Ernstliche Betrachtung der Welt nothwendig.
Kann es auch sonder Kunst geschehn,
Wenn wir an schönen Schildereyen
Uns mit Vernunft ergetzen und erfreuen,
Und mit vergnügtem Geist die Kunst des Künftlers sehn?
O nein, ein Kunst-Erfahrner weiß,
Das blos durch einen langen Fleiß
Man diese Wissenschaft erhält,
Und sonder Mühe sie nicht findet;
Wie daß man sich denn unterwindet,
Sich selber so geschickt zu schätzen,
An dem weit schöneren Gemählde dieser Welt
Vernünftig, ohn Vernunft, sich zu ergetzen,
Ja, ohn es einmahl anzusehn,
Des grossen Meisters Geist doch sattsahm zu verstehn,
Den er in seinem Wercke weiset;
Ein Werck, das überall den grossen Meister preiset?
Ist es nun eine Kunst, der GOttheit Werck zu fassen;
Will man sich denn darin nicht unterrichten lassen?
O ja! ich wolte gern, hör’ ich verschiedne sagen,
Mich an des Schöpfers Werck vergnügen,
Und meine Lust zu seiner Ehre fügen;
Allein wer lehrt es mich? hör’ ich dieselben fragen;
Die GOtts-Gelehrten legen sich,
So wie ich schon seit langer Zeit bemercke,
Allein auf GOttes Wort, nicht leicht auf GOttes Wercke.
Nun ist es recht, daß sie von seinem Wort nicht schweigen,
Doch solt ein jeder auch nicht minder gern
Die grossen Wunder seines HErrn
Den sonst stock-blinden Hörern zeigen.
Ich hoff’ es wird auch mehr und mehr geschehen;
So lang es nicht geschicht,
Erfodert es doch deine Pflicht,
Sie oft mit schuldiger Betrachtung anzusehen.