Erlangte wahre Ruh Hn. H. von B. den 15. Octobr. 1669.
Woldem der seine Ruh kan in sich selbsten finden
Den keine Regung nicht zu ihrem Sclaven macht
Der seinen Willen kan vernünfftig überwinden
Und nit nach falschem Schein der hohen Dinge tracht.
Der wie die alte Welt ein gleiches Leben führet
Die Unschuld erster Zeit ihm zum Exempel stellt
Dem nie der Hoffarts-Geist das innre Hertz berühret
Der grosser Höffe Pracht für Dampff und Nebel hält:
Der für sein höchstes Gut ein ruhiges Gewissen
Und für den schönsten Schmuck die göldne Freyheit schätzt
Der nicht auf Eitelkeit des Pöfels ist beflissen
Und seinen gantzen Wunsch auf andrer Schmeicheln setzt;
Der mit sich selbsten Freund die falschen Freunde hasset
Und Einfalt von der List zu unterscheiden weiß
In eine solche Form sein gantzes Thun verfasset
Die richtig Kugelrund als wie der Erden-Kreiß:
Der sich zuviel nicht freut und nicht zu sehr betrübet
Bey hellem Wetter so als wie beym schwartzen sitzt
Gott und der Tugend nur sich eintzig übergibet
Und wolgemuthet steht wenn gleich der Himmel plitzt.
Der wird ein grünes Feld vor die Palläst erwehlen
Weil dort die Anmuth selbst hier nichts als Kummer blüht
Der seine Stunden nicht darff nach der Uhr abzehlen
Noch daß er halbbestürtzt auf andrer wincken sieht:
Ein Blumen-reiches Graß beliebt ihm vor Tapeten
Weil jene nur die Kunst und diese Flora mahlt
Und darff drauf außgestreckt vor keinem nicht erröthen
Und ob er noch so sehr von grosser Hoheit strahlt.
So lebte Cicero wenn er sein Rom verlassen
Und sich der Würde Bürd’ entband in Tusculan
Es konte der Horaz mehr frische Geister fassen
Wenn er auf seinem
Entfreit von Schloß und Hof entfreit vom Lieb dienen
Sein eigen Herr und Knecht und doch deß Käysers Freund.
Sagt nicht der Plinius daß alle Sinnen grünen
Wenn er zu Laurentz lebt und da die Sonn ihm scheint?
Wie lobet Sannazar sein Gut die Marginille?
Wie sang nicht für Florentz Politian im Thal?
Schätzt nicht Lotichius der grünen Gärten stille
Und einen frischen Brunn mehr als der Printzen Stahl:
Der Weisen meister Schluß der stimmet hier zusammen
Daß wer der Sinnen Ruh und auch des Leibes sucht
Des Volckes Meng und Lust und Händel muß verdammen
Daß in der Einsamkeit nur blüh des Friedens Frucht.
Nicht daß man gäntzlich sich den Menschen soll entziehen
Und gleich Gefangenen in Kammern sperren ein
Daß man in Hölen solt als wie der Timon fliehen
Und wie Domitian ein Fliegen-Stecher seyn.
Nein diese fürchteten ihr Lasterhafftes Leben
Für einer ehrbarn Welt zu bringen an das Licht.
Diß meyn ich wer sich will der Erbarkeit begeben
Und etwas gutes thun dem nutzt Gesellschafft nicht.
Zu dem so ist die Art des Lebens untermenget:
Es kan ein jeder nicht bey Kron und Infeln stehn;
Wohin der Unbestand sich des Gelückes hänget
Auf diese Seite muß der Mensch gehorsam gehn.
Dem gibt es Gold und Sammt und jenem Stroh zur Decke
Der sitzet auf dem Stuhl ein ander für der Thür:
Der tauchet sein Gewand ins Blut der Purpur-Schnecke
Da mancher armer Mensch sich nicht kan kleiden hier
Und alle sind wir nicht zu Sceptern außerkohren
Wer nur in seinem Stand mit Gott vergnüget lebt
Derselbe hat noch nie die wahre Ruh verlohren
Weil in Zufridenheit so Leib als Seele schwebt.
Der seinen Acker baut der seinen Baum beschnitzet
Der seiner Früchte Krafft nach seinen Jahren zehlt
Dient eben GOtt wie der der bey den Hohen sitzet
Mit dem sich nichts als Pracht und Herrligkeit vermählt.
Ja ferner liebet nicht jedweder grosses Wesen
Es kiest ein Sternen-Geist ihm vielmahls Cellen aus
Und gibt durch Witz und Kunst der grauen Welt zu lesen
Daß einem weisen Mann ein jeglich Ort sein Haus.
Viel wollen durch Geschäfft und Dienste diß erlangen
Was nur der Weis’ allein und niemand sonst besitzt
Doch endlich wenn wir kaum im Vorsatz angefangen
So hat der Todt bereit die Pfeile schon gespitzt:
Und wenn wir gar genau das Leben überlegen
Was ist es? Angst und Streit und immer neue Noth.
Will nun ein Mensch auch nicht den Sinnen-Frieden hegen
So ist der Lebens-Rest noch ärger als der Tod.
Wer einsam und vergnügt verlacht den Wahn der Zeiten
Gewissen Gott und Mensch vorsetzlich nie betrübt
Der kan ein Ebenbild der Freuden ihm bereiten
Die seinen Gläubigen der Allerhöchste gibt.
Was ist sonst unser Thun? So bald der Tag erwachet
So legen wir zugleich die Kummer-Kleider an
Wenn eine gute Stund uns wo der Himmel machet
Hängt Eckel und Verdruß zu einem Ausschlag dran.
Und ob gleich Ehr und Lust das Leben übergolden
Wird doch die
Abgötter seiner Zier darff es so schlecht besolden
Daß nur ein Leinen Tuch die kalten Glieder deckt.
Denn ist der Nahm ein Ruff der stoltze Leib nur Asche.
Elende Sterblichen denckt eurem Jammer nach!
Womit die Thränen man bey solcher Noth abwasche
Ist Ruh und diese stört kein Hertz-erzwungnes Ach
Welt Teufel Fleisch und Blut sind arge Seelen-Feinde
Doch wer nur hurtig kämpfft erlangt gewiß die Kron
Auff seine Müh folgt Ruh und er hat Gott zum Freunde
Besitzt die Ewigkeit für seiner Arbeit Lohn.
Herr Bierle der die Ruh und nicht die Eitelkeiten
Der schnöden Welt geliebt ruht jetzt auf ewig wol
Es stehn dem reinen Geist die Engel an der Seiten
Er liebt das Paradeiß in dem er wohnen soll
Weil jetzt die Flora pflegt die Gärte zu verlassen
Der Blume prächtig Haupt verwelckt und untergebt
Sucht er Jerusalems gewünschte Himmels-Gassen
Und siht wie unverwelckt der Baum deß Lebens steht.
Der Wandel den er hier in seinem Leben führte
Der bietet ihm auch dort die Unschulds-Lilgen all.
Die wolbedachte Ruh so ihn auff Erden zierte
Macht daß er in der Hand deß HErren ruhen kan