffe schlingt uns ein!

Und kan auch eh der Mensch als durch ein selig sterben

Jm Hafen wahrer Ruh’ im Port der Freuden seyn?

Der Heyde wenn er war dem Schiffbruch noch entgangen

Hieng seinem Gott Neptun Gedächtnüß-Bilder auff

Hat eine Hand-voll Sand mit einem Kuß empfangen

Zum Zeichen daß nunmehr geendet Weg und Lauff.

Nein unser Seliger als er nach jenem Lande

Die Klippen dieser Welt glückselig überschifft

Rieff: Schutz-HErr meiner Seel ach gib daßlich nicht strande

Sey Stern wenn mich der Tod im finstern Thal antrifft.

Herr reiche deine Hand der Mastbaum sol mich leiten

Des Creutzes daß mich nicht der Sünden See verschlingt.

Steh’ nun ich sincken sol mir kräfftig an der Seiten

Sey Führer der gewünscht mich an den Hafen bringt!

Dein Wunsch ist satt erfüllt das Land das dich gebohren

Deckt nun Erblaster dich mit Erde wieder zu.

Du hast wie mich bedünckt gewonnen nicht verlohren

Da Breßlau dir zu letzt bereitet Raum und Ruh.

Wil wo ein stoltzer Geist dem Ursprung sich entziehen?

Und gönnt dem Vaterland auch nicht die dürren Bein?

Und wil aus Hass’ und Neid ein ander solches fliehen

Ja in der Hölen Klufft mehr als bey Menschen seyn.

So hat dein Urtheil doch den tollen Wahn verlachet

Du wünschst in Schlesien zu liefern Seel und Geist.

Wie hast du GOtt gedanckt der hier dein Grab gemachet

Und dir von Jugend auff viel Vater-Treu erweist.

Es kan auch Breßlau nicht undanckbar sich bezeigen

Die dich als Handels-Mann und Gast genommen an:

Es wird der Dürfftigen ihr bebend Mund nicht schweigen

Was du aus Gütigkeit hast gegen sie gethan.

Dein ehrliches Gerücht ist weit bey uns erschollen.

Denn Tugend ist nicht frembd und überall zu Hauß.

Und glaube daß wir so dein Grab verehren wollen

Daß keiner Zeiten Lauff lescht dein Gedächtnüß aus.

Es streuten Hyacinth Narcissen und Violen

Ja einen gantzen May die Alten auff die Grufft:

Wir dürffen Blumen nicht zu deinem Grabe holen

Indem die Tugend selbst: Sein Name blüht: ausrufft.

Wie einer hat gelebt erklärt sein letztes Ende

Die Wercke folgen uns stets als Geferten nach.

Wie treu befahlst du GOtt die Seel in seine Hände!

Und schwungst mit Andacht dich biß an der Sternen Dach

Ja kömmt mir aus der Acht der Väterliche Seegen

Den du mit Thränen noch den Kindern schicktest zu.

Die Worte die genung auch Felsen zu bewegen

Die Neigung die gewehrt biß an die letzte Ruh.

Dir war es hoch erfreut ins Vater-Landes Armen

Der Freunde Gegenwart zu scheiden aus der Welt

Du sahst sie ins gesammt mitleidig sich erbarmen

Ach daß kein Flehen nicht den Tod zurücke hält!

Wiewol wir sollen nicht dein besser Glück beklagen

Bloß unsre Sterbligkeit ist bittrer Thränen werth.

Zu dem

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