Erstes Straff-Gedichte
Written 1640-01-01 - 1640-01-01
Komm werthe Freyheit komm! Komm Göttin hilff mir schreiben
Weil ich ja schreiben soll. Calliope mag bleiben
Und heucheln wie sie will. Der schönen Worte Pracht
Hilfft doch der Warheit nicht. Und nun ich mich bedacht
Befind' ich daß sie woll dafern ich bitten wolte
Mit ihrer Schwestern Schaar mich nicht besuchen solte:
Weil sie den langen Tag bey jenem embsig sitzt
Der Flüsse von Verstand (wenn ihm die Stirn erhitzt)
Mit Strömen von sich geußt: Wenn Faunus hier zu finden
So spräch' er bey uns ein doch wandelt um die Linden
Doch wandelt auf der Burg doch wandelt in der Stadt
So viel gehörntes Volck das Faunus selbst sich hat
Verkannt als jener Knecht der von sich wurd geschlagen
Und vor sich selber lieff. Jedoch was werd' ich sagen
Daß neu und zierlich sey. Phantast! wo denck' ich hin
Der ich noch in der Welt und in dem Lande bin
Da man die alten Schwänck in neue Formen drücket
Und ein verfaultes Buch mit Kupffer-stichen schmücket
Und auf die Groschen hält die jener König schlug
Der Hörner auf der Müntz an statt der Crone wug.
Man kaufft ein halbes Brett auf welchem kaum zu kennen
Wo Albert Dürer steh: Last nur den Lucas nennen
Den Ruhm der Weisen Stadt der schier vor Hunger starb;
Den rufft ein ieder mein! der Mann der nicht erwarb
Was auf die Farbe lieff. Der auf gemeiner Bahre
Ward nach der Grufft geschickt dem zahlen hundert Jahre
Für die berauchte Kunst viel tausend Gulden aus!
Wie viel hält Kottwick itzt auf sein verschwemmtes Haus
Von welchem kaum die See sechs Steine lassen bleiben?
Denckt nur wie viel anitzt zu jenem Schreiber schreiben
Der von den Helden sang die Asien verheert
Und Pergamus geschleifft und Trojen umgekehrt!
Es sind von Arbiter nicht so viel Stücke blieben
Als Federn sich an ihn in einem Jahr gerieben;
Und denckt man woll das Tros der tausend Bücher macht
So viel aus einem Hirn (das nicht zu klug) erdacht:
Nein warlich! wenn man nur solt auf die Schaale legen
Was sein Erforschen fand es würde leichter wägen
Als Psychens Jungfrauschafft als Flacci theurer Schwur
Als Trullens Redlichkeit dir durch die Lüffte fuhr
Eh als sie Polydor mit Lügen recht gefiedert
Entsetzt man sich da sich mein Anfang etwas wiedert
Und mit dem Mittelstück so stimmet überein
Als Cajus gantzer Hals und sein durchschossen Bein
Als Madons grauer Bart und die Blut-rothe Nase
Als ein behertzter Löw und ein verzagter Hase.
Es ist ja mehr denn wahr daß man sich itzt so trägt
Daß man so lehrt und schreibt und so zu reden pflegt.
Flaccilla steht es zu. Die schmückt die fremden Haare
Den Deckel ihrer Platt' und ziert mit theurer Waare
Die Brüste trefflich aus doch ist der Leib befleckt
Den ein zerrissen Tuch an statt des Hemdes deckt.
Was ist Leanders Kleid? ein Spiegel seiner Sitten!
Schön' oben unten kahl leichtfertig in der Mitten
Meint ihr daß ihm der Strauch der Schlingen schöner steh'
Als itzt der Federpusch den Fallus, der wohl eh'
Auf einer Wiesen pflag behertzt das Gras zu mayen?
Wie ändert sich die Zeit! itzt kan er Gold ausstreuen
Das er den Bauren hat so tapffer abgejagt
Als er sein Leben gar biß in den Speicher wagt.
Meint ihr daß er die Kett' hab auf dem Mist erworben!
Ach nein! er hat getrost den Völckern die gestorben
Eh' er gebohren ward gedräut mit Flamm und Schwerdt
Er hat ihr altes Hauß die Todt-Kist umgekehrt.
Und (was Ulysses nicht bey Hectors Grab gewaget)
Sie aus der Grufft gebracht und in die Lufft getaget.
Ich hab es selbst geschaut wie sie in Asch' und Wind
Als er die Faust anlegt so bald verstoben sind.
Unangesehn daß sie vordessen gantze Hauffen
Der Türcken in die Flucht in Hungarn lehrten lauffen.
Ich weiß wol daß ihn nechst der strenge Sejus stieß.
Daß er den gantzen Leib zu Boden sincken ließ.
Doch litt' ers mit Gedult und hielt es ihm zu gute.
Warum? der Sejus war von nicht so edlem Blute.
Und last ihn edler seyn; Es stehet Helden an
Daß man dafern es Noth auch was verzeihen kan.
Thats Isabelle doch die hat sich nie beschweret
Daß Robert ihren Mann bey später Nacht entwehret
Entwehret und erwürgt. Wenn er nicht selbst entdeckt
Was seine Faust verübt: er wäre nie gereckt
Und nie des Kopffs beraubt. Sie hat mit Angst empfunden
Sein unverhofftes Weh; die auf des Mannes Wunden
Durch die ihm Blut und Seel auf eine Zeit ausfloß
Nicht einen Seuffzer ließ nicht einen Thränen goß.
Das hieß recht treue Gunst. Das hieß die Feinde lieben!
Und sich ob eigner Noth nicht gar zu hoch betrüben!
Diß kan Petrinus nicht der viel von Tugend schwätzt
Und doch mit Hurerey und Lügen sich ergetzt.
Wie offt hab' ich gehört daß er den Ketzern fluchte:
Daß er der Menschen Thun auffs fleißigste durchsuchte!
Wie offt daß er was falsch vor Warheit hat bericht!
Wie offt daß er aus Haß ein Laster hat erticht
Wo man kein Laster fand! Doch daß er selbst ist kommen
Zu Phrynen iede Nacht sie in den Arm genommen
Kam eher nicht ins Licht biß sie das Kind gebahr
Daß ihr doch ihm vielmehr nicht angenehme war.
Die Arme wie man weiß ward darob so betrübet
Daß sie ein Mord-Stück hätt an ihrer Frucht verübet
Wenn nicht der schnelle Tod das abgekränckte Pfandt
Noch vor der sechsten Nacht der Gruben zugesandt.
Wie schamroth ward Petrin! wie hat er sich verkrochen
Als ieder schrie; der Mann hat Ehr' und Eid gebrochen!
Er schwieg. Doch länger nicht als an den zwölfften Tag
Da leugnet er so frech als Turbo lügen mag.
Doch weiß die grosse Stadt daß Phryne klar erwiesen
Mit Schrifft mit Eid und Pfand und Zeugen die man kiesen
Nicht zehlen hat gesehn daß er die That verbracht
Und in der Mutter Burg zur Hure sie gemacht.
Was ists denn (sprach er) mehr! Und wär es gleich gesechhen
Man hat mich dennoch nicht mit Schwestern buhlen sehen
Nicht in der Tochter Schoß wie Verianus pflegt
Der sich zu Kind und Weib und Baas und Schwester legt;
Lebt mäßig sprach Melin, wo ihr mit achzig Jahren
Und zehnmal dreyen noch wo ihr mit greisen Haaren
Wolt nach der Gruben gehn und tranck den Becher aus
Der weiter als sein Kopff und grösser als der Straus
Den neulich jener Artzt vor einen Luchs ansahe
Hilff Gott wie lachten wir! doch als der Abend nahe
Und der verlogne Ceph sich selbst vor Ritter schalt
Da zogen wir den Hut da neigten wir alsbald
Den Kopff schier in den Dreck da küsten wir die Hände
Wir sassen unten an wir starrten wie die Wände
Wenn er den Blasebalck der Zungen spielen ließ
Und eitel Wunderwerck aus seiner Gurgel stieß.
Wie hörte Cælia, da er mit Gläsern schantzte
Da er Pocal um sich gleich als Carthaunen pflantzte:
Da er die Schüssel nahm: und schrie diß ist die Stadt
Diß ist das Feld! auf dem mein Fürst gefochten hat.
Hier lag der stoltze Feind hier stieg Staub Rauch und Flamme
Mit Krachen Himmel-an: Hier gieng mit Ast und Stamme
Der gantze Wald in Brand. Und hier hier merckt es wol
Hier war mein Tummelplatz hört was ich sagen soll:
Durch hundert drang ich hin den stieß ich durch die Lenden
Den andern durch den Bauch der fiel mit lahmen Händen
Den trat sein Roß in Sand dem schlitzt ich Haupt und Brust
Den zwang ich daß er Fahn und Leben lassen must.
Die Kugeln flogen mir als Schlossen um die Ohren!
Der Bart ist noch versengt den Zopff hab ich verlohren
Als die Carthaune mir drey von der Seiten nahm
Und ich mit Blut und Staub bedeckt entgegen kam
Dem Haupte das auf uns das Gegentheil verhetzte
Ich schlug (wiewohl Bramant es zwantzig mahl entsetzte.)
So auf en Helden loß daß ihm der Geist entwich
Und wenn Alcander nicht der auf dem Platz erblich
Ihm beygesprungen wär' er hätte mir sein Leben
Wohl dreymahl und noch mehr zu Pfande müssen geben
Drauf fiel ich auf die Stadt die man umsonst gequält
Mit Flammen Sturm und Schwerdt so lang es an mir fehlt.
Als ich mich auf den Wall der stoltzen Burg geschwungen
Da ist der Anschlag uns da ist das Werck gelungen.
Man hat vor andern mich sehn in dem Graben gehn
Man hat vor andern mich sehn auf den Mauren stehn
Diß hörten unser zwölff! und keiner wolte pfeiffen
Unangesehn daß wir mit Fingern konten greiffen
Daß er der Schwätzer war der durch das gantze Land
Hat Kräuter Theriac und Salben für den Brand
Und Pulver für die Würm und für die faulen Zähne
Den Bauren offt verkaufft: ja daß ich nicht erwehne
Daß ihm mit Bircken-Laub der Rücken abgefegt
Auch nicht daß ihm ein Band von Hanff ward angelegt.
Wir wusten über diß daß ihm der Geist entwichen;
Als er den Cörper sah der auf dem Rad erblichen.
Behertzter Rittersmann du hast dich ja gewagt
Wohin es möglich war biß man dich hat verjagt
Doch diß ist nun kein Hohn. Wer vor sein Land wil wachen
Wer nach Gewissen geht und den der in den Rachen
Des strengen Todtes rennt auffhält so lang er kan
Wer ein geschmincktes Wort und was ein Fürst beut an
Und was ein König dräut ohn Angst und Hoffen höret
Wer Redlichkeit allein nicht Ruhm nicht Schmeicheln ehret
Geht offt wohin man vor die Schelmen lauffen hieß
Und den der Frau und Kind mit einem Dolch erstieß.
Drum loben wir was recht und thun was uns ergötzet
Wir rühmen was Camill in sein groß Jahr-Buch setzet
Und leben wie es Brauch. Der ist ein guter Mann
Der nicht mit einem Mund zwey Liedlein singen kan:
Diß reden was man meint so leben wie man lehret
War jene Zeit gemein; da man die Tugend ehret
Einfältig sonder Pracht da man mehr that als schrieb
Mehr wust als hören ließ und in den Schrancken blieb.
Die kein Verstand bewegt: Als ein Gesetz alleine
Für tausend Länder stund als man das Mein und Deine
Nicht mit dem Spieß abmaß als Kirchen und Altar
Zwar sonder Gold doch wol von göldnen Priestern war
Die Liebe die Geduld vor höchste Weißheit achten;
Und nicht aus ihrem Dienst ein weltlich Handwerck machten.
Als man mehr weise Leut' als itzund Narren fand
Mehr Werck' als Tittel nun die einig unser Land
Das nicht mehr tragen wil so reichlich auff-läst gehen
Die Schlösser brechen ein die neuen Tittel stehen
Der Thurm stürtzt auf den Grund die Kirch' ist Asch und Grauß
Man kehrt die Gräber um. Die blinde Fledermaus
Der Uhu nebst der Schaar der ungepaarten Eulen
Bewohnen den Pallast. Die grausen Wölffe heulen
Durch die nun wüste Stadt. Und was nun ist verschwindt
Die Tittel sinds allein die man im Blute findt.
Und die man finden wird wenn keiner mehr wird suchen
Ich wil was Celsus weiß und Crassus hat verfluchen.
Wenn ein erlogen Wort mir diß und jenes giebt
Und mehr denn Cajus wünscht und Theopompus liebt
Glaubt fest es ist mein Ernst ich wil es klar beweisen
Daß wir an Alcidor nichts als den Tittel preisen.
Ko i grosse Göttin ko i und beut mir Hülff und Hand:
Du weist wol was ich wil: Dir ist der Mann bekannt
Der ihn (wofern man soll der Mutter Worten glauben)
Für seinen Sohn erkiest; sein nicht verdecktes Rauben
Und offenbahre List stinckt mehr denn sein Gebein
Das in der Gruben fault der Bruder ist allein
Berühmt durch fremder Angst. Er selbst ward aufferzogen
Da wo die junge Sau der alten Brust gesogen
(das Unmensch bey dem Vieh.) und von der Lämmer Schaar
Als dreyzehnmal die Erndt itzt angebrochen war
Gezwungen in die Stadt in welcher Varus wohnet
Dem der nicht weise Rath mit baarem Gelde lohnet.
Daß er die Knaben streicht und diese rasend macht
Die man ihm anvertraut. Der schlug ihm iede Nacht
Die Kunst mit Ruthen ein. Der Varus solt' ihm zeigen
Was Varus nicht verstund. Der Varus lehrt ihn schweigen
Denn reden kont er nicht. In kurtzem Alcidor
Ward ein so grosser Plock und ungehirnter Thor
Als nicht sein Meister ist. Drauf ließ er sich hinführen
Wo man die Esel schleifft und mit dem Holtz-Beil zieren.
Doch leider nur umsonst es hängt uns ewig an
Was Schul' und Amm' einschmiert. Als nun das Geld verthan
Das ihm die Mutter gab als er die Nacht mit Sauffen
Den Tag mit Kost' und Ball das Jahr mit Tantz' und Rauffen.
Den Rest in Chloes Arm beschlossen dacht er nach
Daß die geschwinde Zeit gleich einer schnellen Bach
Sich gar nicht hemmen läst. Daß ihm die Schwäger schrieben
Daß Braut und Schwester ihn gleich als nach Hause trieben
Und hub zu lernen an. Zwey Bücher kaufft er ein
In welchen allerhand vermischt wie Kalck und Stein
Wie Klee- und Körbel-Kraut und Nesseln und Violen
Und Kreß und Majoran wie Asch und lichte Kohlen.
Die las er fleißig durch. Drein setzt er manche Hand
Und Stern' und Eselsohr und durchgeflochten Band.
Die fast' er in den Kopff die kont er eh'r auffsagen
Als Prisca zehlen wird wie viel sie hat getragen
Als Best, wie viel er stahl wenn er nur einen fand
Der noch was gröber war denn maß er den Verstand
Mit vollen Maltern aus denn wust er zu erzehlen
Was Socrates gelehrt wo Plato pflegt zu fehlen
Die er so offt durchsucht als ich der Mohren Feld.
Und der mein Vaterland der in der neuen Welt
Geröste Schlangen frist. Doch wenn der Fall ihn setzte
Zu einem der den Zeug nach seiner Würde schätzte.
Vor dem ein Esel sich umsonst in Löwen-Haut
Verkleidet sah' er aus wie ein verschimmelt Kraut.
Das mir nechst Themison für Balsam geben wolte
Als ich nach seinem Rest den Wagen saubern solte.
Denn schwieg er wie Carin, dem Muth und Zung entschlieff
Als die bewegte Stadt ihn anzuhören lieff.
Doch was kan dieser nicht bey dem die Scham verlohren
Sein Silber ward (nicht er) zu diesem Amt erkohren.
Sein Silber sprach vor ihn das bracht ihn in den Stand
In welchem er geblüht als sich das gantze Land
Vor seiner Macht entsetzt. Doch die ist nun verschwunden
Der Lands-Knecht hat das Geld sein Amt ein ander funden
Den Tittel hat er noch der bracht ihn zu der Eh'
Der bracht ihn auf den Hof der setzt ihn in die Höh'.
Der macht daß ich nicht mehr von seinen Wercken schreibe!
Ich der ich meine Zeit in Einsamkeit vertreibe
Ich der ich eine nicht als Jungfrau ehren kan
Die schon das sechstemal wird Mutter sonder Mann.
Ich der ich einen nicht kan einen Herren nennen
Den ich nicht würdig acht' als einen Knecht zu kennen;
Ich der nur lachen muß wenn den Josippus ehrt
Dem er den Galgen wünscht wenn man den Ruf gelehrt
Den Tallus edel nennt den Bassus wohlgebohren
Den Lycus unverzagt und Marrucin den Thoren
Ein Wunder dieser Welt. Doch lach' ich nur allein
Bey Bauren stellt man Schertz bey Narren Lachen ein.