Erndte-Feyer in Ritzebüttel, 1736 .
Mit ehrerbietigstem Gemühte
Verehr’ ich Deine Gnad’ und Güte,
O HErr, daß Deine Vater-Hand
Ein neues Glück mir zugewandt,
So ich nicht gnug zu schätzen weiß,
Da Du mich hast, aus Lieb’, erlesen,
Zu mehren Deines Namens Preis,
Und daß ich heut, auf Dein Geheiß,
Durch Dich, Dein Werkzeug bin gewesen.
Du hast mir gnädig wollen gönnen,
Daß ich, zur frohen Wirklichkeit,
Das, was ich schon so lange Zeit
Gewünschet habe, bringen können.
Den mir von Dir geschenkten Stand,
Und die damit verknüpfte Macht,
Hab’ ich mit Freuden angewandt,
Daß diesen Tag ein ganzes Land,
So Deine Wunder ohn’ Bedacht
Bishero, leider! angesehen,
Mit Dank und Lob itzt muß gestehen,
Zu Deines grossen Namens Preise:
Daß Du es seyst, der Brodt und Speise,
Auf eine wunderbare Weise,
In solchem Ueberfluß für sie,
Jmgleichen Futter für ihr Vieh,
Aus Wasser, Luft und Erde bringt;
Daß von dem Sonnen-Schein und Regen
Jm Saamen-Korn ein reicher Segen
Nur bloß allein durch Dich entspringt.
Ich hab’ ein Dank-Fest eingesetzet,
Das sich, mit Fug, ein Erndte-Fest,
In Ritzebüttel, nennen läßt,
Woran sich Jung und Alt ergetzet.
Der Tag brach an, der hell und klar
(ein günstig Himmels-Zeichen!) war.
Man hörte das Geläut’ erschallen;
Man sah, auf diesen frohen Schall,
Auf Weg- und Stegen überall,
Zum Hause Gottes fröhlich wallen
Der Land-Leut’ ausgeschmückte Schaar,
Die Menge, die Beweglichkeit,
Die bunten Kleider in dem Grünen,
Vom hellen Sonnen-Strahl beschienen,
War lustig, angenehm und schön,
In mancher Farb’ und Form, zu sehn.
Hier führte sie ein schmaler Steg
Durch noch nicht abgemähten Rocken,
Und dort ein allgemeiner Weg
Durch zierlich aufgethürmte Hocken.
Die Kirche war, in vielen Reihen,
Mit frischen, grünen, jungen Mayen,
Behäg- und lieblich ausgezieret.
Es konnt’ an diesen netten Büschen
Nicht nur das Auge sich erfrischen;
Es ward von ihrem süssen Duft
Die ganz damit erfüllte Luft,
Und auch, durch sie, der Geist gerühret.
Da, durch das Laub, denn alles bunt
Und als im grünen Walde stund.
Dieß neue nun wirkt, durch die Seltenheit,
Sowohl im Munde ihrer Lehrer,
Die ihren Text
Als in den Ohren ihrer Hörer,
Daß sich bey beyden Achtsamkeit,
Samt Lust und Andacht, noch vermehrt.
Es wurde lieblich musiciret:
“du ewiger Gnaden allmächtiger Wille rc.
Daß dieses nun so wohl gelungen,
Dafür sey, grosser Schöpfer, Dir
Von allen, sonderlich von mir,
Lob, Ehre, Preis und Dank gesungen.
Ach, laß uns oft mit Lust dergleichen Feyr begehen!
Laß uns uns oft von Dir gesegnet sehen!
Laß oft von uns ein Lied, das Dir gefällt, erklingen,
Bis wir dereinsten dort ein ewigs Loblied singen!